Politik & Regulierung

Versicherungsbetriebswirte können Digitalisierung

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Mit seinem Krankenversicherer kommt ein Versicherter viel häufiger in Kontakt als mit anderen Versicherern. Damit steigt auch der Erwartungsdruck der digitalaffinen Patienten. Den besonderen Herausforderungen für die PKV und die GKV ging eine Tagung des Fachkreises Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungsbetriebswirte e.V. (VVB) in den Räumlichkeiten der Postbeamtenkrankenkasse (PBeaKK) in Stuttgart nach.
Heutige Versicherungsnehmer wollen ihre Gesundheitsdaten im schnellen Zugriff haben und für Leistungsanträge nicht von langwierigen Papierschriftwechseln abhängig sein. Den besonderen Herausforderungen für die PKV und die GKV ging eine Tagung des Fachkreises Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungsbetriebswirte e.V. (VVB) in den Räumlichkeiten der Postbeamtenkrankenkasse (PBeaKK) in Stuttgart nach.
Deren Vorstandsvorsitzender Peter Reichelt begrüßte die Teilnehmer mit seinem Eröffnungsreferat. Der Gastgeber sprach über die Digitalisierungsstrategie der PBeaKK und ihre „technischen und organisatorischen Implikationen“. Die PBeaKK mit ihrer eigentümlichen Struktur und Aufgabe zwischen GKV und PKV habe dank frühzeitig ergriffener Maßnahmen nun die Möglichkeit, mit verschlankter Organisation, weniger Personalaufwand und effizienteren Abläufen auch die Aufgaben anderer Versicherungsträger an sich zu ziehen – mit Kostenvorteilen zugunsten der Allgemeinheit. Reichelt gewährte einen tiefen Einblick in den Maschinenraum seiner Krankenkasse, der die Teilnehmer weitergebracht haben dürfte.
Als Planer und Gestalter, der den Umstieg auf digitales Denken bereits hinter sich hat, berichtete auch Helmut Gerhards, Chief Digital Officer der DAK Gesundheit. “Von der Plattform zum Digitalen Ökosystem“ hat er die Angebote des drittgrößten deutschen Gesetzlichen Krankenversicherers weitergedacht und leitet dessen Geschäftsbereich Organisations- und Infrastrukturmanagement. Ausgehend von seinen Erfahrungen mit Apps und anderen Angeboten für Kunden warnte er vor allzu optimistischem Vertrauen in die technische Innovation allein: „Die Technik kann alles, den Erfolg macht der Mensch“. Die technischen Voraussetzungen könne jeder entwickeln; die Krankenversicherer müssten in Zukunft auf die Kundenansprache und in der Folge die Kundenzufriedenheit bauen.
Sein Geschäftsmodell für eine kundenfreundliche „Bündelung von Telemedizin und Smarter Infrastruktur für eine zeitgemäße, patientenzentrierte Versorgung“ wollte Florian Bontrup zeigen, der Geschäftsführer der Docyet UG (Leipzig). Seine Anwendung für medizinische Assistance-Leistungen per Smartphone („Digitaler Gesundheitsconcierge via Chat“) lotst Patienten per Chatbot bei medizinischem Hilfebedarf zum nächsten verfügbaren (bzw. fachlich zum Symptom passenden) Arzt. Derzeit seien die technischen Möglichkeiten für innovative Dienstleistungen bereits vorhanden, sie würden aber nicht verwendet. Die Krankenversicherer sieht Bontrup in der Pflicht, ihrer Schnittstellenfunktion zwischen technischen Anbietern und hilfesuchenden Patienten gerecht zu werden.

Immer am Ball bleiben

Im Umfeld experimentell entwickelnder Innovatoren müssen die branchenerfahrenen Berater aufpassen, den Anschluss an neue Geschäftsfelder nicht zu verlieren. Gernot Winzer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Gesundheit und Rehabilitation (München), einem freien Dienstleister für Rehabilitations- und Eingliederungsmaßnahmen, stellte seine Sicht auf die Zukunft dar. „Vertikale Integration im Gesundheitswesen unter Einsatz von IoT-Technologie“ [IoT: „Internet of Things“] soll die schnell wachsenden technischen Möglichkeiten optimal ausnutzen. Gesundheitsdaten über den eigenen Körper per Smartphone in Echtzeit sind hier nur der Anfang, aber bereits unverzichtbar für viele Kunden – und für die Versicherer in Zeiten von Big Data and Analytics Gold wert.
Abschließend hinterfragte Dr. Stephan Hans, Direktor der SDA SE (Hamburg), eines IT-Dienstleisters für Versicherungsunternehmen, die „Positionen und Optionen der Versicherer in Plattform-Ökosystemen“ zwischen den gigantischen Internetkonzernen, die neuerdings auch auf den Versicherungsmarkt drängen. Um mit diesen Plattformen konkurrieren zu können, mahnte Hans, müssten die Versicherer kooperieren. Das bedeute auch, Standards zu vereinheitlichen und andere Kooperationshindernisse abzubauen. Angesichts der immensen technischen und finanziellen Potentiale von Amazon, Alphabet & Co. muss jedem deutschen Unternehmen klar sein, dass es hier mit kurzfristigen Strategien nicht weiterkommen wird und schon gar nicht allein.
Auf die Zusammenarbeit mit Start-ups und anderen Innovatoren angesprochen, herrschte bei den anwesenden Vertretern der Versicherungsunternehmen weitgehend Achselzucken: am Geld liege es nicht, aber… Große Skepsis und Vorsicht scheinen zu herrschen. Eine Binsenweisheit aber lautet: ohne Fleiß kein Preis. Und wer den Mut zur Innovation – Fehlertoleranz inklusive – nicht aufbringt, wird früher oder später gnadenlos abgehängt. Ohne zweite Chance. (vwh)
Bild: Köln (Quelle: Tino-Bahr / www.pixelio.de / PIXELIO)
PKV · Digitalisierung · Vereinigung der Versicherungsbetriebswirte
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