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Was bedeutet der narrative Teil des SFCR für die Versicherer?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Am 22. Mai 2017 waren die Versicherungsunternehmen zum ersten Mal zur Veröffentlichung der "Solvency and Financial Condition Reports" (SFCR) verpflichtet. Wie eine Analyse von Vers Leipzig zeigt, sind die SFCR noch sehr heterogen. Ob die Versicherungsunternehmen ihre Hausaufgaben gemacht haben und ihre Berichtserstattung angepasst haben, zeigt sich mit der nächsten Veröffentlichungsrunde ab dem 7. Mai.
Im letzten Jahr standen die Versicherungsunternehmen zum ersten Mal vor der Herausforderung die Inhalte der ersten beiden Säulen von Solvency II der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die delegierte Verordnung zu Solvency II gibt hierbei die Struktur und einige Pflichtinhalte vor, über die berichtet werden muss. So besteht der narrative Teil des SFCR aus den folgenden Bereichen:
  • Zusammenfassung
  • A: Geschäftstätigkeit und Geschäftsergebnis
  • B: Governance-System
  • C: Risikoprofil
  • D: Bewertung für Solvabilitätszwecke
  • E: Kapitalmanagement
Den Versicherungsunternehmen obliegt es, die Pflichtangaben zu machen und wesentliche Punkte zu erläutern sowie – falls notwendig – ergänzende Angaben zu machen. Bei der Erstellung kann der Prinzipienorientierung gefolgt werden, das heißt, dass jedes Unternehmen selbst entscheiden kann, in welchem Umfang und über welche Inhalte neben den Pflichtinhalten berichtet wird.
Da es sich um die erste Veröffentlichungsrunde gehandelt hat, wurde noch kein Branchenkonsens über die Berichterstattung gefunden. Dies wird alleine schon daraus ersichtlich, dass die Anzahl der Wörter im narrativen Teil von 6.598 (Minimum) bis 37.950 (Maximum) reicht. In die Analyse der Vers Leipzig wurden die 90 größten Komposit-, die 60 größten Lebens- und die 30 größten Krankenversicherungsunternehmen einbezogen.
Hervorzuheben ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der Versicherungsunternehmen auf eine quantitative Berichterstattung im qualitativen Teil an bestimmten Stellen verzichtet, obwohl dies von der Verordnung verlangt wird. So berichten im Teil C nur 30 Prozent der Unternehmen in quantitativer Form über das operative Risiko. Auch im Teil D und E gibt es in der Berichterstattung Verbesserungspotenzial. Bis zu 16 Prozent der erfassten Versicherungsunternehmen berichten nicht über den HGB-Wert der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten (Teil D) bzw. des Eigenkapitals (Teil E).
Für die Versicherungsunternehmen kann es Sinn machen, über die Pflichtinhalte hinaus zu berichten, um den Adressaten weitere wichtige Informationen über das Risikomanagementsystem zu geben. Ein Beispiel dafür, wann eine freiwillige Berichterstattung sinnvoll ist, ist das Darstellen der Ziele des Risikomanagements. 43 Prozent der Unternehmen berichten darüber nicht. Nur 34 Prozent nennen das Ziel der Existenzsicherung im Teil B.
Auch wenn die SFCR sich noch deutlich voneinander unterscheiden, ist es Interessant, dass trotz der ersten Veröffentlichung in gewissen Punkten schon ein Konsens ersichtlich ist. So nennen die Versicherungsunternehmen beispielsweise zu jeweils 88 Prozent Strategische Risiken und Reputationsrisiken als weitere wesentlichen Risiken im Teil C.
Dieser kleine Ausschnitt aus der Analyse der Vers Leipzig GmbH zeigt, dass sich die SFCR, auch hinsichtlich ihrer Qualität, noch stark voneinander unterscheiden. Ein wichtiger Punkt, der während der Analyse aufgefallen ist, ist, dass die Berichte größtenteils nicht verbraucherorientiert erstellt wurde. Eine Empfehlung kann es daher sein, dass zumindest die Zusammenfassung zu Beginn so formuliert wird, dass diese ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer verstehen kann.
Es wird sich zeigen, inwiefern, insbesondere mit den Hinweisen, die die Bafin und Eiopa gegeben haben, sich die Berichterstattung der Versicherungsunternehmen ändert. Es ist zwar anzunehmen, dass sich die Berichte mit der Zeit aufgrund der Anforderungen, die die Adressaten an die Versicherungsnehmer stellen, und Best-Practice-Beispielen, immer mehr gleichen werden. Dieser Prozess kann aber einige Jahre in Anspruch nehmen.
Eine kostenlose (Teil-)Auswertung der Analyseergebnisse ist für den Branchendurchschnitt bei Vers Leipzig als PDF-Datei abrufbar. Die Analyseinhalte mit unternehmensspezifischen Angaben sind in der Datenbank von solvencyDATA integriert, die in Kooperation mit der ISS Sopra Steria GmbH und der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH betrieben wird. Dort sind neben einer Auswertung des qualitativen Teils auch quantitative Analysen implementiert.
Autor: Florian Römer (M.Sc.) ist Analyst bei Vers Leipzig.
Bildquelle: Fotolia
Solvency II · Solvencquote
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