Märkte & Vertrieb

Industrie klagt über hohe Prämiensteigerung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die deutschen Industrieunternehmen klagen über zweistellige Prämienanpassungen in der Sachversicherung. Sie sehen durch diese Forderungen den bisher guten Konsens zwischen Assekuranzen und versicherungsnehmender Wirtschaft gefährdet. "Wir wollen noch nicht von verhärteten Fronten sprechen, wenn die Versicherer künftig wieder mehr zu einem Dialog bereit sind", betont GVNW-Vorsitzender Alexander Mahnke.
Besonders betroffen sei die Recycling- und Lebensmittelbranche. "Das kann dazu führen, dass Unternehmen nach Alternativen zum Versicherungsschutz suchen." So gäbe es mittlerweile genug langfristige Kapitalmodelle, die Sicherheit bieten würden, aber eben keine Versicherungen sein. Damit würde man sich zudem die Versicherungssteuer sparen.
Nach Ansicht von GVNW-Vorstand Matthias Beck würden viele Versicherer die Investitionen der Unternehmen in höhere Sicherheit nicht ausreichend honorieren. Dabei sei ein solches Risiko-Management oft schwierig im Unternehmen durchzusetzen. "Wenn Versicherer das mehr würdigen, verbessert sich auch die Position für weitere Investitionen", konstatiert Beck anlässlich eines Pressegesprächs in Köln.
Die Versicherer sollten zudem nach Ansicht des GVNW durch Tochterfirmen viel mehr Schadenverhütungsleistungen anbieten. "Viele Unternehmen sind bereit, für solche Leistungen zu zahlen", glaubt GVNW-Chef Mahnke. Hier liege für die Versicherer eine große Geschäftschance.
Einig ist man sich im Verband zudem darüber, dass die Schadenregulierung insgesamt schwieriger geworden ist. Das sei zwar nicht flächendeckend, doch viele Versicherer würden mehr auf Formalien beharren und bei kleineren Unternehmen, die nach Großschäden dringend auf Versicherungsleistungen angewiesen sind, den Druck in Richtung eines Vergleiches erhöhen.
Nach Einschätzung Mahnkes ist aber eine schlechte Schadenregulierung oft auch ein Reflex darauf, dass Unternehmen beim Versicherungsabschluss nur auf den Preis achten würden. So würde die Expertise für die Schadenregulierung bei Versicherern mit eigener Schadenabteilung deutlich höher ausfallen. Überrascht ist der Verband darüber, dass die Versicherer nach anfänglicher Euphorie in Sachen Cyberschutz, derzeit schon wieder den Kapazitätshahn zudrehen.
Experte Beck ergänzt: "Nachdem anfänglich Cyberdeckungen bis zu 100 Mio. versprochen wurden, gibt es jetzt einen deutlichen Trend zu geringeren Höchstsummen. Teilweise sei bei 30 Mio. Euro Schluss, weil die Versicherer nun das Kumulrisiko bei IT-Schäden entdeckt hätten. Zudem ist der GVNW mit den Digitalisierungsanstrengungen der in Deutschland aktiven Versicherer sehr unzufrieden.
"Die Industrieversicherer haben es bisher versäumt, eine für alle Kunden einheitliche Plattform über das Internet anzubieten", kritisierte Mahnke. Noch immer gäbe es keine Standards in der Kommunikation. Das führe zu enormen Reibungsverlusten und hohen Kosten bei der Anbahnung, Verwaltung und Schadenregulierung.
"Unsere Kunden müssen in der Regel mit mehreren Versicherern zusammenarbeiten. Dabei ist aber kein IT-System der Versicherer mit dem anderen kompatibel", klagt Mahnke. Die Kunden der Versicherer seien längst viel weiter und könnten jederzeit digitale Daten zur Verfügung stellen. Wenn die Digitalisierung in der Industrieversicherung nicht schnell voranschreite, könnte der Markt nachhaltig beschädigt werden. (usk)
Bild: Alexander Mahnke (Quelle: usk)
Alexander Mahnke · GVNW
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