Politik & Regulierung

Trotz Klage: Ärzte und Spahn wollen den E-Doktor

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auf dem heute beginnenden Ärztetag in Erfurt wird die Online-Behandlung das große Thema sein. Dabei zeigen sich die Mediziner zunehmend offen für die Videosprechstunde. Laut einer Umfrage beschäftigen sich nicht ganz 80 Prozent der Ärzte mit der neuen Möglichkeit, eine Steigerung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch es gibt mächtige Gegenstimmen.
Einen nicht ganz unwichtigen Fürsprecher die telemedizinaffinen Ärzte in ihrem obersten Boss gefunden. Gesundheitsminister Jens Spahn sagt aktuell in einem FAZ-Interview, das telemedizinische Behandlung "richtig gemacht" eine "gute Ergänzung" ärztlicher Tätigkeit sei. Den Skeptikern schreibt er ins Stammbuch: "Ich kann der Ärzteschaft und allen im Gesundheitssystem nur raten: Wenn wir die Digitalisierung nicht zusammen gestalten – schneller als in den letzten zehn Jahren, werden es andere tun."
Dass das Gestalten aber auch sehr beschwerlich sein kann, erlebt gerade Ottonova. Der Online-Krankenversicherer sieht sich einer Klage gegenüber, weil er das praktizierte Telemedizinmodell bewarb, was in Deutschland nicht zulässig ist – VWheute berichtete. Der Versicherer aus München verstößt neben dem Werbeverbot auch gegen das Approbationsrecht, ist sich die Wettbewerbszentrale sicher.

Noch viel zu lernen

Neben den mangelnden gesetzlichen Vorgaben muss auch noch Aufklärungsarbeit geleistet werden, mehr als zwei Drittel der Ärzteschaft fühlt sich beim Thema Telemedizin noch nicht gut informiert, ergibt die bereits genannte Coliquio-Studie. Die technischen Möglichkeiten und Anforderungen stellen sind für viele Ärzte ebenfalls noch ein Rätsel. Immerhin, rund 70 Prozent der Ärzte würden eine telemedizinische Sprechstunde anbieten – 30 Prozent lehnen das kategorisch ab.
Die Verbraucherzentrale Bundesverband spricht sich für die Telemedizin aus. "Es wäre nur zeitgemäß, wenn Patienten auch ohne persönlichen Erstkontakt einen Arzt in einer Videosprechstunde kontaktieren könnten. Das würde die ärztliche Versorgung vor Ort sinnvoll ergänzen. Und beide Seiten profitieren: Patienten sparen sich Wege und Wartezeiten, Ärzte werden entlastet", sagt Klaus Müller, Vorstand des VZBV.
Wie es mit der Telemedizin weitergeht, wird sicherlich interessant bleiben, denn es sind noch viele Fragen offen. (vwh/mv)
Bild: Arzt (Quelle: Tim-Reckmann / www.pixelio.de /PIXELIO)
vzbv · Spahn · Telemedizin · Ottonova
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