16.04.2018Politik & Regulierung

Haben die Bonusprogramme der Kassen eine Zukunft?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Bonusprogramme gehören längst zum Standardprogramm der Krankenkassen, um neue Mitglieder zu werben und diese dauerhaft an sich zu binden. Dem Bundesversicherungsamt scheinen eben jene nun ein Dorn im Auge zu sein. Das vermeintliche Problem: es gebe zu viele Angebote "ohne echten Mehrwert", so die Kritik von Präsident Frank Plate.
"Satzungsleistungen, Wahltarife, Bonusprogramme, aber auch Selektivverträge führen zu häufig nicht zu der vom Gesetzgeber gewollten tatsächlichen Verbesserung der Versorgung", wird der Chef des Bundesversicherungsamtes in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) kritisiert. Sein Vorwurf: Dabei handele es sich lediglich um "scheinbare Leistungen, die immer wieder vor allem dazu genutzt, neue Mitglieder zu gewinnen oder aktuelle Mitglieder zu halten, ohne für sie einen echten Mehrwert zu schaffen".
Darüber hinaus stoßen auch die Wahltarife der Krankenkasse bei den Aufsehern auf Kritik. So hätten sich laut BVA eta 1,5 Millionen Versicherte für Wahltarife entschieden - sei es für Selbstbehalte, Kostenerstattung, Prämienzahlungen, Krankengeld oder besondere Therapieformen. Allerdings finanzierten sich diese Tarife entgegen der Vorgaben nicht von allein, sondern würden von der Versichertengemeinschaft subventioniert, kritisiert das Amt weiter. Dabei beliefen sich Kosten allein im Jahr 2016 auf rund 200 Mio. Euro.
Kritisch sehen die Experten des BVA schließlich die besonderen Versorgungsverträgen, die Kassen gegen ein zusätzliches Honorar mit Ärzten abschließen können. So hätten Prüfungen ergeben, dass viele Selektivverträge gesetzliche Vorgaben verletzen würden.
Kurzum: Viele Bonusprogramme hätten das Ziel, gesundheitsbewusstes Verhalten zu stärken, nicht erfüllt. Vielmehr würden diese "dazu genutzt, junge, gesunde sowie sportliche Versicherte anzusprechen und an die Krankenkasse zu binden". Daher gelte es, "über den Fortbestand der gesetzlichen Regelungen zur Entwicklung von Bonusprogrammen nachzudenken", konstatiert Plate weiter. (vwh/td)
Bildquelle: Tim Reckmann / PIXELIO (www.pixelio.de)
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