Politik & Regulierung

IGeL: Fragwürdige medizinische Leistung?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind für Arztpraxen ein durchaus lukrativer Zusatzverdienst. Der medizinische Nutzen entsprechender Angebote ist unter Experten hingegen umstritten. So wertet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) entsprechende Angebote tendenziell eher negativ und sogar schädlich, wie eine aktuelle Analyse belegen soll.
So hat der MDS erstmals im Rahmen des sogenannten "IGeL-Monitor" - einer repräsentativen Umfrage unter den Patienten - die Top Ten der meistverkauften IGeL ermittelt. Das Ergebnis: In den Praxen werden häufig Früherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Augeninnendruckmessung und Ähnliches verkauft.
Dabei widersprechen viele dieser Leistungen den Empfehlungen medizinischer Fachverbände, weil ihr Schaden den Nutzen überwiegt, konstatiert der MDS. Auch die neue Bewertung "MRT zur Früherkennung von Brustkrebs" werde von den Wissenschaftlern des IGeL-Monitors "tendenziell negativ" eingeschätzt.
Zu den häufigsten angebotenen und angenommen Leistungen gehört demnach die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung. Diese Leistung wurde jedem fünften Versicherten (22 Prozent), der mit IGeL beim Praxisbesuch in Kontakt kam, angeboten und landete auf Platz eins der Top Ten-Liste. Die zweithäufigste und bei den Frauen (30 Prozent) am meisten angebotene Leistung war der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Weitere Topseller sind nach laut Untersuchung der Ultraschall des Bauchraums und der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern.
Dabei würde die Liste von Leistungen angeführt, die vom IGeL-Monitor als "negativ" oder "tendenziell negativ" bewertet worden sind, heißt es in der Analyse weiter. "Unser Fazit ist: Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen. Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar", fasst Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, die zentralen Ergebnisse zusammen.
"Wenn Ärzte IGeL anbieten, dann geschieht das nur in seltenen Fällen auf Wunsch der Patienten", konstatiert Christian Weymayr, freier Medizinjournalist und Projektleiter des IGeL-Monitors. Nur 68 Prozent der Befragten sind mit der Reaktion des Arztes oder der Ärztin zufrieden, wenn sie eine IGeL angeboten kommen und diese auch annehmen. "Mehr als jeder dritte Patient gab sogar an, dass er sich bedrängt oder unter Druck gesetzt fühlte. Das bestätigt sich auch in den Zuschriften, die wir von Nutzerinnen und Nutzern des IGeL-Monitors erhalten", ergänzt Weymayr. (vwh/td)
Bildquelle: DAK
Grafikquelle: MDS
IGeL · MDS
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