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Provinzial Rheinland wartet auf die Korridor-Methode

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Provinzial Rheinland Lebensversicherung setzt bei ihrer Kapitalanlagepolitik voll darauf, dass der Gesetzgeber der Änderung bei der Zinszusatzreserve (ZZR) zustimmt. "Wir setzen auf die Neuregelung und heben zurzeit keine Reserven mehr, denn ein weiter verschärfter Aufbau der ZZR ist nicht mehr vernünftig", sagte Lebenvorstand Guido Schaefers in der Bilanzpressekonferenz. Nach Einschätzung der Provinzial agieren so derzeit die meisten Lebensversicherer.
2017 hat die Provinzial zur ZZR-Finanzierung von 220 (207) Mio. Euro wiederum stille Reserven gehoben. Die Nettoverzinsung erreichte damit wiederum 3,9 Prozent. Für 2018 wird mit einer Zuführung von knapp 300 Mio. Euro gerechnet – es sei denn, die von der Deutschen Aktuarvereinigung und der Bafin erarbeitete Korridormethode kommt. Dann läge der Betrag für die Provinzial um 150 bis 200 Mio. Euro niedriger, und es bedürfte weniger als 3 Prozent Nettoverzinsung. Bei unveränderter Methode müsste der öffentliche Versicherung rund eine Milliarde Euro Assets „drehen“, um die nötigen Reserven zu heben. Ändert der Gesetzgeber die ZZR-Verordnung nicht, dürfte der Kapitalmarkt in der zweiten Jahreshälfte unter Druck geraten.
Als Folge einer verbesserten Zinssituation, höherer Zeitwerte und günstigerer Risikokapitalbedarfe ist die Solvency ll des Lebensversicherers mit Rückstellungstransitional und Volatility Adjustment auf 707,9 (476,0) Prozent gestiegen; ohne Übergangshilfen wären es 307,9 (128,7) Prozent.
Die Provinzial Rheinland hat 2017 beim Einmalbeitragsgeschäft "auf die Bremse getreten" und ist bei den laufenden Erträge nicht so stark wie erwartet gewachsen, so dass die Prämien insgesamt um 10,4 Prozent auf 1,089 Mrd. Euro sanken. Konzernweit betrug der Rückgang damit zwei Prozent auf 2,65 Mrd. Euro Bruttobeitrag.
"Wir haben zu keiner Zeit erwägt, Bestände zu verkaufen oder in den Run-Off zu schicken", sagte Schaefers auf Journalistenfragen. Auch ein stiller Run-Off komme nicht infrage. Vielmehr verfügt die in der Restschuldversicherung aktive Tochter ProTect über ein mandantenfähiges Bestandssystem, so dass man für andere Lebensversicherer Run-Off-Plattform sein könne.
Zur im Raum stehenden Fusion mit der Provinzial Nordwest gab es nichts Neues. Provinzial-Chef Patric Fedlmeier verwies darauf, dass hier sieben Eigentümergruppen "ergebnisoffene Gespräche" führen. "Langfristig ist dies richtig und eine gute Option für beide Unternehmen. Ich werde daran arbeiten, dass wir das hinbekommen", sagte Fedlmeier zu der seit über zwei Jahrzehnten immer wieder versuchten Fusion. Und äußert sich damit ähnlich wie einige seiner Vorgänger. (lie)
Bild: Guido Schaefers (Quelle: lie)
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