Schlaglicht

"Vergütung darf keine falschen Anreize schaffen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass ethisch-moralische Grundsätze für nachhaltig erfolgreiches wirtschaftliches Agieren gerade in heutigen Zeiten unerlässlich sind, weiß Andreas Gent. Für den Personalvorstand der Hanse Merkur gehört es zum Prinzip des Ehrbaren Kaufmannes, aber auch zur Unternehmensphilosophie, Regeln einzuhalten. Zu Verstößen kann es trotzdem immer wieder kommen. Gerade im Vertrieb lauern Gefahren.
Solvency II hat die Anforderungen an Compliance deutlich erhöht. Da geht es zum einen um die Einrichtung einer Compliance-Funktion (§ 29 Abs. 1 VAG) bei systematischer Organisation und fest definierten Aufgaben wie Überwachung, Beratung, Risikokontrolle und Frühwarnung.
Zum anderen kommt dem Berichtswesen und der Dokumentation eine besondere Rolle zu. Zudem ist ein Compliance-Plan aufzustellen, der alle Tätigkeiten der Compliance-Funktion beschreibt. Jedes Versicherungsunternehmen muss eine verantwortliche Person für die Schlüsselfunktion Compliance benennen, die objektiv, fair und unabhängig agieren muss. Sie ist direkt einem Vorstandsmitglied unterstellt.
Die Hanse Merkur ihrerseits richtet sich nach dem Maßstab Kundeninteresse vor Provisionsinteresse. "Dieser Anspruch ergebe sich schon aus dem IDD-Umsetzungsgesetz, das besondere Anforderungen an die Beratung von Kunden stellt, insbesondere bei Versicherungs-Anlageprodukten", erklärt Gent.
Bei vertrieblichen Partnerschaften gehöre es dazu, dass die Vergütung das Handeln im bestmöglichen Interesse des Kunden nicht beeinflussen darf. Heißt: die Vergütung darf keine Anreize schaffen, einem Kunden ein bestimmtes Versicherungsprodukt zu empfehlen, obwohl ein anderes, den Bedürfnissen des Kunden besser entsprechendes, angeboten werden könnte.

Compliance-Struktur kein Nachteil im Wettbewerb

Dass Compliance ein Hemmnis für die Wettbewerbsfähigkeit ist, bezweifelt der Personalvorstand. Schließlich unterliegen alle Unternehmen den gleichen Anforderungen. „Einen Wettbewerbsnachteil kann ich nur bei kleinen Versicherern ausmachen, da die ständig steigenden Anforderungen an Regulatorik die betriebsinternen Kapazitäten zu sprengen drohen“, erklärt Gent. "Nein, wir beobachten als zweitgrößter deutscher Reiseversicherer bei unseren international tätigen Touristikpartnern, wo Compliance seit Jahren ein großes Thema ist, keine schädlichen Einflüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit."
Auch die Vermittlerqualifikation ist Bestandteil des Komplex Compliance. "Wir investieren systematisch und kontinuierlich in die Qualifikation und Weiterbildung unserer Vermittler, um einerseits den sich verändernden Kundenanforderungen und der immer komplexer werdenden Regulatorik und andererseits dem eigenen Anspruch an eine hohe kundenorientierte Beratungsqualität gerecht zu werden. Unsere Vermittler erhalten jährlich regelmäßige Weiterbildungen, die eine Aktualisierung des erforderlichen Wissens sowie Anforderungen an die Kundenberatung sicherstellen. Damit erfüllen wir die Weiterbildungsanforderungen, die seit Februar 2018 auch durch das IDD-Umsetzungsgesetz juristisch verankert sind", sagt Gent. (vwh/wo)
Den kompletten Beitrag lesen Sie in der Mai-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.
Bildquelle: Hanse Merkur
Hanse Merkur · Andreas Gent
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