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Wie die Lebensversicherer den Umschwung schaffen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ende 2016 konnten alle deutschen Lebensversicherer Solvency-II-Quoten von über 100 Prozent ausweisen. Dies zeigt, dass sie die Umstellung des Solvenzregimes gut gemeistert haben. Die leichte Erholung des Zinsniveaus im Jahr 2016, die Übergangsmaßnahmen ("Transitionals") sowie aktive unternehmensinterne Steuerungsmaßnahmen haben hierzu beigetragen.
Während der Zinsanstieg einen deutlich positiven Effekt auf die Solvency-II-Quoten hatte, können diese sich bei einer Zinssenkung in kurzer Zeit deutlich verschlechtern. Da solche Zinsschwankungen und damit einhergehende Volatilitäten der SII-Quote kaum vorhergesagt werden können, und weil sich die SII-Quote für langfristige Portfolios mit der Zeit durch die schrittweise Reduktion der Übergangsmaßnahmen reduziert, kann es für Lebensversicherer sinnvoll sein, entsprechende Optimierungsmaßnahmen zu implementieren.
Um bei der Kapitaloptimierung unter Solvency II die gewünschte Verbesserung des Gesamtkapitals zu erreichen, müssen verschiedenste Einflussfaktoren wie Diversifikation, die verlustabsorbierende Wirkung technischer Rückstellungen und Steuern sowie die Kosten der Optimierung berücksichtigt werden. Die Praxis zeigt, dass die tatsächliche Kapitalanforderung (SCR) im Durchschnitt um ca. 75 Prozent niedriger liegt, als die Summe der Einzelrisikokapitale (BSCR).
Für deutsche Lebensversicherer mit überschussberechtigtem Geschäft hat die Verlustausgleichsfähigkeit von sowohl versicherungstechnischen Rückstellungen als auch latenten Steuern einen massiven Einfluss. Der Kapitalbedarf wird noch einmal um das Dreifache der Diversifikation reduziert, sodass das SCR letztlich nur bei ca. 25 Prozent der Summe der Einzelkapitalbedarfe liegt. Werden nun einzelne Risiken durch eine Maßnahme reduziert, verliert das Lebensversicherungsunternehmen mitunter die entsprechende Verlustausgleichsfähigkeit, und der gewünschte Effekt macht sich nicht in vollem Umfang im SCR bemerkbar.
Das Ziel der Optimierungsmaßnahmen ist es nicht, das SCR zu verbessern, sondern die Solvenzquote. Werden Risiken an eine Drittpartei übertragen, so schmälern die Transaktionskosten die Eigenmittel und damit den Zähler der Solvenzquote (siehe Grafik). Bei der Gestaltung einer optimalen Lösung spielt eine gesamthafte Betrachtung eine entscheidende Rolle: Nur den SCR-Effekt zu betrachten, ist nicht ausreichend; entscheidend ist der Positiveffekt auf die Gesamtquote.
Eine Verbesserung der Solvenzquote kann durch eine (alleinige) Erhöhung der Eigenmittel erreicht werden. Da eine Kapitalerhöhung jedoch die teuerste Option ist, möchten sie viele Unternehmen vermeiden. Stattdessen sind nachrangige Darlehen oft die bevorzugte Wahl. Gruppenintern kommen am ehesten die ergänzenden Eigenmittel ("ancillary own funds") zum Einsatz – einschränkende Bedingungen der SCR-Entlastung fallen in diesem Szenario weniger ins Gewicht.
Lebensversicherungsunternehmen können viele Risiken selbst optimieren und dabei auf eine Vielzahl von entsprechenden Instrumenten zurückgreifen. Für viele deutsche Lebensversicherer, jedoch nicht für alle, dominieren die Marktrisiken den Kapitalbedarf, weshalb der Großteil der Optimierungsmaßnahmen auf diesen Aspekt abzielt.
Obwohl die derzeitigen Solvenzquoten im deutschen Markt komfortabel erscheinen, ist es sinnvoll, auf weniger günstige Szenarien vorzubereitet zu sein. So verringert die Abgabe von Risiken an eine Drittpartei die Volatilität der eigenen Solvenzquote. Bei der Ausgestaltung von Optimierungsmaßnahmen sollten Diversifikation, Kosten und Gesamt-Effekt berücksichtigt werden.
Da die Gewichte der Risikokomponenten unternehmensspezifisch sind, empfiehlt es sich, die Solvenzeffekte individuell zu simulieren. So wird der konkrete Einfluss einer Maßnahme verlässlich einschätzbar. Für den Erstversicherer lassen sich die besten Ergebnisse meist mit einer unternehmensspezifischen Kombination verschiedener Optimierungsansätze realisieren.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Autoren: Mathias Schröder, Bereichsleiter der E+S Rück, Christiane Kück, Referatsleiterin der E+S Rück, und Michael Winkler, Director der Monument Re.
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