Schlaglicht

Generali: Es könnte einsam werden um Liverani

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Giovanni Liverani denkt gerne in Superlativen. Modern, einfach, smart und kundenorientiert soll das Versichern der Zukunft sein, wenn es um den Generali-Deutschland-Chef geht. Bislang verläuft der Weg allerdings recht holprig. Die Nervosität, ob die ambitionierten Pläne im wichtigen Markt Deutschland aufgehen, wird auch auf der heutigen Hauptversammlung in Triest zu spüren sein.
Der geplante Run-Off der Generali Leben – der für Liverani nach dessen eigener Aussage 2015 überhaupt noch kein Thema war – die im Vergleich zu anderen Wettbewerbern niedrige Verzinsung der Lebensversicherungsverträge, auffällige Vorstandsrochaden, Personalabbau und der Verkauf des gesamten Außendienstes an die Deutsche Vermögensberatung sorgen für überwiegend negative Schlagzeilen. Auch die Unruhe in der Belegschaft und deren Verunsicherung wird offensichtlich immer stärker.
Niemand weiß so genau, wohin der Weg führen wird und ob diesmal der Umbau auf festem Fundament steht. Blenden wir zurück. 2008 wurde mit großem Optimismus die Verschmelzung der Generali Gesellschaften mit denen der Volksfürsorge verkündet. Dadurch versprach sich der Konzern die Hebung von Synergien und den Abbau erheblicher Kostennachteile gegenüber vergleichbaren Wettbewerbern.
Der Vertrieb der Hamburger Volksfürsorge wurde in eine eigene Vertriebsgesellschaft gleichen Namens ausgegliedert. Dann schon nach wenigen Jahren wieder eine Rolle rückwärts. Nun wurde alles wieder neu verpackt und im Ressort Vertrieb mit dem 84-er Vertrieb der ehemaligen Generali-Gesellschaften zusammengefasst.

Visionär, der keine andere Meinung zulässt?

Der sogenannte Exklusivvertrieb war jetzt das Nonplusultra. Parallel dazu strukturierte Liverani ab 2015 den Konzern um, schaffte unter anderem Doppelfunktionen ab und verlegte den Sitz der Deutschland-Holding von Köln nach München. Er selbst sieht sich als Teamplayer und keineswegs als "Unternehmens-Rambo", wie er es in einem Interview formulierte. Wegbegleiter dagegen bewerten ihn als Visionär, der neben sich keine andere Meinung gelten lässt.
So soll unter anderem die Trennung von Finanzvorstand Torsten Utecht, der jetzt bei der Zurich das Ressort Finanzen führt, das Ergebnis unterschiedlicher Meinungen über die Einschätzung des Verkaufs des Vertriebs an die DVAG und anderer unternehmerischer Weichenstellungen gewesen sein. Für 2017 hat Liverani wieder einmal Rekordzahlen verkündet. Doch ob das allein für die Zukunft reichen wird und letztlich nur über andere teils hausgemachte Probleme hinwegtäuscht?
Ein Beispiel: Der Vertrieb ist ab Mitte des Jahres komplett in den Händen der DVAG. Damit liefert sich die Generali dem dann Vertriebs-Monopolisten aus, der das Vertriebsgeschäft für die Aachen Münchener betreibt, die künftig Generali heißen wird, ebenso wie für Central und Advocard. Das Makler-Lebengeschäft wird demgegenüber in der "kleinen aber feinen" Dialog gebündelt und durch die Dialog Sachversicherung ergänzt.
Die Cosmos pflegt das Direktgeschäft. Im Interesse der gesamten deutschen Versicherungswirtschaft ist Liverani für den Umbau seiner Gruppe Erfolg zu wünschen. Seit nunmehr rund zehn Jahren hört man immer wieder von Plänen, Umstrukturierungen und Kostensenkungs-Programmen.
Wann kommt der Großtanker Generali endlich mal wieder in ruhiges Fahrwasser? Für Liverani könnte es einsam am Steuer werden, wenn das Schiff auch nach dem x-ten Umbau und der Verwirklichung all seiner immer wieder mit Superlativen angepriesenen Pläne nicht so richtig Fahrt aufnehmen kann. Die Nervosität jedenfalls, ob das alles gelingt, ist bis ins beschauliche Triest zu spüren. (vwh)
Bildquelle: brs
Generali · Giovanni Liverani
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