15.05.2018Köpfe & Positionen

US-Lebensversicherung: Wetten auf den Tod

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Stefan Rensinghoff. Es ist eine Assetklasse, die polarisiert: US Life Settlements. Die einen halten sie für hoch riskant und ethisch bedenklich, andere sehen in diesem "Alternative Investment" eine renditestarke Beimischung zum bestehenden Portfolio. Die Möglichkeit, in US-Risikolebensversicherungen bzw. US Life Settlements zu investieren, gibt es in Deutschland seit 2002.
Doch nach anfänglicher Begeisterung machte sich deutliche Ernüchterung breit. Zu positive Lebenserwartungsgutachten, bereiteten Investoren hohe finanzielle Verluste. Zudem galt die „Wette auf den Tod“, womit dieses Investment in der Finanzbranche und den Medien beschrieben wurde, als ethisch bedenklich.
Auch zehn Jahre später sind die Voraussetzungen, Investoren von der Attraktivität dieses Assets zu überzeugen, noch immer schwierig. Zu sehr sind die schlechten Nachrichten in den Köpfen verhaftet. Dabei hat sich der US Life Settlement Markt seitdem stark weiterentwickelt, professionalisiert und international ein positives Image gewonnen.

Ethische Bedenken vs. Souveränität entscheidungsfreier Konsumenten

Bei der Frage, ob das Asset moralisch verwerflich ist, spielt das Thema Tod eine zentrale Rolle. In unserer Gesellschaft scheuen wir uns, uns mit dem Tod als Teil der menschlichen Existenz zu beschäftigen. Lieber schaut man vorwurfsvoll auf die, die vom frühen Ableben anderer profitieren, auf US Life Settlement-Investoren. Bei Managern, Mitarbeitern und Aktionären von Renten- und Risikolebensversicherungen verhält es sich ganz anders. Obwohl auch diese mit der Einschätzung der Lebenserwartung der Versicherten kalkulieren, wird die Ethikfrage nicht gestellt. Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ist nicht nachvollziehbar.
Zumal es für US-Lebensversicherte sehr gute Gründe gibt, die meist lebenslang laufenden Risikoversicherungen an einem bestimmten Punkt zu verkaufen. Warum hatten sie sich überhaupt für dieses Produkt entschieden? Weil sie beispielsweise ihre Familie, eine Immobilie oder ihr Unternehmen absichern wollten. Nur im Alter fallen diese Gründe weg und hohe Prämien belasten die Alterseinkünfte. Eine Auf- bzw. Rückgabe des Vertrags ist allerdings mit hohen Verlusten verbunden.
Nach Jahrzehntelangen Einzahlungen bekommt der Versicherte in der Regel kaum etwas von der Versicherung zurück. Doch durch die Möglichkeit des Verkaufs am Zweitmarkt ist er nicht mehr abhängig vom Versicherungsunternehmen, sondern erzielt beim Verkauf deutlich mehr Geld. Im Jahr 2016 wurden so über den Zweitmarkt knapp über zwei Mrd. US-Dollar an Versicherte ausgezahlt.

Attraktives Geschäftsmodell für Investoren

Bei der Anlageklasse der US Life Settlements profitieren daher Policenverkäufer wie Investoren gleichermaßen. Die weitestgehend fehlende Korrelation zu den Aktien- und Kapitalmärkten macht das Asset für Investoren attraktiv. Anders als bei Private Equity Anlagen, bei denen ähnlich hohe Renditen nur bei Verkauf zu erzielen sind, ist der Investor von US Life Settlements nicht gezwungen, die Anlage zu verkaufen, um seinen Gewinn zu realisieren. Er hat die Wahl, die Policen bis zum Tod der Versicherten zu halten und sich die Todesfallsumme auszahlen zu lassen oder er verkauft die Verträge vorher auf dem Tertiärmarkt.
Immer mehr internationale Investoren erkennen das Potential dieser Assetklasse und erwerben Risikolebensversicherungsverträge von US-amerikanischen Versicherungsnehmern über „Makler“ (Zweitmarkt) bzw. von Marktteilnehmern, die bereits Policen im Bestand haben (Drittmarkt). Anders als bei deutschen Kapitallebensversicherungen steht bei diesen Policen die Höhe der Ablauf- bzw. Todesfallleistung schon bei Vertragsabschluss fest, dagegen ist der Eintritt des Versicherungsfalls unbekannt.

Finanzierung von US Life Settlements

Wer in US Risikolebensversicherungen investieren will, ist auf das Wissen von Experten angewiesen. Weltweit haben sich nur wenige Kreditinstitute darauf spezialisiert, Investitionen in US Life Settlements zu finanzieren. Eine Finanzierung wird immer individuell auf die Laufzeit und Struktur des Investments zugeschnitten und kann den Portfolioerwerb, einen Hebel ("Leverage"), die Zahlung der laufenden Prämien oder auch die Rückführung bestehender Darlehensverbindlichkeiten abdecken. Für die Kreditvergabe werden vor allem US-Risikolebensversicherungen von bonitätsstarken Versicherern bevorzugt.
Hier werden in der Regel Policen von Versicherungen mit Investmentgrade akzeptiert, aber es gibt auch Ausnahmen. Letztendlich hängt dies von der Risikobereitschaft des Investors bzw. des finanzierenden Kreditinstitutes ab. Im Rahmen der Finanzierung ist es wichtig, den Wert der Versicherungspolicen möglichst genau zu ermitteln. Die Wertermittlung ist abhängig von der Todesfallsumme der Police, den zukünftigen Prämienzahlungen, der Restlebenserwartung der versicherten Person und einer rechtlichen Prüfung der Police. Im Rahmen dieser Parameter nehmen die Finanzinstitute unterschiedliche Gewichtungen vor und wählen hier in der Regel einen konservativen Ansatz.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bild: Stefan Rensinghoff ist Generalbevollmächtigter der North Channel Bank. (Quelle: North Channel Bank)
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