Schlaglicht

Gothaer: Nicht alles ist Gold was glänzt

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Sachen Solvency II und Digitalisierung hat die Gothaer für einen mittelgroßen Versicherer bemerkenswert früh die Zeichen der Zeit erkannt. Erfolge der Digitalisierung haben sich bereits eingestellt – und weitere Schritte wie etwa die Neuaufstellung des Unternehmensbereichs Schaden sind schon konkret in der Vorbereitung. Doch einige Baustellen bleiben.
Immerhin haben die Kölner noch Baustellen klassischer Art: Der Maklerversicherer Janitos, die polnische Gothaer Towarzystwo Ubezpiecze´n S.A. und die rumänische S. C. Gothaer Asigur˘ari Reasigur˘ari S.A. Die Wachstumsstrategie Osteuropa und das über Janitos getätigte Maklergeschäft kosten seit Jahren Geld. Allein 2016 schrieben diese drei Gesellschaften umgerechnet rund 20 Mio. Euro Verlust – das entspricht etwa einem Achtel des Konzernüberschuss. Geld, das in Zeiten niedriger Zinsen, hohen Verdrängungswettbewerbs und dringend notwendiger Ausgaben für Technik, die auch gegen branchenfremde Wettbewerber fit macht, eigentlich gar nicht vorhanden ist.
Auch beim Roland, den man sich nun nur noch mit der Axa teilt, ist es mit der bloßen Neuordnung der Eigentümerstruktur nicht getan. Denn bei der Nummer drei des Rechtsschutzesmarktes lief es in der jüngeren Vergangenheit nicht wirklich rund. Dies lag zum einen an den Auswirkungen des Kostenrechtsmodernisierungsgesetzes und den höheren Anforderungen an die Risikotragfähigkeit im Zuge von Solvenz II, zum anderen aber auch an der besonders hohen Wettbewerbsintensität in diesem Geschäft: In kaum einer anderen Sparte beäugen sich die Konkurrenten so scharf und kopieren Gutes so schnell wie im Rechtsschutz. Dass der Versicherungsverein Gothaer hier mit einer auf Rendite getrimmten Aktiengesellschaft Axa in einem Boot sitzt, macht die Kultur der Unternehmensführung sicherlich nicht einfacher. Doch noch geht man davon aus, dass die "gleichberechtigte Führung mit paritätischer Governance" beim Roland "einfachere und schnellere Lösungen" bringt.
Gothaer-Chef Karsten Eichmann hatte im Dezember 2017 die wichtigsten Rahmendaten des abgelaufenen Geschäftsjahres genannt. Erfahrungsgemäß dürften diese auf der heutigen Bilanzpressekonferenz bestätigt werden: Bei Umsatz wie Ertrag gab es winzige Verbesserungen. Die Richtung stimmt also – nur dürften die Zuwächse deutlicher ausfallen; dies um so mehr als ein Großteil der Verbesserung aus dem Schadengeschäft stammt und dies 2017 (auch) zufallsbedingt günstiger lief. (lie)
Bildquelle: Gothaer
Gothaer · Karsten Eichmann
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