Köpfe & Positionen

Innovative bAV-Strategien im Kontext des BRSG

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Von Gothaer-Vorstand Michael Kurtenbach. Anfang 2018 ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BSRG) in Kraft getreten. Es soll dazu beitragen, der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland neuen Schwung zu verleihen. Laut dem Alterssicherungsbericht 2016 lag der Verbreitungsgrad der bAV in der Privatwirtschaft zuletzt bei 57 Prozent.
Dieser Wert streut jedoch stark in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße. Insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen verfügen nur etwa 37 Prozent der Beschäftigten über einen bAV-Anspruch.
Das BSRG beinhaltet zwei unterschiedliche Stoßrichtungen, um eine höhere Verbreitung von Betriebsrenten bei kleinen Unternehmen und Beschäftigten mit niedrigem Einkommen zu erreichen. Erstens eine deutlich verbesserte Förderung des bisherigen Systems (bAV I-Markt) und zweitens die Einführung des Sozialpartnermodells in Form von Zielrenten ohne Garantie (bAV II-Markt).
Spätestens als das BSRG Mitte letzten Jahres das Gesetzgebungsverfahren durchlief, stand jeder Lebensversicherer mit Ambitionen im bAV-Geschäft vor der Frage, wie eine intelligente strategische Positionierung in den unterschiedlichen bAV-Teilmärkten aus Sicht des betreffenden Unternehmens aussehen könnte.
Aus Sicht der Gothaer lässt sich die seinerzeitige Ausgangslage wie folgt zusammenfassen: Bei der Gothaer hat die bAV mit einem Anteil von einem Drittel am Neugeschäft als auch am Bestand eine signifikant höhere Bedeutung als im Durchschnitt der Branche. Deshalb war unser Selbstanspruch von vornherein dahingehend klar, dass wir den Wettbewerb in dem durch das BSRG veränderten bAV I-Markt weiterhin alleine bestreiten. Diesen Teilmarkt betreffend ging es also primär darum, innovative Tariflösungen und Verkaufsansätze zu entwickeln.
Deutlich schwieriger war dagegen die Beantwortung der Frage, wie eine intelligente und für die Gothaer machbare Positionierung im neu entstehenden bAV II-Markt (Sozialpartnergeschäft) aussehen könnte. Dazu muss man sich erst einmal klar machen, welche Akteure in dem neuen bAV II-Markt auftreten und unter welchen Rahmenbedingungen bzw. Spielregeln das Sozialpartnergeschäft zustande kommt.
Im Grundschema der Sozialpartnerrente verständigen sich Arbeitgeberverbände (bzw. einzelne Arbeitgeber) und Gewerkschaften im Rahmen von Tarifverträgen über diese neue Form der betrieblichen Altersversorgung. Für die Durchführung und Abwicklung der jeweils vereinbarten Tarifvertragslösung bieten sich Lebensversicherer an. Die jeweils mandatieren Lebensversicherer stehen vor der herausfordernden Aufgabe, die betreffenden Sozialpartner mit einer attraktiven und leistungsstarken Altersvorsorge auszustatten und in dem Rahmen wahrscheinlich auch umfangreiche Service- und Abwicklungsleistungen anzubieten.
Vor diesem Hintergrund ist es eher unwahrscheinlich, dass ein mittelständischer Lebensversicherer mit großen Sozialpartnern allein "am Verhandlungstisch sitzt". Vielmehr werden Größe, Reputation, Kostenniveau und Verlässlichkeit wichtige Entscheidungskriterien für Sozialpartner bei der Auswahl von Lebensversicherern sein. Es ist schon interessant zu beobachten, dass der Wettbewerb im neu entstehenden bAV II-Markt den Trend und die Bereitschaft zu Kooperationen auf Versichererseite eindeutig belebt.
Auch die Gothaer hat sich frühzeitig entschieden. gemeinsam mit anderen namhaften und leistungsstarken Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit, eine attraktive und von den Sozialpartnern getragene betriebliche Vorsorge zu entwickeln. Auf der Grundlage der Werte und Leitprinzipien von Versicherungsvereinen und der Größe und Erfahrung von fünf starken Unternehmen ist das Rentenwerk hervorragend aufgestellt, die Wünsche und Anforderungen der Sozialpartner in maßgeschneiderte Produktlösungen umzusetzen.
Gothaer · bAV · Michael Kurtenbach · BRSG
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