15.05.2018Märkte & Vertrieb

Insolvenzverwalter nehmen Steuerberater in die Pflicht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Insolvenzen können die Versicherer mitunter teuer zu stehen kommen. Wie das Statistische Bundesamt nun jüngst mitteilte, haben die Gläubiger in Deutschland in den vergangenen Jahren im Durchschnitt nur etwa 2,6 Prozent ihrer Forderungen zurückerhalten. Neben den Geschäftsführern und Vorständen der Unternehmen rücken zunehmend auch die Steuerberater in den Fokus der Insolvenzverwalter, konstatiert der D&O-Versicherer VOV.
So stufen 65 Prozent der in Deutschland tätigen Insolvenzverwalter die Gefahr als besonders hoch oder sehr hoch ein, dass Steuerprüfer im Falle einer Insolvenz künftig vermehrt selbst zu haften, falls ein Klient zahlungsunfähig wird. Damit liegt das Haftungsrisiko von Steuerberatern über dem von Wirtschaftsprüfern (53 Prozent) und Rechtsanwälten (43 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von VOV und des Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht (DIAI) unter 75 erfahrenen Insolvenzverwaltern.
Den entscheidenden Grund sehen die Befragten vor allem in der verschärften BGH-Rechtsprechung (IX ZR 285/14), wonach die Steuerberater ihre Kunden darauf hinweisen müssen, wenn deren Firmen insolvenzreif sind. Dabei reiche ein einfacher Hinweis nach der nun geltenden Rechtslage nicht mehr aus. Vielmehr müssten Steuerberater die verantwortlichen Geschäftsführer explizit darauf hinweisen, dass sie einen Insolvenzantrag stellen müssen. "Wer als Steuerberater zulässt, dass Mandanten die eigene Insolvenz verschleppen, macht sich möglicherweise strafbar und setzt dabei auch seine Zulassung aufs Spiel", stellt Hans Haarmeyer vom DIAI fest.
Dabei drehen sich die juristischen Auseinandersetzungen immer wieder um jene Zahlungen, die Geschäftsführer zwischen Insolvenzreife und Insolvenzantrag leisten. "Insolvenzverwalter betreiben sehr aktiv die Inanspruchnahme von Steuerberatern. Kunden treten dafür ihre Ansprüche ab, damit der Insolvenzverwalter direkt gegen den Steuerberater vorgehen kann. So entsteht enormer Druck vor möglichen Gerichtsverhandlungen. Der frühere Mandant wird plötzlich zu einem zentralen Zeugen im Prozess gegen den Steuerberater", erläutert Haarmeyer.
"Die deutsche Klagefreudigkeit schlägt seltsame Blüten. In Deutschland heißt Gläubigerschutz vor allem, Gläubiger vor Verlusten zu schützen. Besser ist, Unternehmen vor Gläubigern zu schützen und sie dabei zu unterstützen, sich zu sanieren und Arbeitsplätze zu erhalten. Wir müssen uns von dem Reflex lösen, im Krisenfall auf das schnelle und vermeintlich sichere Geld zu schauen. Ein saniertes Unternehmen ist viel mehr wert als die mit hohen Rechtskosten erstrittenen Schadenersatzzahlungen", ergänzt Diederik Sutorius, Geschäftsführer des Kölner D&O-Versicherers VOV.
Im Jahr 2017 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 6,6 Prozent auf 20.093 zurückgegangenen. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmens­insolvenzen bezifferten die Amtsgerichte für das Jahr 2017 hingegen auf rund 29,7 Mrd. Euro. Dabei führen die Statistiker den Anstieg der Forderungen bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Unternehmensinsolvenzen darauf zurück, dass die Gerichte im Jahr 2017 mehr Insolvenzen von wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen registriert haben als im Jahr 2016.
Damit bestätigten die Statistiker im wesentlichen die Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel, die im vergangenen Jahr insgesamt 20.276 Unternehmensinsolvenzen registriert haben. Allerdings haben sich die Schäden durch die Insolvenzen nach Angaben der Experten im Jahr 2017 auf 30,5 Mrd. Euro summiert. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Insolvenzschäden damit um 12,9 Prozent angestiegen (2016: 27,0 Mrd. Euro).
Gleichzeitig haben große D&O-Fälle in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – siehe VW oder Bilfinger. Experten zufolge ist die Nachfrage nach entsprechenden Policen sprunghaft gestiegen, ebenso wie die Versicherungssummen. Dennoch schreibt die D&O-Branche tiefrote Zahlen. Dabei sind die Probleme durchaus selbst gemacht, glaubt Michael Hendricks im Exklusiv-Interview mit VWheute. (vwh/td)
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