03.05.2018Schlaglicht

Einstieg bei Getsurance: RGA beflügelt Expansionspläne

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Was lange währt, wird endlich Geld. Die Reinsurance Group of America (RGA), ein Top Ten Rückversicherer, ist mit ihrer Tochtergesellschaft RGAx bei Getsurance eingestiegen. Der Deal hatte sich bereits durch eine vorherige Zusammenarbeit abgezeichnet. Getsurance verfolgt spätestens nach dem Investment große Ziele.
Der Einstieg von RGAx fiel nicht vom Himmel, bereits im letzten Jahr hatten die Unternehmen eine Zusammenarbeit im Bereich digitale Lebensversicherungen verkündet. Viktor Becher, einer der Gründer von Getsurance, schwärmte damals: “Diese Form der Zusammenarbeit zwischen Startup und Rückversicherer ist noch äußerst selten."
Nicht nur selten sondern sogar ein Novum ist der jetzt vollzogene Einstieg von RGAx. Es ist nach Unternehmensangaben das erste Mal, dass ein amerikanischer Rückversicherer in ein deutsches Insurtech investiert. RGAx, das sich weltweit an Insurtechs beteiligt, übernimmt die Anteile von Michael Franke und Katrin Bornberg, die Insider als Geschäftsführer der Rating Agentur Franke und Bornberg kennen dürften. Die Beiden halfen mit ihrem Investment Getsurance im Jahr 2016 beim Start.
Die weiteren Pläne
Nach dem Investment ist es sicher, das Getsurance neben der zuletzt lancierten Berufsunfähigkeitsversicherung mit Hilfe der Amerikaner auch den Einstieg ins Geschäft mit der (Risiko-) Lebensversicherung plant. “Mit RGA haben wir den drittstärksten Lebensrückversicherer weltweit im Rücken, der über 40 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Absicherung innovativer Produkte mitbringt. Für uns ist RGA der ideale Partner für weitere digitale Produkte im Bereich der Lebensversicherung”, erklärt. Johannes Becher, Geschäftsführer von Getsurance.
Die Amerikaner verfolgen mit dem Investment handfeste Ziele: "Getsurance und RGAx profitieren beide von dieser Beteiligung. RGAx verfolgt das Ziel, schlankere Produkte für die Lebensversicherung zu entwickeln. Der kompromisslos digitale Ansatz von Getsurance passt zu dieser Vision“, erklärt André Dreyer, Director Investments bei RGAx. Ob die neuen schlanken Produkte auch für den nicht-amerikanischen Markt vorgesehen sind, ließ der Director im Dunkeln.
Die Beteiligung von RGAx liegt global gesehen vollkommen im Trend und lässt vermuten, dass der Insurtech Boom noch nicht vorbei ist. Im letzten Jahr wurden weltweit 2,3 Mrd. Euro US-Dollar in Insurtechs gesteckt, ein Zuwachs von über einem Drittel gegenüber dem Jahr 2016. Weniger gut lief es für deutsche Jungunternehmen, die im zurückliegenden Jahr 74 Mio. US-Dollar von Investoren einsammeln konnten, was einem Rückgang von rund acht Mio. gegenüber dem Jahr 2016 entspricht.
Groß denken
Die Pläne von Getsurance gehen trotz des gerade abgeschlossenen Deals bereits weit über die Risiko-LV hinaus. Die Berliner möchten mit den neuen (finanziellen) Möglichkeiten eine digitale Pflegeversicherung starten und eine Expansion in weitere europäische Länder vornehmen. Genaue Summern wurden zwar nicht genannt, im letzten Jahr hat das Berliner Start-up allerdings zwei Mio. Euro bei Investoren, unter anderem Picus Capital und die IBB Beteiligungsgesellschaft, eingesammelt. In (etwas) geringerem Rahmen dürfte sich das jetzige Investment bewegen.
Der Erfolg oder Misserfolg von Getsurance wird der gesamten hiesigen Versicherungsbranche einen Hinweise darauf geben, ob die Kunden willens sind, komplexe Produkte wie eine BU oder eine Pflegeversicherung online abzuschließen. (mv/vwh)
Bild: Viktor Becher (Quelle: Getsurance)
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