30.04.2018Köpfe & Positionen

"Herausforderung, die bAV attraktiver und bekannter zu machen"

Von Maximilian VolzVW heute
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) soll nach dem Willen der Politik auch für kleine und mittlere Unternehmen attraktiv werden. Wenig verwunderlich, dass auch Insurtechs in diesen Markt einsteigen wollen. Ein Beispiel: Penseo. Mit deren Plattform soll die bAV künftig digital abgewickelt und verwaltet werden. VWheute hat bei den Gründern genauer nachgefragt.
VWheute: "Penseo ist die Komplettlösung für eine schnell einzurichtende und einfach zu verwaltende betriebliche Altersversorgung." Sie selbst sagen: "Wir ersetzen die Versicherungsmakler nicht, das können digitale Tools auch nicht". Bitte erklären Sie Ihr Geschäftsmodell in wenigen und einfachen Worten.
Penseo: Penseo steht für ein einzigartiges Online-System, um betriebliche Altersversorgungen digital abzuwickeln und zu verwalten. Bei komplexen Sachverhalten oder weiteren Fragen bietet Penseo eine kostenlose persönliche Beratung an, per Telefon sowie im Videochat.
VWheute: Wo wird der Makel in Ihrem Geschäftsmodell noch gebraucht, arbeiten Sie mit Unternehmen zusammen, machen Sie Produktempfehlungen?
Penseo: Die derzeitige Herausforderung ist es, das Angebot der bAV bei Arbeitnehmern bekannter und für Arbeitgeber attraktiver zu gestalten. Viele Angestellte wissen nicht um ihr Recht einer Entgeltumwandlung. Hier hat das Betriebsrentenstärkungsgesetz zu Beginn 2018 für eine stärkere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gesorgt. Die bAV ist eine gute Sache, um für das Alter zu sparen. Um diese Chance sollte jeder wissen, das ist der Auftrag von Penseo.
VWheute: Sie sagen, dass mit Ihrer Hilfe "kleine und mittlere Unternehmen einfach eine eigene betriebliche Altersversorgung aufbauen können". Was machen Sie anders und besser als andere? Wo ist der Clou, welche Rolle spielt die Software dabei?
Penseo: Die Software von Penseo ist das Herzstück und spielt die entscheidende Rolle. Das Penseo-Portal fungiert als Schnittstelle zwischen Unternehmen, Mitarbeiter und Versicherer und stellt eine smarte Lösung für Unternehmen dar, da es unabhängig von externen Programmen oder Betriebssystemen funktioniert, nicht installiert werden muss und somit überall eingesetzt werden kann. Darüber hinaus bieten wir den Vermittlern einen Zugang und ermöglichen ihnen somit den Zugriff einer digitalen Verwaltung.
VWheute: Stellen Sie sich und ihre Mitstreiter einmal kurz vor, woher kommt die Expertise im Feld bAV?
Penseo: Das Gründerteam von Penseo besteht aus Sebastian Gauck (37), Lennart Wulff (38) und Morten Hartmann (38). Die Idee kam dem Mitgründer Sebastian Gauck vor einigen Jahren, als er die zahlreichen Unterlagen für seine betriebliche Altersversorgung durchblätterte. Um der Ära von zu viel Papierkram ein Ende zu bereiten, ist dem Team die Idee gekommen, ein transparentes, digitales Angebot aufzubauen.
Seit Anfang 2017 sammelte dann das Gründerteam Informationen, um die verschiedenen Prozesse der Betriebsrente zu verstehen. Ziel war es, die erste Plattform zu kreieren, die eine komplette Abwicklung der betrieblichen Altersversorgung digital, transparent und verständlich löst. Wir von Penseo blicken allesamt auf eine vorhandene Gründungshistorie zurück.
Sebastian M. Gauck (37) hat nie als Angestellter gearbeitet und ihm war immer klar, dass er etwas Eigenes kreieren möchte. Er hat mit "Fortytools" ein erfolgreiches Softwareunternehmen gegründet, welches mit ihrer bAV-Verwaltungslösung den Grundstein für die Penseo GmbH gelegt hat.
Lennart Wulff (38) ist unser Versicherungsmensch und kommt aus einer wahren Versicherungsdynastie. Er hat einen Hintergrund als Bankkaufmann und verfügt dank seiner eigenen Gründung des Startups "appsichern" für situativen Versicherungsschutz via App oder Mobile Shop über einige Erfahrungen im Insurtech-Bereich.
