Köpfe & Positionen

Affäre um Pierin Vincenz: Was wusste die Helvetia?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Affäre um den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Pierin Vincenz scheint Medienberichten zufolge weitere Kreise zu drehen. Im Fokus steht dabei nun auch die Helvetia selbst und die Frage, welche Rolle der Konzern bei den umstrittenen Geschäften gespielt haben soll. Derweil wurde Doris Russi Schurter zur Nachfolgerin von Vincenz gewählt.
Laut einem aktuellen Bericht des Finanzblogs Inside Paradeplatz sollen angeblich gemeinsame Privat-Beteiligungen von Vincenz und Helvetia-Spitzenleuten aufgetaucht worden sein. Im Fokus stehen dabei vor allem zwei Firmen, darunter Commtrain. Diese betrieb kleine Zahlstationen für den Kauf mittels Kreditkarte und wurde 2007 von Aduno gekauft - einem Unternehmen, an dem Vincenz beteiligt gewesen sein soll.
Davon profitiert haben soll dabei auch der ehemalige Helvetia-Manager Hermann Sutter, einst Chef der Nicht-Leben-Sparte der Helvetia Schweiz. Dabei soll Sutter laut Bericht durch den Verkauf von Commtrain über 400.000 Franken – und zwar privat - erhalten haben. Der Grund: Sutter war von 2002 bis 2007 Mitglied des Verwaltungsrates und soll zudem kurzzeitig im Präsidium gesessen haben.
Die Helvetia erklärt auf Anfrage von VWheute dazu: "Im erwähnten Blog-Beitrag wird ein privates Engagement von Herrn Sutter angesprochen, das schon mehr als zehn Jahre zurück liegt und unseres Wissens vor die Zeit fällt, da Commtrain verkauft wurde. Da dieses Engagement nichts mit Helvetia zu tun hatte, können wir dazu keine weitere Stellung nehmen."
Zudem gelte es generell "festzuhalten, dass Helvetia von der Untersuchung gegen Perin Vincenz nicht betroffen ist und die Untersuchung in keinem Zusammenhang mit Pierin Vincenz' Tätigkeit bei Helvetia steht. Es gibt bei Helvetia keine keinerlei Hinweise auf fehlbares Verhalten von Herrn Vincenz", betont ein Unternehmenssprecher.
Im zweiten Fall geht es laut Bericht um die Spezial-Druckfirma Typotron in St. Gallen, die unter anderem auch Prospekte und Flyer der Raiffeisen und der Helvetia gedruckt haben soll. Diese wurde im Jahr 2012 vom damaligen Firmengründer Rolf Stehle zum Preis von rund 500.00 Franken verkauft. Abgewickelt wurde der Deal über eine Finanzgesellschaft namens Fortuna Finance AG, heißt es weiter.
Besitzer dieser Firma sollen laut Beitrag neben Vincenz unter anderem auch der ehemalige Helvetia-Präsident Erich Walser gewesen sein, der zudem noch ein Darlehen von 400.000 Franken an die Fortuna Finance überwiesen haben soll.
Der Haken dabei: Offiziell soll niemand gewusst haben, wer hinter Fortuna Finance gestanden haben soll. Die Helvetia selbst erklärt dazu: "Ein rein privates Engagement von Herrn Walser an Typotron war Helvetia bekannt. Für solche Fälle kannte und kennt Helvetia klare Richtlinien zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Typotron ist einer von vielen Lieferanten von Helvetia. Aufträge an Lieferanten werden nach einem geordneten Ausschreibeprozess vergeben."
Vincenz selbst trat jedenfalls Ende 2017 mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Verwaltungsratspräsident des Schweizer Versicherers zurück. Seit einigen Wochen sitz er zudem wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung in Untersuchungshaft. Neben der Staatsanwaltschaft Zürich ermittelt Medienberichten zufolge nun auch die Staatsanwaltschaft im Fürstentum Liechtenstein gegen Vincenz.
Die Helvetia hat unterdessen die Position des Verwaltungsratspräsidenten nun auch offiziell neu besetzt. So wählten die Aktionäre auf der Generalversammlung am vergangenen Freitag Doris Russi Schurter zur neuen Präsidentin des Verwaltungsrates. Zudem wählten die Generalversammlung alle weiteren sieben kandidierenden Mitglieder des Verwaltungsrats für eine weitere Amtszeit. Patrik Gisel, Vorstandsvorsitzender von Raiffeisen, stand für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung. (vwh/td)
Bild: Pierin Vincenz (Quelle: Helvetia)
Helvetia Gruppe · Pierin Vincenz · Doris Russi Schurter
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