Politik & Regulierung

Ist die Zinszusatzreserve noch gerecht?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Eine Neukalibrierung der Zinszusatzreserve wird offensichtlich nicht im Wege der Verordnung zu erreichen sein, sondern nur als Bestandteil der Novellierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG). Im Parlament werde die ZZR zusammen mit dem LVRG "nicht vor Mitte/Ende Mai diskutiert", sagte Kai-Uwe Schaumlöffel, Abteilungsleiter VA 2 der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, in einer MCC-Konferenz.
Er habe aber die Hoffnung, dass sich die Unternehmen durch eine rechtzeitige Kommunikation auf die künftige Ausgestaltung der ZZR einstellen können. "Wenn man das Gefühl hat, dass sich alle einig sind, reicht eine frühzeitige Information aus, um keine stille Reserven zu heben. Aber man muss zumindest die erste Runde der Diskussion abwarten", rät er und erinnerte an ein ähnliches Vorgehen bei der Deckungsstockverordnung 1994.
Bei der Kommunikation mit der Politik sollte die Branche zudem auf das Thema "Generationengerechtigkeit" abstellen. Schließlich bedeute die ZZR eine Umverlagerung von Mitteln eines Kollektives auf der Zeitschiene. Sprich: Zurzeit werden Bewertungsreserven aufgelöst und damit Reserven gebildet für alte, höher verzinste Verträge, was zulasten von jüngeren Beständen geht. Die Änderung der ZZR-Methode sei keine Wohltat für die Branche.
Beim LVRG wird es zudem um den Provisionsdeckel gehen. Frank Grund, oberster Versicherungsaufseher, hatte hier zuletzt einen Provisionssatz von 2,5 Prozent in die Diskussion eingebracht; zudem sollen weitere 1,5 Prozent Abschlussprovision bei qualitativ gutem Geschäft möglich sein. Schaumlöffel sagte hierzu: "Die Vertriebskosten sind global nur homöopathisch gesunken, aber es hat eine Verlagerung zu den laufenden Provisionen gegeben; dies ist zumindest eine qualitative Verbesserung."
Er gehe davon aus, dass die Aufsicht Prinzipien für den qualitativen Satz vorgeben werde, welche die Unternehmen dann ausformulieren müssten. Dabei müsse es nicht nur um die Höhe des Stornos gehen, sondern es könnten auch weitere Kriterien für Qualität genannt werden. Unter vielen anderen Aspekten der aktuellen und anstehenden Regulierung berichtete Schaumlöffel auch von einer Abfrage der IT-Sicherheit bei den Unternehmen. Diese sei "ernüchternd" gewesen.
"Die Unternehmen haben erschreckende Dinge und mit einer gewissen Blauäugigkeit berichtet", so Schaumlöffel. Die Aufsicht habe nun eine zentrale Gruppe aufgesetzt, die sich mit Mindestanforderungen beschäftige und schwerpunktmäßig im zweiten Halbjahr sowie 2019 bei den Unternehmen vor Ort prüfen werde. (lie)
Bild: Kai-Uwe Schaumlöffel (Quelle: lie)
Zinszusatzreserve · ZZR
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