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Schlechtere Zahlungsmoral trotz Wirtschaftsboom

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Wirtschaft boomt und die Konjunktur rund um den Globus läuft derzeit gut. Kurzum: Wo viele Waren transportiert wird, fließt auch viel Geld. Aber: Die Zahlungsmoral hat sich dennoch weiter verschlechtert, stellt Euler Hermes in einer aktuellen Studie fest. Demnach seien die Forderungslaufzeiten rund um den Globus um durchschnittlich um zwei Tage gestiegen. Die Folge: Unternehmen warten im Schnitt 66 Tage auf ihr Geld.
Zum Vergleich: 2016 lag die Wartezeit bis zur Bezahlung von Forderungen wie in den vier Jahren zuvor stabil bei 64 Tagen. Dabei sehen die Analysten des Kreditversicherers einen wesentlichen Grund für die längeren Zahlungslaufzeiten in der verbesserten globalen Wirtschaftslage, die Unternehmen zu mehr Vertrauen und dadurch zu einer toleranteren Kontrolle der Zahlungseingänge verleite. Laut Euler Hermes sind die Forderungslaufzeiten im Jahr 2017 in zwei von drei Branchen und zwei von drei Ländern gestiegen. Dabei verstärken sich die Extreme, heißt es weiter: In Branchen, in denen bereits sehr lange Zahlungsfristen gewährt werden, warten Unternehmen seit 2017 noch länger auf ihr Geld.
Die längsten Forderungslaufzeiten mit über 85 Tagen müssen demnach Lieferanten der Elektronikbranche, im Maschinenbau und im Baugewerbe überbrücken. Auffällig stark seien 2017 aber auch die DSO in der Luftfahrt (plus vier) und im Automobilsektor (plus drei) gestiegen. Am schnellsten kommen dagegen Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich wie Einzelhändler und Lebensmittelproduzenten sowie Transportunternehmen mit Forderungslaufzeiten von durchschnittlich bis zu 49 Tagen an ihr Geld.
Dabei liegt Deutschland mit Forderungslaufzeiten von 54 Tagen noch deutlich unter dem internationalen Schnitt, konstatiert der Kreditversicherer weiter. Allerdings sei auch in der Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr ein Tag hinzu gekommen. Zwei Tage länger (56 DSO) warteten russische Unternehmen auf ihr Geld. Auch Großbritannien blieb trotz Unsicherheiten im Zuge des Brexit mit 53 Tagen unter dem globalen Durchschnitt.
Insgesamt seien die Forderungslaufzeiten in der Eurozone um zwei Tage auf durchschnittlich 66 Tage gestiegen, so Euler Hermes weiter. Dabei müssten vor allem die Unternehmen mit Sitz in Spanien, Portugal, Griechenland und den Niederlanden länger auf ihr Geld warten. In Italien, Dänemark und Finnland waren die Zahlungslaufzeiten hingegen rückläufig. In Asien hatte China einen Anstieg um drei Tage zu verzeichnen und damit ein neues Zehnjahreshoch von 92 Tagen erreicht. Auch in Nordamerika warteten Unternehmen durchschnittlich zwei Tage länger auf den Geldeingang als noch 2016.
"Je entspannter die wirtschaftliche Gesamtsituation scheint, umso geduldiger warten Unternehmen auf ihr Geld. Ist das gut oder schlecht? In einem Umfeld, in dem wir immer mehr Großinsolvenzen beobachten, ist das vor allem gefährlich. Man sollte das Umfeld aufmerksam beobachten und rechtzeitig agieren. Sonst wird die Rechnung am Ende gar nicht bezahlt", kommentiert Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes DACH.
Ludovic Subran, Chefvolkswirt bei Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt bei der Allianz, rechnet zudem damit, dass sich dieser Trend auch 2017 noch fortsetzen wird: "Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft 2018 eine ähnliche Dynamik entwickelt wie im vergangenen Jahr, in dem sie um 3,2% gewachsen ist. Mit zunehmendem Vertrauen in die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung dürfte sich auch der Trend zur laxeren Handhabung von Forderungslaufzeiten verstärken, was in diesem Jahr einen weiteren Anstieg des weltweiten Durchschnitts um einen Tag auf 67 Tage zur Folge haben könnte" (vwh/td)
Bild: Ron van het Hof (Quelle: Euler Hermes)
Euler Hermes · Kreditversicherer · Zahlungsmoral
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