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Munich Re will wachsen durch sparen

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach einem wirtschaftlich eher ernüchternden Jahr 2017 mit einem deutlichen Gewinneinbruch versprühte Munich Re-Vorstandschef Joachim Wenning auf der Jahreshauptversammlung zumindest wieder ein Hauch von Optimismus: "Munich Re ist wieder auf Wachstumskurs". Dennoch will der Rückversicherer 200 Mio. Euro pro Jahr sparen und die Vorstandsboni kürzen. Auch die Forderungen nach einem Verkauf der Ergo ließen nicht nach.
Es ist sein erstes eigenverantwortete Geschäftsjahr als CEO an der Spitze des weltweit größten Rückversicherers, sein erstes Mal als Adressat von Wünschen und Forderungen die aus den Reihen der Anteilseigner vorgetragen werden: Joachim Wenning, Nachfolger von Nikolaus von Bomhard und seit genau einem Jahr Vorstandsvorsitzender der Munich Re, hat bei seiner ersten Hauptversammlung viel Lob bekommen, und das, obwohl zahlreiche Großschäden "das Konzernergebnis 2017 weggeblasen haben", wie Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, es formulierte. Für das kommende Jahr erwarten die Shareholder von Wenning nichts weniger als "frischen Wind".
Große Neugier auf die Rede der neuen Nummer eins und viel Wohlwollen aus der Anlegerschaft begegneten Wenning nach seinem ersten Jahr als Chef der Munich Re im Auditorium des ICM auf dem Gelände der Messe München. Wenn der weltgrößte Rückversicherer zur Hauptversammlung ruft, dann sind alle Plätze belegt, dann ist das Interesse riesig. Wie geht es der Branche im Allgemeinen und wie der Munich Re im Besonderen?
Diese Fragen treiben alle Besucher um, und Wenning liefert: Gute Zahlen, einen guten Ausblick und eine stabile Dividende. Die blieb mit 8,60 Euro zwar unverändert, trotz Megaschäden durch Naturkatastrophen, die Frage stand aber im Raum, aus welchen Mitteln diese bezahlt wird? Wohl aus der mindestens sieben Mrd. Euro schweren "Kriegskasse". "Was erwarten wir von Ihnen?", diese offensive Frage beantwortete Aktionärsschützerin Bergdolt gleich selber: "Wenning als neuer Besen, der die staubigen Ecken der Munich Re auskehren soll".

"Einsparungen von über 200 Mio. Euro pro Jahr"

In diesem Zusammenhang stieß die Ankündigung des Unternehmens im Rahmen des Transformationsprozesses rund 900 Stellen, auch am Standort München, zu streichen auf Unverständnis. Zudem sollen in der Rückversicherung und bei Konzernfunktionen Strukturen und Abläufe vereinfacht, teilweise gestrichen werden. "Wir rechnen mit Einsparungen von über 200 Mio. Euro pro Jahr vor Steuern", betonte Wenning. Das sind ungewohnte Töne aus der Königinstraße, wie Bergdolt weiter ausführte. Auch wie der Vorstand auf die neuesten Meldung aus der Branche, wonach Softbank bei der Swiss Re eingestiegen ist, reagieren will, war Diskussionsgegenstand.
Zudem will der Rückversicherer auf Druck der Aktionäre die Vorstandsboni künftig reduzieren. Demnach sollen die Boni für die Vorstandsmitglieder der Munich Re ab diesem Jahr 50 statt wie bisher 70 Prozent der Bezüge ausmachen, wie Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder erklärte. Dabei soll für die Boni sollen künftig ausschließlich die Erreichung der Gewinnziele des Vorstands und die Entwicklung der Münchener-Rück-Aktie im Vergleich zur Konkurrenz maßgeblich sein. "Die variable Vergütung wird künftig sehr viel volatiler sein als heute", betonte der Vorsitzende des Kontrollgremiums. Dabei ist durchaus möglich, dass die Boni in schlechten Geschäftsjahren sogar auf null sinken können.

Läuten die Hochzeitsglocken für die Ergo?

Nicht nachlassen wollen offensichtlich auch Forderungen nach einem Verkauf der Erstversicherungstochter Ergo: "Das Töchterchen ist etwas hübscher geworden, so Bergdolt und Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS unisono, hübsch genug auch für eine Hochzeit? Bis 2021 auf jeden Fall nicht, denn bis dahin soll Ergo mindestens 600 Mio. Euro zum Konzernergebnis beitragen, wie Wenning in seiner Rede versicherte.
Das ist keine leichte Aufgabe für Ergo-Chef Markus Ries, aber machbar, wie die neuesten Zahlen andeuten. Drei Prioritäten hat der Vorstandschef der Munich Re den Anteilseignern für die kommenden Geschäftsjahre skizziert: Die Steigerung der Ertragskraft, die digitale Transformation und schließlich die Reduktion der Komplexität, oder kurz ausgedrückt: Mehr Geschäft mit weniger Aufwand. Wie das konkret bewerkstelligt wird, erläutert der Vorstandsvorsitzende hier im Video.
Joachim Wenning zieht eine persönliche Bilanz seines ersten Geschäftsjahres:
Joachim Wenning erläutert die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017:
Joachim Wenning zur Risikobereitschaft Munich Re:
Joachim Wenning gibt einen Ausblick auf die konkreten Zahlen für das laufende Geschäftsjahr 2018:
(vwh/ak)
Bild: Mit Spannung verfolgten hunderte Aktionäre die erste Hauptversammlung des neuen Munich Re-CEO Joachim Wenning in München. (Quelle: Alexander Kaspar)
Ergo · Munich Re · Joachim Wenning · Rückversichwerer
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