Politik & Regulierung

DAV-Vorschlag senkt ZZR-Zuführung für 2018 um ein Drittel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Deutsche Aktuarvereinigung  hat in enger Abstimmung mit der Aufsicht eine neue Formel  für die Zinszusatzreserve (ZZR) erarbeitet. Bei der so genannten Korridormethode würde der Referenzzins langsamer absinken und damit weniger ZZR-Zuführung notwendig machen. „Der Aufbau der Zinszusatzreserve in der aktuellen Form geht zu schnell, denn er bedeutet eine massive Realisierung von Kapitalanlagenreserven und die Wiederanlage in festverzinsliche Wertpapiere mit dauerhaft niedrigem Kupon“, sagt Guido Baader, DAV-Vorstand. Selbst Unternehmen, die rein wirtschaftlich betrachtet mittel- und auch langfristig im Niedrigzinsumfeld ihre Garantien erfüllen können, könnten so kurzfristig in Schwierigkeiten geraten.
Würde die Formel so umgesetzt, wie es sich die Aktuare vorstellen, würde der Referenzzins für 2018 auf 2,1 Prozent sinken, was eine Zuführung zur ZZR zwischen sieben und acht Milliarden Euro notwendig machen würde. 2017 betrugen der Referenzzins 2,21 Prozent und die die ZZR-Zuführung rund 15 Mrd. Euro. Ohne Änderung der Formel würde der Referenzzins 2018 bei 1,85 bis 1,95 Prozent liegen – damit müssten der ZZR dann etwa 20 Mrd. Euro zugeführt werden.
Die Aktuare fordern von der Politik, die Neukalibrierung (siehe Köpfe & Positionen) zeitnah umzusetzen und dies auch schnell zu kommunizieren. Dann könnte die Änderung bereits im Jahresabschluss 2018 angewendet und die Reservepolitik entsprechend ausgerichtet werden kann. Andernfalls werde weiteres „Tafelsilber verscherbelt“, sagte Roland Weber als DAV-Vorstandsvorsitzender. Dies sei weder im Sinne der Stabilität der Unternehmen, noch dazu angetan, den Versicherten eine vernünftige Überschussbeteiligung zu geben. Was die Aufsicht dem Bundesfinanzministerium nun tatsächlich vorgeschlagen hat, wissen die Aktuare nicht. Man hofft, dass das Thema ZZR spätestens im Mai im Finanzausschuss diskutiert werden, so dass dann die Verordnung geändert wird.
Weitere Forderungen auf der Jahrespressekonferenz der berufsständischen Vereinigung von 5.200 Aktuaren betreffen die Beibehaltung eines Höchstrechnungszinses, die vorzeitigen Änderungen bei Solvency ll sowie die Private Krankenversicherung.
„Solvency ll alleine kann den Höchstrechnungszins nicht ersetzen“, sagt DAV-Vorstand Wilhelm Schneemeier. Allerdings sollten die Methoden zur Festlegung der Höhe des Höchstrechnungszins überprüft und verbessert werden. Ein Zinssatz über die ganze Laufzeit mache keinen Sinn mehr. Die Festlegung des Höchstrechnungszinses sollte regelbasiert und planbar gestaltet werden. Der Höchstrechnungszins sollte sich am aktuellen Kapitalmarkt und den künftig erzielbaren Zinsen orientieren. Produkte, bei denen die Zinsgarantien vollständig über den Kapitalmarkt abgesichert würden, sollten nicht notwendigerweise unter den Höchstrechnungszins fallen. Damit müsste für diese auch keine ZZR mehr gestellt werden.
Mit Sorge betrachten die Aktuare die diskutierten und teils schon vorgenommenen Änderungen am Solvency-ll-Modell. Quasi in Salamitaktik würden einzelne Parameter isoliert angepasst und wichtige Kompromisse der Omnibus-ll-Einigung drohten aufzuweichen. „Das deutsche Lebensversicherungsgeschäft ist massiv betroffen von jeglichen Änderungen der Zinsstrukturkurve betroffen“, so Baader. Allein die Absenkung der Ultimate Forward Rate um jährlich 15 Basispunkte verschlechtere die Solvenzquote. Die Aktuare warnen vor vorschnellen Änderungen an einzelnen Parametern und fordern, das Geplante vorher in Feldstudien zu überprüfen.
Der DAV-Ausschuss Krankenversicherung hat vier Vorschläge erarbeitet. Zur Verstetigung der Beitragsverläufe für privat Versicherte sollen unter anderem die beiden auslösenden Faktoren „Kosten“ und „Sterblichkeit“ um den „Zins“ ergänzt werden. Beim Wechsel in einen leistungsschwächeren Tarif sollen die für den Beitragsnachlass zur Verfügung stehenden Mittel nicht unmittelbar zur Prämienreduktion eingesetzt werden, sondern teils für Alterungsrückstellung. Zudem wollen die Aktuare den gesetzlicher Zuschlag von 10 Prozent flexibler gestalten und ihn bereits vor Vollendung des 65. Lebensjahr einsetzen. Der Standardtarif soll darüber hinaus auch für Versicherte, die erst nach dem 1. Januar 2009 in die PKV eingetreten sind, geöffnet werden. Diesen „jungen“ Versicherten steht bisher nur der Basistarif offen. (lie)
Bild: Guido Baader, DAV-Vorstand (Quelle: lie)
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