17.05.2018Schlaglicht

Ergo knüpft Kündigungsschutz an wirtschaftlichen Erfolg

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Ergo ist bei der Umsetzung ihre Strategieprogramms einen wichtigen Schritt weiter gekommen. Demnach hat sich der Versicherungskonzern mit der Verdi-Tarifkommission auf einen sozialen Ordnungsrahmen geeinigt. Dieser umfasst einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, eine Standortgarantie sowie einen Schutz bei möglichen Outsourcing-Maßnahmen.
Wie das Düsseldorfer Unternehmen am Mittwoch mitteilt, wird der bereits bestehende Standortschutz für die Verwaltungsstandorte Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim und München verlängert und erweitert. Der Schutz gilt laut Ergo nun bis Ende 2021 und erstreckt sich erstmalig auch auf die Standorte der Itergo, den Standort Nürnberg und bezieht auch den Makler- und Kooperationsvertrieb mit ein. Zudem die Anzahl der Regionaldirektionen der Ergo AO bis Ende 2021 nicht zu reduzieren, sofern die Neugeschäftsziele der Ergo Deutschland erreicht werden.
Zudem habe sich die Ergo dazu verpflichtet, dass ein Übergang zu einem Outsourcing-Partner für die Mitarbeiter zu unveränderten Rahmenbedingungen erfolgen soll. Werde dies innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Übergang nicht gewährleistet werden, können die Mitarbeiter zu Ergo zurückkehren.
Außerdem werde der vereinbarte Kündigungs- und Standortschutz an die Umsetzung der wirtschaftlichen Zielsetzungen des Ergo Strategieprogramms verknüpft, heißt es bei der Ergo. Zudem stehen beide Zusagen unter dem Vorbehalt, dass das Ergebnis und die wesentlichen Kostenziele des Strategieprogramms erreicht werden.
"Dank des Strategieprogramms hat Ergo wieder deutlich an Kraft und Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Davon profitieren nun auch die Mitarbeiter. Ich freue mich, dass wir durch die geschlossene Vereinbarung noch aktivere Unterstützung im Transformationsprozess erhalten werden. Ich bin sicher, dass wir Ergo gemeinsam zu einem modernen und zukunftsorientierten Versicherungsunternehmen weiterentwickeln werden", kommentiert Ergo-Vorstandschef Markus Rieß die Übereinkunft mit der Dienstleistungsgewerkschaft.
"Mit dieser Vereinbarung setzen wir ein spürbares Zeichen der Stabilität und Kontinuität gegenüber den Mitarbeitern und stellen sicher, dass die erreichten Erfolge auch für alle als solche erlebbar werden. Insgesamt machen wir mit dem Abschluss dieser Vereinbarung einen notwendigen und strategisch wichtigen Schritt in die zweite Phase des Ergo Strategieprogramms", ergänzt Ergo-Personalvorstand Ulf Mainzer.

Verdi setzt auf den Erfolg des Strategieprogramms

"Mit dem vereinbarten sozialen Ordnungsrahmen ist es nun zusätzlich gelungen, die Belange der Mitarbeiter von Ergo grundlegend abzusichern. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das ein wichtiges Zeichen, sich weiterhin für das Ergi Strategieprogramm und die Gestaltung der Zukunft des Unternehmens einzusetzen. Diesen Kurs wollen wir nachhaltig unterstützen und begleiten", betont auch Frank Fassin den sozialen Ordnungsrahmen bei der Ergo. Dabei sieht er die Pläne von Konzernchef durchaus positiv.
So handele es sich dabei "um kein klassische Umstrukturierungsprogramm", das mit einem Personalabbau einher gehe, erklärte er auf Anfrage von VWheute. Vielmehr handele es sich dabei eher um ein Zukunftsprogramm, um den Konzern entsprechend digital aufzustellen. Ein Scheitern wollte sich Fassin dabei eher nicht hoffen, "dann sehe es für die Ergo eher düster aus". Der Betriebsrat muss der Einigung hingegen noch zustimmen.
Wenig nachvollziehen kann der Gewerkschaftsvertreter auch entsprechende Medienberichte, wonach die Stimmung unter den Mitarbeitern der Ergo katastrophal sein soll. So berichtete die Wirtschaftswoche vor wenigen Tagen, dass der Widerstand im Haus gegen den Pläne von Konzernchef Rieß weiter wachsen würden. Ein Vorwurf: Rieß habe "vor allem Kosten gedrückt. Mehr als 1800 Mitarbeiter, in erster Linie im Vertrieb, mussten gehen. So hat Ergo im vergangenen Jahr immerhin einen Gewinn in Höhe von 273 Mio. Euro verbucht. 2016 hatte an gleicher Stelle noch ein Verlust von 40 Mio. Euro gestanden", schreibt das Blatt. Zudem sei "ein echtes Wachstum noch nicht in Sicht", heißt es weiter.
Klar ist jedenfalls: Das Transformationsprogramm bei der Ergo gehört mit mehr als 154 IT-Projekten wohl zu den größten Umstrukutierungsmaßnahmen in der Geschichte des Konzerns. Ein maßgebliches Ziel dabei: Mehr Agilität. "Agilität wird oft missverstanden. Agiles Arbeiten ist sehr stark strukturiert. Mit Chaos hat es überhaupt nichts zu tun. Sondern es geht dabei darum, dass wir Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen, die dann crossfunktional arbeiten. Das Management definiert den Grund, das Ziel und die Messlatte des Erfolges", betonte Ergo-Digitalexperte Mark Klein unlängst im Exklusiv-Interview mit VWheute. (vwh/td)
Bildquelle: Ergo
Ergo · Verdi · Markus Rieß
VW-Redaktion