Köpfe & Positionen

Laue erntet Kritik für Aussagen zur bAV

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Reform der betrieblichen Altersvorsorge sorgt beinahe schon für Jubelarien bei Versicherern. Für Debeka-Vorstandschef Uwe Laue ist diese "eine bedeutende Errungenschaft der alten Bundesregierung", mit der "dringende Antworten auf die Altersarmut in Deutschland" geliefert werden. Bei den Netz-Usern lassen kritische Stimmen nicht lange auf sich warten.
"Die Reform leitet einen Paradigmenwechsel in der staatlich geförderten Altersvorsorge ein: Ab sofort können Rentengarantien entfallen; Arbeitgeber müssen nicht mehr für die Höhe der Altersbezüge einstehen und haben es somit deutlich leichter, ihren Belegschaften eine bAV anzubieten", schreibt Laue in einem Beitrag für das Xing-Format Klartext.
So könnten die Versicherer durch den Garantiewegfall "einen größeren Teil der Beiträge in Anlagen investieren, die höhere Gewinne versprechen, wie beispielsweise in Aktien. Beschäftigte haben deshalb Aussicht auf attraktivere Betriebsrenten im Alter. Natürlich gibt es dennoch Sicherheitsmechanismen, deren Grad die Tarifpartner festlegen können", konstatiert der Debeka-Chef.
"Ob das Gesetz seinen Zweck wirklich erfüllen wird, hängt daher von der Qualität der Angebote ebenso ab wie von der Klarheit der Kommunikation in Richtung Mitarbeiter", ergänzt Laue. So bedürfe es "überzeugender Botschaften, um die Beschäftigten mitzunehmen. Hier liegt der Knackpunkt. Versicherer, Arbeitgeber und Gewerkschaften sind gefragt. Gemeinsam müssen sie alles daransetzen, dass mehr Menschen vorsorgen".
Die Reaktionen der Leser auf Laues Ausführungen klingen jedenfalls wenig positiv. Mangelnder Realitätssinn, lautet dabei nur ein Vorwurf. Zudem könne die Masse der Menschen "durch diese Sparform niemals eine positive Rendite erzielen. Die Versicherungswirtschaft aber natürlich schon", lautet ein weiterer Kritikpunkt.
Ein User fragt sich, wovon Geringverdiener überhaupt vorsorgen sollen. "Ich kann Herrn Laue nur mal empfehlen von einem Familieneinkommen von unter 2.000 Euro Wohnung, vierköpfige Familie und Nebenkosten zu finanzieren. Da ist ja wirklich noch genug Spielraum um Vorsorge zu treffen. Auf welchem Roß sitzt der Mann!"

"Risiko trägt allein der Arbeitnehmer"

Für Gerd Bosbach, Professor für Statistik, Wirtschafts- und Sozialforschung an der HS Koblenz, scheinen die Profiteure des Betriebsrentenstärkungsgesetzes bereits jetzt festzustehen: nämlich "die Arbeitgeber und die Versicherer, die ohne die Aussicht auf Gewinne die Verträge nicht anbieten würden".
Zudem werde "der gesetzlichen Rentenkasse Geld entzogen und mit den Versicherern ein weiterer Mitspieler dazwischengeschaltet, dessen Arbeit und Gewinne bezahlt werden müssen. Das soll angeblich durch riskantere Anlagestrategien ausgeglichen werden, von denen aber heute niemand sagen kann, ob sie die gewünschten Renditen auch liefern werden", schreibt er bei Klartext.
Das Risiko trage "am Ende der Arbeitnehmer. Arbeitgeber und Versicherungswirtschaft bekommen ihr Geld schon ab dem ersten eingezahlten Beitrag", kritisiert der Wissenschaftler. (vwh/td)
Bild: Uwe Laue (Quelle: PKV)
Betriebsrente · Uwe Laue
Auch interessant
Zurück
02.05.2019VWheute
"Der Perso­nalabrieb gerade bei Stan­dard­auf­gaben im Innen­dienst wird weiter­gehen" Die Versicherungsbranche befindet sich im digitalen Wandel. …
"Der Perso­nalabrieb gerade bei Stan­dard­auf­gaben im Innen­dienst wird weiter­gehen"
Die Versicherungsbranche befindet sich im digitalen Wandel. Doch wie wirkt sich dieser auf die Mitarbeiter eines Unternehmens aus? "Der Personalabrieb gerade bei Standardaufgaben im Innendienst…
25.04.2019VWheute
"Ein gutes Gehalt ist die Basis" In Deutschland sind die Einkommensunterschiede zwischen den Regionen weiterhin sehr hoch. Dabei verdienen …
"Ein gutes Gehalt ist die Basis"
In Deutschland sind die Einkommensunterschiede zwischen den Regionen weiterhin sehr hoch. Dabei verdienen vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in der Versicherungsbranche verdienen überdurchschnittlich gut. Welche Rolle das Gehalt bei der …
04.04.2019VWheute
"Verbrau­cher­schutz nicht zum Nach­teil von Verbrau­chern" Während der Tagung des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft konnte VWheute mit …
"Verbrau­cher­schutz nicht zum Nach­teil von Verbrau­chern"
Während der Tagung des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft konnte VWheute mit Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandsprecher der Huk Coburg sprechen. Themen waren unter anderem Regulierung, Vermittler und DIN-Normen.
03.04.2019VWheute
Garan­tie­lose Betriebs­rente für Arbeit­nehmer nur bedingt inter­es­sant Die bAV ist eine komplizierte Angelegenheit. Garantien, Beitragsrückgewähr, …
Garan­tie­lose Betriebs­rente für Arbeit­nehmer nur bedingt inter­es­sant
Die bAV ist eine komplizierte Angelegenheit. Garantien, Beitragsrückgewähr, Zuschuss vom Arbeitgeber, kein Zuschuss, es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt. Was die Arbeitnehmer wollen und was sie bei …
Weiter