Schlaglicht

Drängt die Huk-Coburg kranke Mitarbeiter systematisch zur Kündigung?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Massive Kritik an der personalpolitischen Haltung der Huk-Coburg. Nach Angaben der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft soll der Versicherer aus Oberfranken Beschäftigten mit langen krankheitsbedingten Fehlzeiten systematisch nahelegen, ihren Job aufzugeben. Bei fehlender Bereitschaft dazu werden kurzerhand Kündigungen ausgesprochen. Brisant: der Vorstand um Klaus-Jürgen Heitmann wurde laut Verdi vergeblich aufgefordert, von seiner Linie abzuweichen. Die Reaktion aus Coburg fällt dürftig aus.
"Gerade erkrankte Mitarbeiter brauchen die Unterstützung ihres Arbeitgebers und nicht die Bedrohung ihrer Existenzgrundlage", erklärt Verdi-Bundesvorstandmitglied Christoph Meister. "Wir kritisieren den Druck, der auf alle Arbeitnehmer der Huk-Coburg ausgeübt wird, wenn sie befürchten müssen, dass ihr Arbeitgeber bei Fehlzeiten durch Erkrankungen leichtfertig und vorschnell das Arbeitsverhältnis kündigt.“ Vor allem der Ausspruch von Kündigungen auch langjährig Beschäftigter sei als Versuch des Unterlaufens tarifvertraglicher Schutzregelungen in der Versicherungsbranche nicht tolerabel.
In der Hamburger Konzernniederlassung des Versicherers wurden von den rund 200 Beschäftigten sieben Mitarbeiter mit längeren oder häufigeren krankheitsbedingten Fehlzeiten gekündigt, obwohl der Betriebsrat diesen widersprochen hatte.
Die Vorgehensweise wurde laut Verdi im gesamten Konzern durch ein Rundschreiben verbreitet und mehr als 20 weitere Beschäftigte wurden zu Personalgesprächen vorgeladen. In diesen soll kommuniziert worden sein, dass auch sie mit Kündigungen rechnen müssten, wenn sie ihre Fehlzeiten nicht reduzieren würden.
Die Huk-Coburg stelle sich mit diesem Vorgehen gegen ihre Beschäftigten und Betriebsräte und schürt Angst und Verunsicherung, kritisiert Meister. Mehrfach sei der Vorstand vergebens aufgefordert worden, zu einer kooperativen und ursachenadäquaten Personalarbeit zurückzukehren.
Der Versicherer seinerseits reagiert wortkarg auf die Anschuldigungen von Verdi. "In Hamburg hat es eine spezifische Situation gegeben. Von dieser sehr speziellen Ausgangslage auf die generelle Personalpolitik zu schließen, ist verfehlt. Zu der konkreten Sachlage in Hamburg äußern wir uns nicht", erklärt ein Sprecher auf Nachfrage von VWheute.
Bisher wurde in sämtlichen Arbeitsgerichtsverfahren erst- sowie zweitinstanzlich die Unwirksamkeit der ausgesprochenen Kündigungen festgestellt. Wie die erste Instanz hatte auch das Landesarbeitsgericht Hamburg am 5. April seine Entscheidung vor allem damit begründet, dass der Arbeitgeber die nach erhöhten Fehlzeiten vereinbarten Aktivitäten des betrieblichen Eingliederungsmanagements nicht zu Ende geführt, sondern die Kündigung vorschnell ausgesprochen habe. (vwh/mst)
Verdi · HUK Coburg
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