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Welche Regeln braucht es für ein "prima Klima"?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Bonn geht es seit Montag wieder um das allgemeine Weltklima - allerdings nicht politisch, sondern meteorologisch. Das Ziel: ein klares Regelwerk dafür, wie die einzelnen Länder ihren CO2-Ausstoß messen und angeben. Zudem geht es auch um die finanzielle Unterstützung der Länder, die vom Klimawandel besonders betroffen sind. Die Rolle der Versicherer beim Klima sorgt hingegen für Kritik.
"Wir sind die Warner", sagte Joachim Wenning, Vorstandsvorsitzender der Munich Re, kürzlich auf der Jahreshauptversammlung des Rückversicherers in München. Das dem Konzern das Engagement für den Klimaschutz besonders am Herzen liegt, ist hinlänglich bekannt. Und dennoch: Das grüne Image passe nicht zu dessen Praktiken, werfen die Umweltorganisation Urgewald, der ehemalige Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und auch der polnische Umweltaktivist Jan Chudzynski, dem Konzern vor.
Im Fokus der Kritik steht dabei vor allem das Investment deutscher Versicherer in die Kohleindustrie. So versichere die Munich Re über ihr Tochterunternehmen Ergo das Kohlekraftwerk Belchatow sowie einen Kohlekraftwerksneubau in Opole, heißt es in einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers. Dass sich die Ergo dem Zwiespalt zwischen Geschäft und Moral aber bewusst ist, zeigte bereits eine Anfrage von VWheute von Anfang Februar dieses Jahres: "Wir nehmen das Thema sehr ernst. Daher prüfen wir derzeit unser Engagement. Im Übrigen bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu einzelnen Kundenbeziehungen aus Gründen der Vertraulichkeit nicht äußern können."

Horrorjahr 2017 war ein "Weckruf"

Doch ganz gleich, ob Dieselskandal, Abgas-Rekorde oder die Verbrennung von Kohle: Die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen gelten als "extrem wahrscheinlich" für den globalen Temperaturanstieg. So war das Jahr 2017 nicht nur eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch der Schweizer Rückversicherer Swiss Re spricht im Zusammenhang mit dem meteorologischen "Horrorjahr 2017" von den höchsten Schäden seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auch die Munich Re sieht in den Naturkatastrophen des Jahres 2017 einen "Weckruf": Nach Angaben des Münchener Rückversicherers verursachten diese allein im vergangenen Jahr Gesamtschäden von 340 Mrd. US-Dollar. Davon mussten allein die Versicherer eine Rekordsumme von 138 Mrd. US-Dollar aufbringen. "Experten erwarten, dass durch den Klimawandel bei bestimmten Wetterkatastrophen gerade extreme Ereignisse zunehmen. 2017 gewährte daher in gewisser Hinsicht einen Blick in die Zukunft", konstatierte jüngst Vorstand Torsten Jeworrek. Gefragt sind also neue Versicherungslösungen - sei es durch Mikroversicherungen oder Klima-Risikoversicherungen, mit denen die Menschen in Schwellenländern künftig einen Versicherungsschutz für Wetter-Risiken erhalten sollen.
Allerdings rechnen die Experten auch in Deutschland mit einer Zunahme von extremen Wetterlagen - "Friederike" & Co. lassen grüßen. "Erdgeschichtlich sind das natürlich ganz rasante Veränderungen, aber für uns passiert das über einen Zeitraum von Jahrzehnten alles sehr langsam. Die Prognosen der Versicherer besagen, dass die Schadenzunahme pro Jahr in etwa mit der Inflation vergleichbar ist", konstatierte Tim Peters, Meteorologe bei der Provinzial Nordwest, bereits zu Jahresbeginn.
Immerhin haben die Naturereignisse wie Stürme, Hagel und Starkregen in Deutschland versicherte Sachschäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben von zwei Mrd. Euro verursacht. Damit fiel die Versicherungsleistung durch Unwetter nach Angaben des GDV aber unterdurchschnittlich aus. Auch dank des Umstandes, dass große Naturkatastrophen im vergangenen Jahr in Deutschland ausgeblieben sind.
Dass allerdings auch beim Versicherungsschutz gegen Star­kre­gen und Hoch­was­ser in der Bundesrepublik noch hapert, zeigen aktuelle Zahlen des Branchenverbandes GDV: Demnach sind im Bundesschnitt nur 41 Prozent der Häuser gegen Wetterphänomene wie Starkregen und Hochwasser versichert. Dabei sind die regionalen Unterschiede weiterhin enorm. Bundesweiter Vorreiter ist weiterhin Baden-Württemberg, wo 94 Prozent der Gebäude umfassend gegen Naturgefahren versichert.
Dies hat allerdings vor allem historische Gründe, bestand zum Jahr 1993 im "Ländle" doch eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. Besonders hoch ist die Versicherungsdichte auch in Sachsen (47 Prozent), Thüringen (46 Prozent), Sachsen-Anhalt (43 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (42 Prozent). Schlusslichter sind hingegen die norddeutschen Bundesländer Bremen (19 Prozent), Niedersachsen (20 Prozent), Hamburg (21 Prozent) und Schleswig-Holstein (22 Prozent).
Allerdings ist die deutsche Klimapolitik auch nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Bundesregierung. "Wenn die Bundesregierung nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und ihre Klimapolitik ändert, wird sie nicht nur ihre selbst gesteckten Klimaziele bis 2020 verfehlen, sondern auch die CO2-Minderungsziele für 2030 und die Jahre darauf nicht erreichen", kritisierte jüngst das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.
So müsse die Bundesregierung vielmehr "zügig konkrete klimapolitische Maßnahmen einleiten und weiterentwickeln. Dazu zählt unter anderem ein konkretes Ausstiegsdatum aus der Kohleverstromung. Auf europäischer Ebene sollte sich Deutschland für eine Erweiterung des Emissionshandelssystems einsetzen", lautet die Forderung der IfW-Forscher.
Wie dramatisch es um das weltweite Klima bestellt ist, brachte einst der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore treffend auf den Punkt: "Wir Menschen haben es mit einem globalen Notfall zu tun. Die Erde hat jetzt Fieber. Und das Fieber steigt". (vwh/td)
Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
Grafikquelle: GDV
Klimawandel · Klimaschutz
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