Schlaglicht

Spielerisch effizient: Versicherer unsicher, wofür KI gut ist

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Künstliche Intelligenz gilt als kritischer Erfolgsfaktor im Wettbewerb der Zukunft. Mit prognostizierten Gesamtausgaben von welt­weit 47 Mrd. US-Dollar bis 2020 wird die Technologie ein zentraler Treiber fü die Optimierung und Neugestaltung von Produkten und Prozessen sein. Vor allem in der Versicherungswirtschaft schlummert großes Marktpotenzial. Die Unternehmen wollen, trauen sich aber noch nicht richtig. Das soll sich bald ändern.
Ein Blick auf die Welt von heute zeigt, welche Vorteile der Einfluss von KI für Unternehmen, ganze Branchen und den Menschen selbst bereits hat. Das Internetunternehmen Google konn­te seinen Energieverbrauch in den eigenen Rechenzentren um 15 Prozent reduzieren, indem die eigene Deepmind KI-Technologie zur Vorhersage der eingehenden Rechenlast und zur Anpassung der Stromverbrauchsmuster eingesetzt wurde.
In der Finanzindustrie überlässt der weltweit größte Vermögensverwalter Black Rock den größeren Anteil sei­ner 5,1 Billionen Dollar schweren Vermögenswerte einem computergesteuerten Verwalter anstatt menschlichen Port­foliomanagern. Der Automobilhersteller Tesla hat mit einer neuen KI-Funktion einen Rückgang von Verkehrsunfällen, in denen die eigenen Modelle involviert waren um 40 Pro­zent erreicht. Mit einem vergleichsweise geringen Anteil von 1,33 Prozent an Versicherungsunternehmen, die in KI investieren, liegt die Versicherungsbranche jedoch weit hinter anderen Bereichen wie beispielsweise dem Software- und Internetbereich (32 Prozent).
Die Tatsache, dass KI aufbauend auf Daten menschliches Handeln erlernen und nachahmen kann sowie Erkenntnisse hervorbringt, die vorher nicht sichtbar waren, macht sie zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Versicherer, die in die digitale Zukunft vorstoßen wollen.
Insbesondere die Identifizierung von realistischen und wertschöpfenden Anwendungsfällen für KI ist vor dem An­gesicht der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten eine der wich­tigsten Aufgaben für Führungskräfte. Dennoch sind sich fast 40 Prozent aller Versicherer, die noch nicht in KI investiert ha­ben, unsicher, wofür die Technologie konkret in ihrem Unter­nehmen eingesetzt werden kann. Wer sich für KI interessiert, muss sich mit dem aktuellen Stand der Technik vertraut ma­chen.

Intelligenz in Tiefe und Breite eine Frage der Zeit

Die Technologie ist nach wie vor nur in der Lage, sehr fokussierte, klar definierte Aufgaben innerhalb eines Anwen­dungsbereiches zu erfüllen. In einer bestimmten Aufgabe ar­beitet eine KI-Anwendung jedoch vergleichbar oder deutlich besser als jeder Mensch. Dieser aktuelle Zustand der künstli­chen Intelligenz wird als schwache KI („Artificial Narrow In­telligence, ANI“) bezeichnet. Grundsätzlich baut schwache KI auf den Erkenntnissen des maschinellen Lernens (ML) auf.
Wired eine KI mit immer mehr Daten trainiert, so ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis deren Intelligenz in Tiefe und Breite der eines Menschen entspricht. Diese Form bezeichnen Experten als starke KI. Der entscheidende Unter­schied zum menschlichen kognitiven Potenzial besteht in der Fähigkeit, sich darüber hinaus auszubreiten.
Das menschli­che Gehirn ist durch seine Form und Größe beschränkt, ein Computer kann allerdings beliebig erweitert werden. For­scher bezeichnen eine KI, die der Intelligenz des Menschen um Weiten überlegen ist als künstliche Superintelligenz. So­wohl Superintelligenz als auch starke KI sind jedoch noch weit von der heutigen Realität entfernt, werden aber von verschiedensten Vertretern der Forschung in diesem Jahrhun­dert erwartet.
Zu einer der ausgereiftesten Anwendungen der KI in der Versicherungsbranche gehört die Automatisierung von Scha­denabwicklungsprozessen. Moderne KI-Anwendungen sind in der Lage, die Inhalte von erhaltenen Schadensforderungen besser zu erkennen, intelligenter zu priorisieren und die Kun­denzufriedenheit zu steigern, indem sie die Reaktionszeit er­heblich verkürzen.
Weitere derzeit beliebte KI-Anwendungen zur Effizienzsteigerung sind Self-Service-Lösungen für den Kunden, allen voran Chatbots, wie eine Vielzahl bestehender Fallstudien von Versicherungen wie Axa, Manulife oder PNB Metlife zeigt. KI-Anwendungen, die auf die Identifikation bisher unbekannter Ergebnisse abzielen, sind in der Versi­cherungsbranche noch selten. Die Nutzung von KI in diesem Wertschöpfungsbereich ist aus technologischer Sicht schwie­riger zu realisieren und erfordert eine größere Menge an Training und Entwicklung von KI-Modellen.
Im Zusammenhang mit neuen Erkenntnissen durch KI können deutliche Umsatzsteigerungen erreicht werden. Der kognitive Assistent UA Record des Sportartikelherstellers Un­der Armour kann als Maßstab dienen, wie KI für den Zugang zu neuen Gewinnmodellen nutzbar ist: Er dient als persön­licher Gesundheitsberater, Fitnesstrainer und Assistent, der Trainingsdaten von mehreren Geräten sammelt und nicht nur Kunden mit adäquaten Trainingsempfehlungen unterstützt, sondern auch neue Zusammenhänge zwischen Datenpunk­ten aufdeckt (z.B. Wetter und Trainingsverhalten).
Hierdurch kann der Assistent neue Trainingsmethoden und -Ansätze für Kunden formulieren. Versicherer können noch einen Schritt weitergehen, indem sie die KI nutzen, um noch unbekannte Risiken in allen Lebensbereichen zu vermeiden: Gesundheit, Transport, Haushalt, Finanzen und mehr – basierend auf dem Zugriff auf bereits vorhandene Unternehmensdaten (z.B., Kundenprofile, Schadensmeldungen), öffentliche Daten (z.B. Bevölkerungsstatistiken, Geographische Statistiken, Finanz­daten), Kundendaten (z.B. Standortverfolgung, Wearable Daten, Bilder) und Daten Dritter (z.B. Facebook, Instagram).
Versicherer werden sich dann nicht mehr auf die Erstattung des eingetretenen Risikos beschränken, sondern Schäden von vornherein verhindern können.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Autor: Nikolay Kolev, Partner Deloitte Digital
Bildquelle: Google
Black Rock · künstliche Intelligenz