Politik & Regulierung

Baby-Hirnschaden nach Behandlungsfehler - hohes Schmerzensgeld

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein Fall, in dem es nur Verlierer und Tränen gibt: Ein Gynäkologe hat bei einer Kardiotokografie (CTG), ein Verfahren zur simultanen Registrierung und Aufzeichnung der Herzschlagfrequenz des ungeborenen Kindes und der Wehen Tätigkeit, einen Fehler begangen. Das Kind wurde 45 Minuten zu späte entbunden und erlitt einen Hirnschaden. Das Schmerzensgeld beträgt 400.000 Euro.
Kommt ein Kind mit einer schweren Hirnschädigung zur Welt, nachdem ein Gynäkologe mit einem pathologischen CTG behandlungsfehlerhaft umgegangen ist, kann dem Kind ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro zustehen. Dieses Urteil hat der 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm gefällt und damit das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Münster abgeändert.
Im Rahmen einer zunächst unauffällig verlaufenden Schwangerschaft ließ sich die Mutter des vom Arzt untersuchen und behandeln. Ein vom Arzt erstelltes CTG ergab einen auf eine Sauerstoffunterversorgung des Kindes hinweisenden pathologischen Befund, so dass der Kläger schnellstmöglich hätte entbunden werden müssen. Der Beklagte nahm das CTG laut Gericht allerdings erst nach circa 50 Minuten zur Kenntnis, führte zur Überprüfung des pathologischen Befundes – was nicht zu beanstanden war – eine Doppler-Ultraschalluntersuchung durch und veranlasste die Mutter sodann, zunächst mit dem eigenen PKW nach Hause zu fahren, ihre Tasche zu holen und sodann eine Entbindungsklinik in Münster aufzusuchen.

Das Gericht urteilt

Nach Auffassung des Gerichts habe der Arzt in der Gesamtschau grob fehlerhaft gehandelt. Der Beklagte habe es versäumt, das CTG innerhalb von spätestens 15-20 Minuten nach Beendigung der Aufzeichnung zur Kenntnis zu nehmen und auf eindeutige Pathologien zu sichten. Insoweit sei von einer nicht fachgerechten Verzögerung von 30 Minuten auszugehen. Aufgrund der Hochrisikokonstellation hätte er die Mutter zudem schnellstmöglich, gegebenenfalls mit Hilfe eines Rettungswagens, in eine nahegelegene Entbindungsklinik einweisen müssen und sie nicht zunächst nach Hause entlassen dürfen. Außerdem habe es der Beklagte versäumt, der Mutter den Ernst der Lage und die Erforderlichkeit hinreichend zu verdeutlichen. Durch diese Versäumnisse sei es zu einem weiteren Zeitverlust von jedenfalls 15 Minuten gekommen. Summiert ergibt das eine Verzögerung von 45 Minuten.
Durch die Sauerstoffunterversorgung habe der Kläger einen Hirnschaden erlitten, der mit schwersten Beeinträchtigungen der Kommunikationsfähigkeit, der selbstbestimmten Interaktionsmöglichkeiten sowie seiner körperlichen Beweglichkeit einhergehe. Für diese Schädigung sei ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro zuzusprechen.
Ob die Ärztehaftpflicht für den Schaden aufkommen wird, konnte nicht geklärt werden. (vwh/mv)
Bild: Baby (Symbolbild) Sandra Werner / PIXELIO / www.pixelio.de /
Schmerzensgeld · Urteil · Gericht
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