Schlaglicht

Vermittler bezichtigen Generali der Lüge

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Schwindelt die Generali Kunden und Vermittler bewusst an? Schon im vergangenen Jahr sorgte die Übernahme des Generali-Vertriebs durch die DVAG intern für heftige Spannungen. Jetzt hat der Versicherer Kunden angeschrieben, die Verträge bei Generali-Beratern sowie freien Maklern besitzen. Darin wurde der Eindruck erweckt, alle Verträge des Kunden würden zur Betreuung auf die DVAG übertragen. Insider sprechen gegenüber VWheute von voller Absicht und einem erbitterten Kampf mit harten Bandagen. In München werden diese Vorwürfe auf das Schärfste zurückgewiesen.
Der Versicherer spricht in der "Anschreibe-Aktion" von einem Fehler und möchte die betroffenen Kunden schriftlich kontaktieren, sich entschuldigen und über den Sachverhalt aufklären. Sogar eine Hotline wurde eingerichtet, die betroffenen Maklern bei Schwierigkeiten helfen soll.
Alles Augenwischerei, behaupten Insider aus dem Generali-Vertrieb gegenüber VWheute. Die Aktion sei geplant gewesen und man wolle Kunden gezielt zur DVAG lotsen: "Nichts was die Generali in diesem Fall macht, ist Zufall", lauten die Vorwürfe. Vielmehr würde sogar eine "Nachtelefonier-Hotline" bestehen, um Kunden von Generali Vertretern abzuwerben, die den Gang zur DVAG nicht antreten. Das seien übrigens "weit weniger als 2.500 Vermittler", wie von den Unternehmen behauptet. In der Rechnung wären auch die nebenberuflich tätigen Vermittler mitgezählt worden.
Für das gezielte Abwerben der Kunden würde die Generali "grenzwertige Behauptungen und Lügen" verwenden, sowohl gegenüber den Maklern wie auch gegenüber den Kunden. Sowohl Generali als auch die DVAG würden in dem Wettbewerb "mit harten Bandagen kämpfen" und keinen "Kuschelkurs fahren".
Bei den Aussagen muss berücksichtigt werden, dass eine Umstrukturierung wie die der Generali viel Unmut im eigenen Lager erzeugt. Doch Stimmen, die sich gegenüber VWheute vehement gegen den Kurs und das Verhalten der Generali richten und ähnliche Sachverhalte schildern, wenn auch nicht in dieser Schärfe, häufen sich. Gerade die Beschönigung der Zahl der wechselnden Vermittler ist ein häufig vorgebrachter Vorwurf aus Vermittlerkreisen. Der Betriebsrat der Generali äußerte in der Vergangenheit ebenfalls deutliche Kritik am Verkauf.
Die Generali widerspricht
Der Versicherer ist in der Tat gerade dabei, seinen Vertrieb neu aufzustellen. Neben dem besagten Verkauf an die DVAG wird die Generali Deutschland ihr Maklergeschäft künftig vollständig über die Dialog laufen lassen. Sowohl das Leben- wie auch das Kompositgeschäft soll ab dem Jahr 2019 unter dem Dach des Maklerversicherers vereint und als eigenes Unternehmen geführt werden. Ein Verhalten, wie das beschriebene "entspricht in keiner Weise den Plänen des Unternehmens", ließ der Versicherer wissen. "Die Äußerungen sind falsch und wir widersprechen aufs Schärfste", betont ein Unternehmenssprecher gegenüber VWheute.
Was für die Darstellung der Generali spricht: die eigenen Makler seien nach VWheute-Informationen über die geplante "Anschreibe-Aktion" informiert worden. Ein weiterer anonymer Generali-Vertreter führt aus, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass "Kunden versehentlich zu irgendwelchen Themen angeschrieben werden". Bei der Generali habe man "die IT Systeme nicht im Griff" und das System lasse es nicht zu, "Dinge genau zu differenzieren".
Das ist jetzt nicht unbedingt ein Lob für den Versicherer, würde aber zumindest die These plausibel erscheinen lassen, dass es sich bei der "Anschreibe-Aktion" tatsächlich um ein Versehen gehandelt habe, wie procontra zuerst berichtete. Bis dahin muss jeder für sich entscheiden, ob er den Ausführungen der Insider oder des Unternehmens folgt. (vwh/mv)
Bild: Vermittler (Axa)
Generali · Vertrieb · Vermittler · DVAG