Politik & Regulierung

Ist Martin Winterkorn finanziell am Ende?

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Von Franz Held, Mitglied der Geschäftsleitung bei VOV. Der Dieselskandal kommt Ex-Vorstand Martin Winterkorn teuer zu stehen. Der VW-Konzern prüft offenbar, den ehemaligen Spitzenmanager für entstandene Schäden in Milliardenhöhe haftbar zu machen. Bedeutet das jetzt für einen der einst bestbezahlten deutschen Manager endgültig den persönlichen Ruin?
Die Ermittlungen der deutschen Staatsanwälte sind noch nicht abgeschlossen, da droht der VW-Konzern schon damit, Martin Winterkorn zivilrechtlich in Anspruch zu nehmen. Viele interessiert dabei vor allem, ob der Ex-Manager jetzt persönliche Konsequenzen zu spüren bekommt. Immerhin habe Winterkorn über die Jahre mehr als 100 Millionen Euro verdient. Der Volksmund sieht sich vielfach gerne darin bestätigt, dass Manager zu viel kassieren und sich anschließend aus dem Staub machen, wenn es brenzlig wird.
Tatsächlich ist die Organhaftung in Deutschland besonders streng geregelt. Das Gesetz sieht eine unbeschränkte Haftung von Vorstandsmitgliedern vor (§ 93 AktG), selbst für eine allenfalls fahrlässig begangene Pflichtverletzung. Dazu gehört bereits, kein ausreichendes Kontroll- oder Frühwarnsystem (Compliance) installiert zu haben. Haftbar kann sich daher auch machen, wer glaubhaft darstellt, von nichts gewusst zu haben. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Vielmehr wäre das eher ein Beleg, dass die Kontrollpflichten im Unternehmen nur halbherzig wahrgenommen worden sind. Verschärfend kommt hinzu, dass eine gesetzliche Beweislastumkehr gilt. Winterkorn muss also selbst belegen, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend sind und keine Pflichtverletzung vorgelegen hat. Das staatsanwaltschaftliche Verfahren dürfte diese Aufgabe nicht gerade erleichtern.
Sollte Winterkorns Entlastung vor Gericht scheitern, steht das gesamte Privatvermögen im Feuer. Immobilien und Sachwerte, wie Autos, Schmuck oder teure Möbel, bleiben dabei nicht verschont. Sämtliche Vermögenswerte können herangezogen werden, um den Schaden am Unternehmen wieder gutzumachen oder zumindest zu mindern. Privatinsolvenz nicht ausgeschlossen.
In solchen Fällen richtet sich das Augenmerk auf die involvierten Versicherer, da sich Manager auch hierzulande zusätzlich absichern können. Die D&O-Versicherung zahlt dann sowohl für die erforderlichen Abwehrkosten, um sich vor Gericht bestmöglich verteidigen zu können, und stellt die versicherte Person von berechtigten Schadenersatzforderungen frei.
Das Problem: Die im Markt kolportierte Deckungssumme von 500 Mio. Euro aus der VW-Managerversicherung dürfte kaum ausreichen, um die entstandenen Vermögensschäden einerseits und die Rechtsverteidigungskosten andererseits aufzufangen. Angesichts des Ausmaßes ist eher damit zu rechnen, dass Winterkorn den Löwenanteil wohl wirklich aus eigener Tasche wird bezahlen müssen.
Das gilt insbesondere dann, wenn Winterkorn sich eine wissentliche Pflichtverletzung zuschreiben lassen muss. Sollten die Untersuchungen ergeben, dass der VW-Vorstand unter seiner Ägide wider besseres Wissen entschieden hat, könnten die beteiligten Assekuranzen den Versicherungsschutz gänzlich versagen. Dann bliebe Winterkorn auf dem gesamten Schaden sitzen.
Die weiteren Entwicklungen dürften auch die übrigen VW-Manager mit großem Interesse verfolgen. Deren Existenz steht möglicherweise ebenso auf dem Spiel. Der Grund: Eine D&O-Versicherung umfasst alle Organmitglieder eines Unternehmens. Manager müssen sich die vertraglich vereinbarte Deckungssumme vereinfacht ausgedrückt teilen.
Ist das Geld durch einen Großschaden wie jetzt bei VW bereits abgeräumt, stehen die übrigen Führungskräfte im Regen. Das betrifft etwa Geschäftsführer selbst von kleineren, mit dem Konzern verbundenen Gesellschaften. Letzte Chance ist dann eine individuell abgeschlossene Police.
Autor: Franz Held ist Mitglied der Geschäftsleitung beim Kölner D&O-Versicherer VOV.
Bild: Martin Winterkorn (Quelle: Volkswagen)
D&O · VOV · Martin Winterkorn · Franz Held
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