Märkte & Vertrieb

Solvenzquoten entwickeln sich positiv

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Von Franziska Bach. Wie bereits vor einem Jahr haben die Versicherungsforen Leipzig erneut die veröffentlichten SFCR der jeweils zehn größten deutschen Lebensversicherer, Krankenversicherer und Schaden-/Unfallversicherer (gemäß Marktanteilen 2016 aus der Statistik der Bafin) unter die Lupe genommen. Was hat sich im Vergleich zum Vorjahr getan?

Lebensversicherung

Bei den Top 10 der Lebensversicherer beträgt die durchschnittliche Seitenanzahl der veröffentlichten Berichte (inkl. QRT im Anhang) 104 (2016: 98 Seiten). Wie bereits im Vorjahr haben vier der Unternehmen ein (partielles oder vollständiges) internes Modell im Einsatz. Auch die Verwendung von Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung ist identisch zu 2016. Drei Unternehmen verwenden die Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen, sieben die Volatilitätsanpassung (dabei haben zwei von ihnen beides im Einsatz). Im Durchschnitt hat sich die Solvenzquote von 361 Prozent im Jahr 2016 auf 403 Prozent im Jahr 2017 erhöht.
Ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung läge die durchschnittliche Solvenzquote bei 281 Prozent (2016: 234 Prozent). Alle Unternehmen erfüllen auch ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung die Kapitalanforderung, bei einem Lebensversicherer ist der Puffer mit einer SCR-Quote von 108 Prozent allerdings nicht allzu groß. Die durchschnittliche MCR-Quote der Top 10 Lebensversicherer beträgt 914 Prozent (2016: 850 Prozent).
Um die Anteile der einzelnen Risikokategorien am SCR zu bestimmen, betrachten wir das SCR als Summe aus dem Basis-SCR und der Kapitalanforderung für operationelle Risiken (ohne Berücksichtigung von Diversifikation und Verlustausgleichsfähigkeit der versicherungstechnischen Rückstellungen und latenten Steuern).
Bei den Top-Ten-Lebensversicherern hat das Marktrisiko mit 53 Prozent den größten und einen gegenüber 2016 (52,6 Prozent) kaum veränderten Anteil. Die zweitgrößte Risikokategorie ist das versicherungstechnische Risiko mit einem Anteil von 33,7 Prozent, der sich seit 2016 (32,1 Prozent) etwas erhöht hat. Beim Gegenparteiausfallrisiko hat sich der Anteil hingegen von 11,2 Prozent (2016) etwas reduziert auf 8,9 Prozent. Das operationelle Risiko trägt 4,4 Prozent (2016: 4,1 Prozent) zum SCR bei.

Krankenversicherung

Von den Top-Ten-Krankenversicherern liegen bisher nur neun SFCR vor. Die Barmenia Krankenversicherung wird ihren SFCR wie auch im Vorjahr als einzigen Bericht gemäß § 277 Abs. 2 VAG für die Barmenia Gruppe erstellen und erst im Juni veröffentlichen. Die Solvenzquote wird jedoch bereits auf der Webseite angegeben und konnte in unsere Analyse einfließen. Im Durchschnitt hat der SFCR der Krankenversicherer 99 Seiten (2016: 93 Seiten).
Vier der Unternehmen haben – wie auch 2016 – ein (partielles oder vollständiges) internes Modell im Einsatz. Von der Volatilitätsanpassung machen nur noch drei Krankenversicherer Gebrauch. Ein Unternehmen nutzt im Gegensatz zum Vorjahr keine Volatilitätsanpassung und keine Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen mehr. Die durchschnittliche SCR-Quote ist mit 500 Prozent höher als die Quote von 474 Prozent im Jahr 2016 (angepasster Wert inkl. Barmenia). Ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung würde sie 488 Prozent betragen (2016: 428 Prozent – angepasster Wert inkl. Barmenia). Die durchschnittliche MCR-Quote der Top 10 Krankenversicherer liegt bei 1.377 Prozent (2016: 1.183 Prozent).
Welche Anteile haben die verschiedenen Risikokategorien am SCR? Mit der oben beschriebenen Vorgehensweise haben wir folgende Zusammensetzung ermittelt: Auch bei den Krankenversicherern hat wie bereits 2016 das Marktrisiko mit 57,4 Prozent den größten Anteil, der nur wenig niedriger als der Vorjahreswert von 58,1 Prozent ist. Das versicherungstechnische Risiko hat sich gegenüber 2016 von 27,1 Prozent auf 25,5 Prozent verringert, während das operationelle Risiko erneut 9,3 Prozent ausmacht. Den kleinsten Beitrag liefert das Gegenparteiausfallrisiko mit 7,8 Prozent, der sich gegenüber 2016 (5,5 Prozent) erhöht hat.

