Politik & Regulierung

Ein Ferrari schützt vor Strafe nicht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ist das jetzt dreist oder dumm? F. wollte seinen italienischen Sportwagen für 68.000 Euro verkaufen. Der Kaufinteressent Youseff S., der sein Auskommen durch einen 800 Euro Studentenjob finanziert, soll den Wagen bei einer Probefahrt im Münchener Altstadttunnel beschädigt haben. Das Auto wurde extra für die Probefahrt zugelassen. Ahnen Sie, wohin die Reise führt?
Als die Versicherung die Bezahlung des Schadens mit der Begründung ablehnte, dass die Probefahrt erfunden sei, sah der Verkäufer ferrari-rot. Die Versicherung blieb cool und verwies darauf, dass kein Schutz bestehe, wenn ein Dritter das Auto fahre. Das Gericht bestätigte die Ansicht der Versicherung und der Richter ließ durchblicken, dass eine Revision unklug sei, weil die Staatsanwaltschaft sich den Fall genauer anschauen könnte. Das ließ den vermeintlich Geschädigten kalt, er wollte sein Recht.
F. scheint kein großer Fan von TV-Anwaltsgrößen wie Madlock zu sein, denn sein Verhalten vor Gericht ist in Sachen Professionalität ausbaufähig. Er erschien er nicht zum ersten Termin vor dem OLG und auch beim folgenden Termin saß sein Anwalt mutterseelenallein und traurig da. Er habe keinen Kontakt zu seinem Mandanten, der würde auf keine Kontaktaufnahme reagieren, eine Telefonnummer habe er nicht. Der Richter entschied auch ohne Kläger.
Der Ferrari wurde von F. erst am Tag des Unfalls zugelassen. "Das tut ein Profi nicht", äußerte der Richter. Darüber würden weitere Strafverfahren gegen F. wegen ähnlicher Vergehen laufen und zudem war am Ferrari ein Aufkleber angebracht, dass man das Auto mieten könne. Es kommt aber tatsächlich noch besser.
Ein Youtube-Video von F. mit einem Sportwagen "Ariel Atom" zeigt, wie er mit einem Kunden durch München fährt, auch durch den Altstadttunnel, in dem auch der Ferrari-Unfall geschah. Die Aufschrift auf dem Auto lautete "Mit dem Traumwagen Chauffeure eine kleine runde durch München", schreibt die SZ. Bei der Beweislage wird die Luft vor Gericht schnell dünn.
Der Richter urteilte, dass es weder eine Probefahrt noch eine Ausleihe unter Freunden gewesen sei, sondern dass es sich um F.'s Geschäft handele. Es bestehe daher kein Versicherungsschutz und es gäbe auch keine Berufung. Die Frage bleibt, was der Staatsanwalt aus dem Fall jetzt macht. (vwh/mv)
Kfz-Versicherung · Versicherungsbetrug · Ferrari
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