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Nichtstun bei Unfallopfern wird teuer für Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Den steigenden Personenschäden lässt sich mit mehr aktivem und vernetztem Schadenmanagement bei Unfallopfern entgegen wirken. "Wenn wir so verfahren wie bisher, werden wir in der Kraftfahrtversicherung nicht mehr auskömmlich sein", sagte Klaus Weber, der das Personenschadenmanagement bei der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH leitet.
"Es gibt kein einheitliches Vorgehen in der Branche, jeder macht bei Großschäden irgend etwas", kritisierte sein Kollege Ralf Doering, leitender Standortarzt der Generali Schadenmanagement. Komme die Versicherungswirtschaft für die Kosten eines Unfallopfers auf, gäben sich Krankenkassen und Berufsgenossenschaften weniger Mühe bei der Kostenkontrolle. "Je nach Kostenträger sind die Einsparungen erheblich", so Doering auf der MCC-Fachkonferenz "Aktives Personenschadenmanagement".
Und diese Schadenaufwendugen dürften dank besserer Fahrzeugtechnik und Innovationen im Bereich der Medizin weiter steigen. Denn: Es überleben mehr Schwerverletzte als früher. So hat sich die Letalitätsrate bei Polytraumata in den letzten knapp 40 Jahre halbiert. Damit hat sich allein in den letzten zehn Jahren die Zahl der Schwerverletzten versechsfacht.
"Versicherer sollten zumindest in der Lage sein, ihre eigenen Kosten zu überblicken", so Doering. Für eine effektive Kostenkontrolle müssten aber alle Diagnosen mit einem Alphanummerischen Code verschlüsselt werden. "Denn das geschriebene Wort kann ich nicht vergleichen und damit kann ich meine Kosten auch nicht bemarken", so Doering. Für die Generali liege die Benchmark bei den Berufsgenossenschaften. Frühzeitige Reha-Maßnahmen sind ein wichtiger Kostensenker.
Von den Schwerverletzten nähmen bei der Generali aber nur 40 Prozent eine Reha-Maßnahme an. "Oft schleppen sich die Prozesse so lange hin, dass es dann keinen Sinn mehr macht", so Weber. Mit einer besseren Kommunikation, in die man auch die Rechtsanwälte einbezogen habe, habe man die Annahmequote um 30 Prozent auf "50 plus" Prozent gesteigert. Das sei zwar nicht hervorragend, aber damit liege man in der Branche an der Spitze und deutlich über dem Niveau im eigenen internationalen Konzern von 20 bis 25 Prozenz.
Weber berichtet unter anderem von GDV-Projekten, bei denen die Wirkung von Frührehabilitation von Polytraumatisierten überprüft werde und von Bemühungen, das sogenannte "Reha-Loch" durch Vernetzung von Akutklinik mit Reha-Maßnahme und Versicherer zu vermeiden. "Die Qualität der Reha ist wichtig", so Weber. Damit sich der Versicherer kümmern könne, müsse er von der Akutklinik aber recht bald über den Patienten informiert werden. Künftig sollen die entsprechenden Informationen über die GDV Dienstleistungs-GmbH & Co. KG an die jeweiligen Versicherer geroutet werden.
Die Digitalisierung wird nach Einschätzung von Hauke Neumann, geschäftsführender Gesellschafter der Rea Assist Deutschland GmbH, im Bereich des Personenschadenmanagements immer wichtiger. Bei Telemedizin, EHealth, Telemonitoring und Telematik liege Deutschland "aber noch ganz weit hinten". Er warnte unter anderem davor, die neue Regulierung Medical Device Regulation (MDR) bei Innovationen wie etwa Apps nicht zu beachten. "Durch die MDR ist man in der Haftung, explizit die IT-Sicherheit zu gewährleisten."
Er rät zudem zur ganzheitliche Nachbehandlungssteuerung. Durch die Finanzierung der Kliniken über Fallpauschalen und die Unterfinanzierung der Reha-Kliniken zu 25 Prozent würden GKV-Patienten heute durchweg schlechter behandelt als es die entsprechenden Leitlinien vorsähen und die Rekonvaleszenz dauere zudem länger. Dies mache es für die Unfall- wie Kraftfahrtversicherer teurer. Dabei sollten die Versicherer nicht nur Schwerverletzte, sondern auch Mittelverletzte wegen der Gefahr von komplikationsbedingten Verschlimmerungen im Blick behalten.
Seinen Untersuchungen zufolge hatten 50 Prozent der nicht im Wege seines Personenschadenmanagements Betreuten schlechtere Invaliditätsgrade als sie es hätten sein müssen. Dabei müsse der Aufwand für mehr und bessere Reha nicht "riesig viel sein. Mit ein paar 1.000 Euro kommt man pro Fall schon relativ weit." (lie)
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