Schaden-/Unfallversicherung

Bei den zehn größten Kompositversicherern hat der durchschnittliche Bericht 110 Seiten (2016: 106 Seiten). Ein (partielles oder vollständiges) internes Modell verwenden fünf Unternehmen. Im Vorjahr waren es sechs, wobei hier beachtet werden muss, dass sich die Top 10 2017 in einem Unternehmen von den Top 10 2016 unterscheiden. Vier Unternehmen nutzen die Volatilitätsanpassung. Von der Matching-Anpassung macht kein Unternehmen mehr Gebrauch (2016 nutzte sie ein Unternehmen). Im Durchschnitt ist die Solvenzquote mit 243 Prozent nahe beim Vorjahreswert von 246 Prozent. Ohne Volatilitätsanpassung läge die durchschnittliche Solvenzquote bei 238 Prozent (2016: 241 Prozent). Die durchschnittliche MCR-Quote beträgt 628 Prozent (2016: 634 Prozent).
Bei den Top-Ten-Kompositversicherern hat das versicherungstechnische Risiko mit 45,8 Prozent weiterhin den größten Anteil an der Solvenzkapitalanforderung, der sich gegenüber 2016 (42,8 Prozent) sogar noch vergrößert hat. Es folgt das Marktrisiko mit 40 Prozent, dessen Anteil sich ebenfalls etwas vergrößert hat (2016: 38,3 Prozent). Operationelles und Gegenparteiausfallrisiko sind gegenüber 2016 in den Positionen getauscht und haben beide einen geringeren Anteil: Beim operationellen Risiko sind es 8,1 Prozent (2016: 8,9 Prozent), beim Gegenparteiausfallrisiko 6,1 Prozent (2016: zehn Prozent).
Somit bestätigt sich für die Top 10 der Lebensversicherer die Prognose des GDV, dass die Solvenzquote der deutschen Lebensversicherer zum Jahresende 2017 weiter gestiegen sei. Die größte Verbesserung der Solvenzquote eines Unternehmens liegt dabei bei +153 Prozentpunkten. Die größte Verschlechterung gegenüber 2016 beträgt -40 Prozentpunkte. Auch bei den Top-Ten-Krankenversicherern ist die SCR-Quote höher als im Vorjahr, mit der größten individuellen Verbesserung um 321 Prozentpunkte und der größten individuellen Verschlechterung um 380 Prozentpunkte.
Letztere resultiert jedoch aus dem Verzicht dieses Unternehmens auf die Volatilitätsanpassung und die Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen 2017, ohne diese Maßnahmen läge die Quote 2016 nahe bei der von 2017. Die größte individuelle Verschlechterung, die nicht auf einen Maßnahmenverzicht zurückzuführen ist, beträgt -82 Prozentpunkte. Bei den zehn größten Kompositversicherern ist die durchschnittliche Solvenzquote gegenüber 2016 stabil. Die größte Verbesserung der Quote eines Kompositversicherers beträgt +21 Prozentpunkte, die größte Verschlechterung -92 Prozentpunkte. Sechs der Top-Ten-Kompositversicherer haben eine SCR-Quote, die sich höchstens um 10 Prozentpunkte von der Vorjahresquote unterscheidet.
Bild: Franziska Bach ist Projektreferentin im Team "Aktuariat, Produkt- und Risikomanagement" Versicherungsforen Leipzig (Quelle: Versicherungsforen Leipzig)
Grafikquelle: Versicherungsforen Leipzig
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