Politik & Regulierung

Weiler: "Trend­wende bei Ein­brü­chen ist eine Illu­sion"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wenn Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) heute die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2017 vorlegt, kann er unter anderem auch von einem deutlichen Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen berichten. Die Versicherer mahnen hingegen zur Vorsicht: "Die vermeintliche Trendwende beim Thema Einbruch ist aber eine Illusion", warnt GDV-Präsident Wolfgang Weiler.
"Damit wir nicht wieder einen Anstieg wie vor zehn Jahren sehen, sind weiterhin alle Anstrengungen notwendig. Das Niveau der Einbruchzahlen bleibt hoch, die Unterschiede zwischen den Bundesländern erheblich", konstatiert Weiler weiter. Immerhin mussten die Versicherer im vergangenen Jahr so wenig Schadenersatz leisten wie zuletzt vor acht Jahren.
Etwa 360 Mio. Euro betrugen die versicherten Schäden für Wohnungseinbrüche in Deutschland. Dies geht aus einer aktuellen Hochrechnung des Branchenverbandes hervor. Zum Vergleich: in den letzten fünf Jahren machten diese im Schnitt jeweils rund eine halbe Mrd. Euro aus.
Gleichzeitig sank die Zahl der versicherten Einbrüche im Jahr 2017 um rund 20 Prozent auf 120.000, heißt es beim GDV weiter. In der Statistik enthalten sind auch Einbrüche in Keller, Dachböden oder Hauswirtschaftsräume. Die meisten Wohnungseinbrüche gab es demnach mit deutlichem Abstand in Nordrhein-Westfalen (39.057 - minus 25,7 Prozent gegenüber 2016), gefolgt von Niedersachsen (13.595 - minus 15,9 Prozent) und Berlin (8.580 - minus 25,7 Prozent). Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 1.180 Wohnungseinbrüchen (minus 20,1 Prozent).
Damit decken sich die Zahlen des GDV mit den aktuellen Zahlen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik, wonach die Zahl der Wohnungseinbrüche bundesweit um 23 Prozent auf 116.540 Fälle gesunken ist. Die Aufklärungsquote stieg leicht auf 17,8 Prozent (2016: 16,9 Prozent).
"Jetzt Entwarnung auszurufen und uns nicht mehr nachhaltig für mehr und bessere Prävention einzusetzen, wäre das völlig falsche Signal. Die Fallzahlen sind so oder so viel zu hoch, die Aufklärungsquoten stehen dazu in einem eklatanten Missverhältnis", betonte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürs­ten­werth in seiner wöchentlichen Kolumne.
Dabei sei der systematische und flächendeckende Einbau moderner Sicherheitstechnik in Neubauten durchaus preiswerter als Nachrüstlösungen, heißt es beim GDV weiter. "Hierfür müssten die Bauvorschriften angepasst werden. Zusammen mit einer intensiven Strafverfolgung und Aufklärung könnte dies die grundsätzlich positive Entwicklung der Einbruchzahlen fortschreiben", ergänzt Weiler.
Sicher ist jedenfalls nur, dass die heute vermeldeten Zahlen angesichts der Dunkelziffer nur einen Teil der Realität widerspiegeln. So geht der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen deutlich über den offiziellen Zahlen liegen. So gehe die Wissenschaft auf der Basis von Dunkelfeldforschung und Hochrechnungen von jährlich mindestens 20 bis 25 Millionen Straftaten in Deutschland aus. (vwh/td)
Bildquelle: VdS Einbruchschutz
GDV · Wohnungseinbrüche · Kriminalstatistik
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