27.04.2018Schlaglicht

Axa gegen Allianz: Buberl schaltet, Bäte verwaltet

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es heißt, mutig ist derjenige, der "Nein" sagt. Im Kampf um den Platz des größten Versicherers ist es Thomas Buberls "Nein" zur bisherigen Konzernpolitik, große Übernahmen zu meiden. Mit dem Kauf der XL-Group überraschte der Axa-Chef sowohl die Konkurrenz als auch die Anleger. Oliver Bäte wollte die 15,3 Mrd. Dollar nicht überbieten. Die Allianz kauft lieber ihre Aktien zurück und backt kleinere Brötchen mit Millionen-Investitionen in Insurtechs. Das ist keine große Herausforderung für einen CEO. Verwalten kann jeder.
Keine Frage, Axa griff für den auf Bermudas beheimateten Sach- und Rückversicherer XL tief in die Tasche.  "Vergleichsweise billig", nennt Thomas Buberl den Zukauf. Das kann man durchaus nachvollziehen. Obwohl XL in der Vergangenheit nicht brillierte, handelt es sich um ein funktionierendes Unternehmen und kein Start-up ohne Umsätze. Ohnehin nennt es Buberl ein Tauschgeschäft. „Wir verkaufen einen US-Lebensversicherer und kaufen einen Sachversicherer. Netto habe ich nicht zugekauft, also den Umsatz nicht erweitert."
Die Analysten von Axa haben sich sicherlich etwas dabei gedacht, denn auf fallende Kurse zu warten – derzeit nur durch geopolitische Risiken hervorgerufen – ist wie in einer Dürre auf Regen zu warten. Doch Allianz-Chef Oliver Bäte lässt indirekt wissen, dass er darauf warten möchte. Er warnt vor der nächsten Finanzkrise. Dabei ist diese seit Jahren überfällig. Er hält auch die Preise für mögliche Kaufobjekte für zu teuer. Doch wenn nicht jetzt ein europäischer Versicherer zugeschlagen hätte, dann eben bald die Chinesen oder die Japaner, die derzeit mit der Softbank bei der Swiss Re anklopfen. Lamentieren über zu hohe Preise kurbelt das Wachstum im Kerngeschäft auch nicht an.

Axa kann sich ein Scheitern der Übernahme leisten

Es ist kein Geheimnis, dass jede zweite Firmenehe scheitert. Das ist der Schnitt über alle Branchen hinweg. Doch die Integration der Braut dürfte Axa keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. Im Gegensatz zu dem überregulierten LV-Markt lässt sich das Know-how in der industriellen Erst- und der Rückversicherung von einem auf den nächsten Markt übertragen. Bei Ace und Chubb scheint es zu funktionieren. Auch wenn Buberls Wette nicht aufgehen sollte, wird Axa daran nicht zugrunde gehen. Schließlich überlebte die Allianz das Debakel mit der Dresdner Bank.
Die Axa glaubt, die Chancen überwiegen insgesamt die Risiken: In der Sachversicherung mit Firmenkunden könne der französische Versicherer nach Beitragseinnahmen zum Weltmarktführer aufsteigen. Investoren hofften indes, dass die Erlöse jüngster Veräußerungen an die Aktionäre ausgeschüttet werden würden. Genau das macht die Allianz und kauft in einem großem Volumen seine Aktien zurückkauft – das erste Mal überhaupt in der Geschichte des Unternehmens. So steigt der Aktienkurs.
Im vergangenen Monat hat die Nummer drei nach Börsenwert im Dax um acht Prozent zugelegt. Im Jahresvergleich um elf Prozent, seit 2015 um 25 Prozent und seit April 2013 sogar um 76 Prozent. Kein Wunder, dass viele Anleger vor der Hauptversammlung am 9. Mai die Aktie erwerben möchten, um die Dividende in Höhe von voraussichtlich 8,00 Euro je Anteilschein einstreichen können. Bei dem derzeitigen Kursniveau in Höhe von 195,48 Euro (24.04.2018) lockt hier eine Dividendenrendite von 4,09 Prozent.
Die Allianz-Aktie stabilisierte sich auch, weil man die Problemfelder wie Kapitalrückgänge bei den Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors im vergangenen Jahr in den Griff bekam und für das aktuelle Geschäftsjahr man ein steigendes Ergebnis in einem Korridor von 10,6 bis 11,6 Mrd. Euro anpeilt. Axa erzielte im vergangenen Jahr hingegen einen operativen Gewinn von 6,2 Mrd. Euro. Dieser kann mit dem XL-Zukauf größer werden. Eine große Wette, die Axa eingeht. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Verwalten kann jeder. Thomas Buberl will mehr als das und beweist Mut. (dg)
Bildquelle: Fotolia
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David Gorr
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