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Die Methode Wenning: Munich Re im Angriffsmodus

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Nikolaus von Bomhard war ein Mann der leisen Töne, ein stiller Denker. Nun ist es nicht so, dass sein Nachfolger Joachim Wenning unüberlegt agiert oder öffentlichkeitswirksam auf den Tisch haut. Doch prescht der 53-Jährige, erst neunte Munich-Re-Chef überhaupt, der sich heute - ein Jahr nach dem Amtsantritt – erstmals den Aktionären stellt, immer wieder gerne mit überraschenden Botschaften und Ansagen nach vorne. Aggressiv, aber konservativ, sozusagen. Dem Konzern scheint der Kurs gut zu tun. Einige neuralgische Punkte bleiben. Deren Lösungswege dürften nicht allen gefallen.
Die Munich Re erwartet für das erste Quartal des laufenden Jahres ein Konzernergebnis von über 800 Mio. Euro, vorbehaltlich der noch laufenden Erstellungsarbeiten für den Q1-Konzernabschluss. Dieses Resultat werde nach Unternehmensangaben getragen durch eine geringe Belastung aus Großschäden in der Rückversicherung. Das Konzernergebnis des ersten Quartals 2017 betrug 557 Mio. Euro. Das Ziel für das Konzernergebnis 2018 bleibt mit 2,1 bis 2,5 Mrd. Euro unverändert. So die nüchterne Presseinformation aus der Schaltzentrale.
Gute Stimmung in München, gute Stimmung auch bei Vorstandschef Joachim Wenning. Man habe den Abwärtstrend gestoppt und steuert beim Gewinn wieder nach oben - und das nach einem höchst anspruchsvollem ersten Jahr Konzernspitze. Schwere Wirbelstürme und Erdbeben haben den Gewinn auf rund 400 Millionen Euro einbrechen lassen - geplant waren mehr als zwei Milliarden.
Wenning ist im CEO-Amt mittlerweile auf Betriebstemperatur, möchte man meinen. Seine Sinne sind geschärft für neue Geschäftspotenziale, sein Kurs getrimmt auf Erfolg. Das übergeordnete Ziel: die jahrelange Gewinnerosion stoppen und bis 2020 die magische Marke von 2,8 Mrd. Euro erreichen. Das wäre rund eine halbe Milliarde mehr als sich die Münchener Rück für das laufende Jahr vornehmen.
„Wir haben die Ambition, dass wir mit weniger Aufwand mehr Geschäft schreiben", sagte der Manager auf der Bilanzpressekonferenz. Schmerzmittel wie Stellenkürzungen gehören hier wohl untrennbar dazu. Von 450 Arbeitsplätzen in der Zentrale ist die Rede, der Rest betrifft vorwiegend den US-Markt. Das eingesparte Geld soll in strategische Digitalisierungsprojekte fließen.
Ankerinvestor? Wieso nicht
Das alleine genügt dem Spitzenmanager nicht. Er will näher rücken an den Kunden, hinterfragt betretene Pfade und stellt selbst scheinbar bewährte Methoden auf den Prüfstand. Bei einem „Weiter so“ wären Ertragssteigerungen nicht möglich, lautet seine Devise. Nicht jedem Markttrend nachzueifern, gehört aber mindestens genauso zu seiner Botschaft - ganz in der Tradition eines konservativen Marktplayers. Wenning ist das wichtig.
"Auch ohne neue Themen wie Cyber-Versicherungen sehen wir Wachstumspotenziale. Wir haben unsere Marktanteile analysiert und sehen, dass mehr Geschäft zu holen ist. In einigen Regionen sind wir unterrepräsentiert." Das gelte auch für vermeintlich gesättigte Märkte wie die USA.
Indes hat der Munich-Re-Chef keine Zweifel daran, dass "klassische Lebensversicherungen strategisch nicht zum Risikoprofil passen". Überlegungen der Erstversicherer-Tochter Ergo, rund sechs Millionen Policen von Ergo Leben zu verkaufen, wurden trotzdem gestoppt. Der Preis stimmte nicht. Nun baut Ergo zusammen mit dem IT-Konzern IBM an einer Plattform, über die später auch Bestände anderer Versicherer verwaltet werden können - ohne sie zu übernehmen. Laut Wenning sei das in jedermanns Interesse, weil Kosten auch im Interesse der Kunden geteilt werden würden. Eine Idee für die Zukunft? Mag sein.
Und selbst der Vorstellung einer Beteiligung potenter Investoren nach dem Beispiel Swiss Re- Softbank scheint der Munich-Re-Anführer nicht abgeneigt. "Dem Grundsatz nach würden wir einen Ankerinvestor willkommen heißen. Sind wir auf der Suche nach einem? Nein."
Wenning ist ein Könner. Auch wenn es darum geht, durch kluge Botschaften ein Gefühl von "Offenheit für alles" auszustrahlen ohne sich zu tief in die Karten blicken zu lassen. (mst)
Munich Re · Joachim Wenning
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