Politik & Regulierung

Berufstätige Mütter entlasten die Rentenversicherung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wenn sich die Berufstätigkeit von Müttern so entwickeln würde, wie sie derzeit bereits in skandinavischen Ländern üblich ist – hier sind bis zu 95 Prozent der Frauen mit Kindern in Arbeit – könnte das nicht nur ihre Altersvorsorge verbessern, sondern die Beitragszahler insgesamt bis zum Jahr 2050 um 190 Mrd. Euro entlasten. Auch das Rentenniveau würde steigen.
Zu diesem Ergebnis kommt die neue Prognos-Studie "Frauen und Altersvorsorge", die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gemeinsam mit dem Prognos-Institut durchgeführt und gestern in Berlin vorgestellt hat.
Ausgangspunkt sei die Tatsache, dass die Rentenlücke für Mütter in Deutschland mit im Schnitt 40 Prozent im internationalen Vergleich sehr hoch ist, erklärte Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung. In Frankreich und Spanien betrage sie 33 Prozent, in Dänemark nur elf Prozent. Obwohl sich aufgrund steigender Berufstätigkeit von Müttern die Lücke langsam schließe, gebe es demnach Handlungsbedarf.

Schnelle Rückkehr in den Beruf lohnt sich

Ob Mütter später eine auskömmliche Rente bekommen, hänge von sehr vielen Faktoren ab, betonte Prognos-Vize-Direktor Oliver Ehrentraut. Vor allem der ergriffene Beruf, aber auch der Erwerbs- und Familientypus der Frau – familien- oder erwerbsorientiert – bestimme die Möglichkeiten der Vorsorge.
So hat Prognos errechnet, dass die gesetzliche Rente von Frauen, die nach der Geburt von zwei Kindern jeweils schnell in den Beruf zurückkehren, über 50 Prozent höher liegt als bei Frauen, die die Erziehungszeit voll ausschöpfen und anschließend nur Teilzeit arbeiten. Bei gut ausgebildeten Frauen mit einem hohen Gehalt falle der Vorteil besonders ins Gewicht.

Bis 2050 "dänische Verhältnisse"

Mit gut 85 Prozent berufstätigen Müttern im Jahr 2050 rechnet die Studie – heute sind es knapp 67 Prozent. Solche "dänischen Verhältnisse" seien durchaus realistisch, betont Ehrentraut. In dem Fall, und wenn die Frauen gut drei Stunden länger arbeiten als heute (knapp 30 Wochenstunden), könnten die Beitragszahler bis 2050 um 190 Mrd. Euro, der Bund um 13,5 Mrd. an Zuschüssen entlastet werden.
Gleichzeitig würde das Nettorentenniveau um 0,7 Prozentpunkte steigen. Mehr berufstätige Frauen helfen sich also nicht nur selbst, sondern leisten einen Beitrag zur Stabilisierung des Rentensystems. Auch der Fachkräftemangel könne kompensiert und dank niedrigerer Beitragssätze das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden.

Zusatzvorsorge partnerschaftlich aushandeln

Während es bei der gesetzlichen Rente durch das Rentensplitting einen gewissen Ausgleich zwischen den Partnern gebe, schlagen Unterschiede im Einkommen etwa beim Riester-Sparen voll auf die spätere Altersvorsorge durch, merkte Ehrentraut weiter an. Frauen in Beziehungen rät er daher, das Haushaltseinkommen als Grundlage für das Altersvorsorge-Sparen zu nehmen statt das – meist niedrigere – eigene Einkommen. In der Koalitionsvereinbarung sei zwar die Steuerklassenwahl in den Fokus genommen worden.
Doch solange das Ehegattensplitting in der Praxis zur Benachteiligung von Frauen führe, sei es beschäftigungsfeindlich. Zusatzvorsorge muss partnerschaftlich ausgehandelt werden, so sein Rat. Die Obergrenze von 2.100 Euro, die bei Riester gefördert werden, muss dringend erhöht werden, forderte Schwark. Wenn man die Lohnentwicklung einrechnet, müsste sie heute bei deutlich über 3.000 Euro liegen. Nur bei regelmäßigen Anpassungen könnten die Versicherer dynamische Verträge anbieten.

Vereinfachung von Riester steht bevor

Zur Verbesserung der Altersvorsorge auch von Müttern würde eine säulenübergreifende Renteninformation beitragen, die seit Jahren vom GDV gefordert und gegenwärtig von einer gemischten Arbeitsgruppe unter Leitung der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und Gestaltung diskutiert werden, informierte Schwark. Zur geforderten Vereinfachung der Riester-Produkte sieht er nicht nur die Produktgeber in der Pflicht, sondern auch den Staat mit seiner komplizierten Förderpolitik. Vor allem sollten alle Personen förderberechtigt sein, die Steuern zahlen.
Eine einfache Förderung würde die Versicherer entlasten und Kosten senken. "Ich denke, dass wir im Frühsommer den Dialog mit der Politik beginnen", ist Schwark sicher. Einfache Produkte und einfache Förderung – das sei der Weg zu einem kostengünstigen und transparenten Riester-Produkt. (epo)
Bild: Oliver Ehrentraut (Quelle: epo)
GDV · Altersvorsorge · Frauen · Prognos
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