Politik & Regulierung

Talanx und Huk-Coburg verklagen die HSH Nordbank

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die HSH Nordbank will einen großen Teil ihrer faulen Kredite mit einem Milliardenabschlag verkaufen. Das sorgt für Unmut bei Versicherern, die stille Einlagen bei der Bank haben und damit zu den Verlierern des Deals gehören würden. Nach Informationen der Welt haben die Talanx, Huk-Coburg sowie Baloise das Finanzinstitut verklagt, weil die sich seit Jahren um ihr Kapital gebracht fühlen. Die HSH Nordbank gibt sich indes siegessicher.
Die HSH Nordbank will mit Abschluss der Privatisierung ein Portfolio von 6,3 Milliarden an eine Zweckgesellschaft ihrer neuen Eigentümer rund um die US-Investoren Cerberus und J.C. Flowers verkaufen. Statt der 3,5 Mrd. Euro, die bei der Bank in den Büchern stehen, hat ein Gutachten den Wert der Kredite jedoch auf 2,45 Mrd. Euro beziffert und nur diese Summe würde die Zweckgesellschaft dafür auch bezahlen.
Die Differenz von rund einer Mrd. Euro müsste die Bank tragen – und mit ihr auch die stillen Teilhaber. Wie aus dem Bilanzbericht hervorgeht, betragen die Verluste 285 Mio. Euro. Der Buchwert der stillen Einlagen würde damit auf unter 40 Prozent der ursprünglichen Höhe sinken. Insgesamt lagen diese ursprünglich bei 1,8 Mrd. Euro. Versicherungsunternehmen und andere institutionellen Anleger halten davon rund 250 Mio. Euro.
Wie die Welt berichtetet, werfen die klagenden Versicherer der HSH vor, in den Geschäftsjahren 2012, 2014 und 2016 jeweils den gesamten von ihr erwirtschafteten Gewinn in den Fonds für allgemeine Bankrisiken eingezahlt zu haben und nichts vom Gewinn an die Besitzer der stillen Einlagen ausgezahlt zu haben. In den Jahren 2012 und 2014 seien die Zahlungen an den Fonds sogar so hoch gewesen, dass dadurch Verluste unnötig erzeugt worden seien. Auf Anfrage von VWheute wollten die Talanx und die Huk-Coburg den Bericht nicht kommentieren. Ein Sprecher der Bank bestätigte jedoch indirekt die Vorwürfe der Versicherer und gibt sich zuversichtlich: "Die Klagen sind seit Längerem anhängig. Wir sehen dem sehr gelassen entgegen."
Die HSH war in der Finanzkrise 2008 ins Straucheln geraten, wurde von den Bundesländern gerettet, leidet aber bis heute unter der andauernden Schifffahrtskrise. Die EU-Kommission entschied, dass Hamburg und Schleswig-Holstein einen Käufer für die HSH Nordbank finden müssen – oder diese abwickeln. Im Februar dieses Jahres wurden die Käufer bekanntgegeben: Cerberus, Flowers, Golden Tree, Centaurus Capital und die österreichische Bawag-Bank, die sich mehrheitlich im Besitz von Cerberus und Golden Tree befindet.
In ihrem Bilanzbericht für 2017 schreibt die Bank: "Das Konzernergebnis vor Steuern in Höhe von -453 (121) Mio. Euro wird deutlich von den Risikoaufwendungen in Höhe von -1.104 Mio. Euro im Zusammenhang mit dem Verkauf notleidender Kredite (Portfolio-Transaktion) belastet. Dem entgegen stand ein außerordentlicher Ertrag in Höhe von 413 Mio. Euro aus der Neubewertung hybrider Kapitalinstrumente." Hoffnungsvoll blickt man in die Zukunft. "Mit dem für das zweite oder dritte Quartal erwarteten Vollzug der Privatisierung (Closing) werden wir praktisch vollständig von Altlasten befreit sein und gehen mit einer gesunden Bilanz sowie weiterhin starken Kapitalkennziffern in die Zukunft." (vwh/dg)
Bildquelle: Fotolia
Talanx · HUK Coburg
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