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Lebensversicherungen: Run-Off wegen gefährlicher Staatsanleihen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Eine ganze Reihe kleiner und großer Lebensversicherer denken über einen Run-Off nach. Dabei wird vor allem der externe Run-Off favorisiert. Nach Meinung von Experten könnte eine Motivation für die Trennung von Lebensversicherungsbeständen in der Kapitalstruktur der Assekuranzen liegen. So sollen angeblich sichere Staatsanleihen aus dem europäischen Raum als Risiko für die Lebensversicherungen gelten.
Zu diesem Schluss kamen Teilnehmer auf dem 13. Internationalen Insurance Day des Beratungsunternehmens TaylorWessing in Düsseldorf. So stellte Jürgen Horn, Direktor bei der bei AdVertum Vermögensmanagement AG Stuttgart die These auf, dass deutsche Lebensversicherer wegen eines starken Investments in europäischen Staatsanleihen einen Run-Off forcieren.
Staatsanleihen aus südeuropäischen Staaten sind laut Horn unsicher. Nach Einschätzung von Andreas Glaser, von Partner Re Zurich Branch könne eine solche Motivation bei Lebensversicherern, die einen Run-Off planen, nicht ausgeschlossen werden. „Öffentlich wurde das aber bisher noch nicht kommuniziert“, stellte Glaser fest. Wie stark deutsche Lebensversicherer in ausländische Staatsanleihen involviert sind, ist derzeit – zumindest dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – nicht bekannt. Die Risikobewertung sei zudem jedem Unternehmen überlassen.

Bafin sieht Risiken

Tatsächlich schätzt aber auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Staatsanleihen bei Versicherern längst nicht mehr als risikolos ein. „Es ist deutlich geworden, dass auch für Staatsanleihen und Darlehen an Staaten, die Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) oder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind, ein Kredit- oder sogar ein Ausfallrisiko besteht“, stellte die Bafin bereits im Bafin-Journal im Juli 2016 fest. Diese Risiken würden sich aber nicht oder nur zum Teil von den Vorschriften zur Eigenmittelunterlegung unter Solvency II erfasst. Daher hat die Aufsicht empfohlen, in regelmäßigen Workshops mit der Versicherungswirtschaft die Risiken von Staatsanleihen auszuloten.

Run-off ohne Aufsehen

Nach Darstellung von Glaser müssen Lebensversicherer einen Run-Off nicht über den Verkauf von Beständen organisieren. Sie können auch eine Rückversicherungslösung wählen. In diesem Fall übernimmt der Rückversicherer einen großen Teil der Risiken, während der Erstversicherer die Verträge wie bisher weiterverwaltet. Vorteile wären, dass ein öffentliches Aufsehen vermieden werde und der Versicherer die Kundendaten weiterhin, etwa im Rahmen von Big-Data-Analysen nutzen könnte. „Einen solcher Run-Off über einen Rückversicherer muss zwar der Aufsicht angezeigt werden, zustimmungspflichtig ist er aber nicht“, erläuterte Experte Glaser.

Provisionsdeckel für die Lebensversicherung erwartet

Für die Lebensversicherung erwartet das Beratungshaus TaylorWessing die Einführung eines Provisionsdeckels für die Lebensversicherung. „So wie die Bafin trommelt, gehe ich davon aus, dass eine solche Regel kommen wird“, sagte Gunbritt Kammerer-Galahn. Vorgesehen sei ein Provisionsdeckel von 2,5 Prozent der Gesamtprämie, bei einer fünfjährigen Stornohaftung des Vermittlers.
Nur wenn der Vermittler besonders niedrige Beschwerde- und Ausstiegsquoten habe, dürften künftig weitere 1,5 Prozent bezahlt werden. Damit sollen Fehlanreize beim Verkauf von Lebensversicherungen vermieden werden. Laut Kammerer-Galahn wird die Regelung aber als Empfehlung über die Bafin kommen. „Eine solche Empfehlung ist aber nicht rechtsverbindlich“, erläuterte die Beraterin. Trotzdem werde es den Unternehmen wohl in der Regel schwerfallen, sie nicht anzuwenden, da sie sonst mit Erschwernissen durch die Bafin rechnen müssen. (usk)
Bild: Andreas Glaser (Quelle: usk)
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