Morten Hartmann (38) ist unser Startup-Mensch, er hat im Jahr 2012 die Flohmarkt-App "Stuffle" gegründet und das Unternehmen im Jahr 2015 an die Immobilienscout GmbH verkauft. Als sich die Option ergeben hat, etwas mit Sebastian Gauck und den Fortytools gemeinsam zu starten, musste er nicht lange überlegen.
VWheute: Wie ist Ihre Resonanz von Unternehmensseite, oft bietet der Chef doch nur etwas an, was ihm von einem Bekannten "aufgeschwatzt" wurde, ohne es selbst verstanden zu haben. Haben Sie viel Resonanz, wer sind Ihre Kunden?
Penseo: Klein- und mittelständische Unternehmen sowie Digitalunternehmen stehen für Penseo auf der Agenda. Diese haben nach Sebastian Gauck "häufig jüngere Belegschaften, die es gewohnt sind, ihre Geschäfte online durchzuführen" und wenig über die Vorteile einer Zusatzrente wissen.
Penseo erhofft sich durch die neue Gesetzesregelung eine starke Marktdurchdringung, die für mehr Aufklärung und Beratung gegenüber den Arbeitnehmern und Arbeitgebern sorgt. Größere Unternehmen sind weniger im Fokus: "Die bAV-Versorgung ist in der Regel in größeren Unternehmen bereits besser angewandt als in kleinen und mittelständischen Firmen", erklärt Gauck.
VWheute: Sie schreiben zu Ihrer Finanzierung: Für die Nutzung von Penseo zahlen Sie (die Unternehmen) nur 2,75 Prozent des verwalteten Sparbetrags monatlich.
Penseo: Preismodelle von digitalen Dienstleistungen sind stets beweglich und passen sich den Anforderungen der Kunden kontinuierlich an. Wir bieten entsprechend verschiedene Preismodelle an. So erhalten von Vermittlern betreute Unternehmen andere Rahmenbedingungen als Unternehmen, die direkt auf uns zukommen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Preis von der Höhe der Belegschaft und der Anzahl der verwalteten Verträge abhängt. Wir sprechen weiterhin von einem einstelligen fairen Betrag für den Vertrag sowie Mitarbeiter.
VWheute: Durch die Reduktion der Sozialversicherungsbeiträge verursachen die Gebühren in der Regel keine zusätzliche finanzielle Belastung.
Penseo: Das Unternehmen spart circa 20 Prozent der Sparsumme bei den Sozialabgaben ein.
VWheute: Die Berechnung der SV-Beiträge ist komplex und für jeden Mitarbeiter individuell vorzunehmen. In manchen Fällen sind deshalb die Kosten für Penseo nicht durch die SV-Ersparnis gedeckt.
Penseo: Korrekt, wir sind stets bereit, individuelle Lösungen für die Unternehmen zu finden.
VWheute: Was denn nun? Wer zahlt wann, wovon, was? Haben Sie ein Beispiel?
Penseo: Es bezahlt nur das Unternehmen.
VWheute: Noch ein paar Informationen bitte für mich als Backgroundinfo: Wie groß ist Ihr Unternehmen, seit wann gibt es das Unternehmen, wie ist die Entwicklung, wie viele Kunden, sind Kooperationen geplant, wer sind die Investoren (Versicherer?), was gibt es Neues zur Finanzierungsrunde, werden Expansionspläne verfolgt?
Penseo: Die Penseo GmbH wurde Anfang 2017 von den Gründern Sebastian Gauck (37), Lennart Wulff (38) und Morten Hartmann (38) mit Sitz in Hamburg gegründet. Penseo ist mit seinem Angebot im Januar 2018 live gegangen und hat mittlerweile über 40 Unternehmenskunden.
Aktuell beschäftigt das Gründerteam neun Angestellte und ist weiter auf Expansionskurs. Das Team arbeitet mit Hochdruck an attraktiven White-Label-Lösungen für Vermittler, so dass die Software von Penseo von einem Partner eingesetzt werden kann. Aktuell steht das Startup in der finalen Runde einer Seed-Finanzierungsrunde und hat aktuell bewusst noch keine strategischen Investoren an Bord.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Das Gründerteam von Penseo. (Quelle: Penseo)
Insurtech · Penseo
Maximilian Volz
Maximilian Volz
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