Schlaglicht

Darum übernimmt Thomas Brahm die Debeka

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kontinuität ist bei der Debeka ein hohes Gut. Daher kommt der neue Vorstandsvorsitzende erneut aus den eigenen Reihen. Zum 1. Juli 2018 wird Thomas Brahm (54) Uwe Laue (61) ablösen. Dieser wechselt in den Aufsichtsrat und wird den Vorsitz des Gremiums von Peter Greisler (81) übernehmen. Greisler, ebenfalls Ex-Vorstandsvorsitzender, hatte den Generationswechsel federführend eingeleitete. Brahm stehen schwierige Entscheidungen bevor.
Das größte Plus der Debeka ist ihre Unaufgeregtheit. Daher ist nicht zu erwarten, dass ein Kompetenzgeranagel zwischen dem alten und dem neuen Chef entstehen wird. "Herr Laue wird zwischen seiner Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzendem und seiner bisherigen Tätigkeit unterscheiden können", ist sich Gerd Benner, Leiter Unternehmenskommunikation, sicher. Langweilig dürfte Laue nicht werden, denn er bleibt Vorstandsvorsitzender des PKV-Verbandes. Das der Verband dafür seine Satzung ändern muss, bisher durfte nur ein Vorstand führen, ist eine Randnotiz.
Bei der Debeka findet ein "geplanter, im Dialog entstandener" Wechsel an der Spitze statt. Ungebräuchlich ist ein Konstrukt von Ex-Chef als oberster Aufseher in der Versicherungswelt nicht. Die Allianz mit dem Konstrukt von CEO Oliver Bäte und Michael Diekmann zeigt es.
Sicherlich kann Laue nach 16 Jahren an der Spitze seinem Nachfolger Brahm einige wertvolle Tipps mit auf den Weg geben. Das dieser sie benötigen wird, ist aber unwahrscheinlich, denn genau wie sein Vorgänger hat auch er seine Ausbildung als Versicherungskaufmann bei der Debeka absolviert und ist im Unternehmen groß geworden. Er kennt die Debeka in und auswendig, führte mehrere Geschäfts- und Landesgeschäftsstellen und war sowohl Prokurist der Debeka Lebensversicherung wie auch bei der Krankenversicherung. Das ist insoweit wichtig, als dass beim PKV-Primus ein Vorstandsvorsitzender ohne fundierte Krankenversicherungsskills schlicht unvorstellbar ist. Auch hier ist die Kontinuität ein prägendes Merkmal bei der Debeka.
Der Junge macht das Rennen
Über ein mehr als solides Wissen im Bereich Krankenversicherung verfügt auch Vorstand Roland Weber, der aktuell für die KV zuständig ist. Er ist allerdings auch acht Jahre älter als Brahm und daher für den angestrebten Generationswechsel nicht der richtige Mann. Brahm ist dagegen mit 54 Jahren jung genug, um dem Versicherer in den nächsten Jahren vorzustehen. Seine Aufgabe ist gewaltig.
Zwar steht die Debeka finanziell gut da und auch der Datenskandal scheint endgültig Vergangenheit zu sein, doch unterliegen die Koblenzer wie die gesamte Branche dem Digitalisierungsdruck. Bei allen Qualitäten der Debeka wie Sparsamkeit, Kontinuität und Geschick, durch sprudelnde Innovationskraft und schöpferische Energie wurden die Koblenzer selten auffällig. Eher wurde durch (sehr) gutes Handwerk überzeugt.
Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass gutes Handwerk ausreichen wird, um den längst angebrochenen Digititalwandel als Gewinner zu überdauern. Es wird nicht ausreichen, die Verwaltungskosten zu senken, gefragt sind Visionen, und zwar nicht nur jetzt, sondern in den kommenden Jahrzehnten.
Dafür benötigt man gutes IT- und digitalisierungsaffines Fachpersonal, das nicht auf Bäumen wächst. Hier schließt sich der Kreis zum bisherigen Personalvorstand Brahm. Er muss die Leute rekrutieren, die die Debeka in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren an die neuen Anforderungen des Marktes anpasst. Selbstverständlich bei gleichbleibendem wirtschaftlichen Erfolg und ohne Vernachlässigung der eigenen Kraftquellen wie PKV.
Einfach ist die Rekrutierung der young potentials nicht, denn die Branche ist bei dieser Gruppe nicht allzu angesehen und tiefe Taschen haben auch die Mitbewerber.

In die Zukunft - ohne Verluste

Zudem soll der Wandel ohne Personalabbau erfolgen, denn die Koblenzer wollen trotz des demografischen Wandels nicht nur den angestellten Außendienst zahlenmäßig beibehalten, sondern auch das Innendienst-Personal mittels Weiterbildungen digitalisierungsready machen. Ein Abbau von Stellen soll es ausdrücklich nicht geben.
Brahms sind diese Baustellen als oberster Personaler und Leiter der zentralen Dienste, u.a. Logistik, Einkauf, Post, nicht fremd. Es war bisher seine Aufgabe, im Unternehmen Prozesse zu vereinfachen und Menschen auf neue (digitale) Aufgaben vorzubereiten. Das soll er auch in seiner neuen Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender tun, nur in viel größerem Maßstab und bei wesentlich mehr Verantwortung. Seiner Wahl liegt also eine gewisse Logik zugrunde, die über sein Alter hinausgeht.
7,1 Millionen Kunden muss Brahm ab Juli zufriedenstellen, es sollen trotz schwieriger Bedingungen mehr, nicht weniger werden. Die Zahlen 2018 werden einen ersten Hinweis geben, wohin die Reise der Debeka unter neuer Führung gehen wird. (vwh/mv)
Bild: Thomas Brahm (Quelle: Debeka)
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