Politik & Regulierung

Pensionskassen erwarten Konsolidierung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Aktuelle Schlagzeilen über die Pensionskassen auf Grund des letzten Stresstests der Bafin haben für Verunsicherung gesorgt. Danach sieht die Finanzaufsicht größere Gefahren für die Branche und macht sich Sorgen um die Sicherheit der Betriebsrenten. Eine Sicht, der Heinke Conrads, Leiterin des Bereiches Retirement Deutschland und Österreich von Willis Towers Watson, beim Pensionskassentag allerdings klar widersprach.
Demnach sei nur eine kleine Minderheit von neun der derzeit 138 Pensionskassen von den Stresstest betroffen gewesen. Dies sahen die Teilnehmer des seit 2013 von dem internationalen Beratungsunternehmen veranstalteten Fach-Colloquiums ähnlich. Eine elektronisch erfolgte Spontanumfrage zum Trend der Branche im kommenden Jahr erbrachte im Gegensatz zu den jüngsten Pressemeldungen eine mehrheitlich optimistische Sicht: 76,9 Prozent erwarten als Haupttrend für die nächsten Jahre eine Konsolidierung ihrer Organisationen, nur etwa 23 Prozent sehen einen Anpassungsbedarf an die Veränderungen durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz.
Da verwundert es nicht, dass 43 Prozent der Befragten beim Voting die Medienberichterstattung als "wenig hilfreich" einstuften. 39 Prozent bewerteten diese als "neutral" hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Pensionskassen. Nach den wesentlichen Herausforderungen für das kommende Jahr gefragt, nannten indes nur 22 Prozent das Problem Niedrigzins und Kapitalanlage.
Der Pensionskassentag machte deutlich: Ohne Frage hat die Branche zahlreiche Aufgaben zu meistern – sei es aufgrund des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, von Strukturreformen, aufsichtsrechtlichen Entwicklungen, Fragen der IT-Sicherheit oder des Versorgungsausgleichs. Dies zeigte sich auch im Ergebnis einer dritten Blitzumfrage: Dort verorteten 52 Prozent der Teilnehmer die meisten Herausforderungen im kommenden Jahr bei ihrer eigenen Pensionskasse im Rahmen der Bewältigung "aktueller operativer, administrativer und regulatorischer Anforderungen".
Heinke Conrads ergänzte das positive Gesamtbild zusätzlich mit konkreten Zahlen aus dem Zwölf-Jahres-Zeitraum 2004 bis 2016: 26 Pensionskassen sind in dieser Zeit vom Markt gegangen und sechs neue hinzugekommen. Der Anteil der Anwärter und Rentner stieg im gleichen Zeitraum von fünf auf acht Millionen. Die laufende Verzinsung sank von 2004 bis 2016 im Schnitt von 4,9 auf 3,6 Prozent. Zugleich erhöhte sich der Anteil der Deckungsmittel für die betriebliche Altersvorsorge von 21,8 auf 27 Prozent. Die Rückstellungen in diesem Bereich stiegen um 92 Prozent auf 148 Mrd. Euro, die Kapitalanlagen um 94 Prozent auf 156 Mrd. Euro. Der jährliche Rentenanstieg erhöhte sich von 2,3 auf 3,7 Prozent. (mvb)
Bild: Heinke Conrads, Leiterin des Bereichs Retirement Deutschland und Österreich, bei WTW. (Quelle: mvb)
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