Schlaglicht

Kritik an Lebensversicherern ist fast immer falsch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Je lauter die Kritik, desto größer der Beifall. Verbalinjurien werden dabei toleriert, sogar goutiert. In sachlicher Hinsicht ist die Kritik an den Rentenprodukten der Versicherer vielfältig, aber fast immer pauschal und falsch. Eine Replik von Franz-Josef Rosemeyer, Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung.
Bezeichnenderweise werden die Begriffe Lebensversicherung und Rentenversicherung jedoch nicht differenziert, obwohl es produktseitig erhebliche Unterschiede gibt. Nun mag man Verständnis für das Enttäuschungspotenzial von Versicherungsnehmern haben, wenn die tatsächliche Ablaufleistung ihres Vertrages erheblich von den (unter gewissen Annahmen) prognostizierten Werten abweicht.
Objektiv gerechtfertigt ist diese Enttäuschung möglicherweise aber nicht, denn der Garantiewert wurde jedem Versicherten von Anfang an mitgeteilt. Auch dieser Garantiewert enthielt in der Vergangenheit, je nach Abschlusszeitpunkt, schon eine interessante Verzinsung. Die nicht garantierten Überschüsse wurden als solche auch gekennzeichnet, und zwar nicht im Kleingedruckten.
Auch die Kritik an mangelnden Hinweisen seitens der Versicherer auf die sich reduzierenden Prognosewerte ist objektiv nur schwer nachvollziehbar, wenn auch subjektiv nur zu verständlich. Mir ist kein Versicherer bekannt, der nicht darauf verweist, dass die anhaltende Niedrigzinspolitik zur Reduktion der Ablaufleistung führt.

ETF´S PERFORMEN GUT, ABER GEBEN KEINE GARANTIEN

Kommen wir zum nächsten Vorwurf, „Versicherungen verzinsen sich schlecht“: Interessanterweise richtet sich die öffentliche Kritik und der Volkszorn nicht gegen die Politik oder die EZB als Verursacher dieses künstlich erzeugten Niedrigzinsszenarios. Auch wird kein Vergleich gezogen zu alternativen, risikovergleichbaren Anlageformen. 10-jährige Bundesanleihen hatten zwischenzeitlich eine Negativverzinsung und bewegen sich aktuell bei ca. 0,6 Prozent p.a. Von Schelte gegenüber dem Emittenten keine Spur.
Aktien als Geldanlage steht bei diversen fondsbasierten Versicherugsprodukten zur Auswahl. Hier wird den Versicherern aber vorgeworfen, viel zu teuer zu sein. Besonders beliebt ist dabei der Vergleich mit Anlagen in ETF´s. Tatsächlich ist die Anlage in ETF´s in der Regel deutlich kostengünstiger als in anderen Fonds, zumal wenn es sich um sogenannte gemanagte Fonds handelt. Es stellt sich allerdings die Frage, welchen Index ich zur Grundlage meines ETF mache. Ist es eher einer der deutschen Indizes wie DAX, M-DAX, S-DAX oder TEC-DAX? Solange ich diese Entscheidung treffen kann, ist alles in Ordnung. Aber wer kann das in Deutschland? Nur ca. sieben Prozent der Deutschen halten Aktien-
Direktinvestments. Wenn 93 Prozent der Deutschen nicht in Aktien investieren, trifft es dann den vorherrschenden Bedarf, wenn man direkte ETF-Anlagen empfiehlt? Wohl eher nicht.
Wenn man bedenkt, dass alle oben beschriebenen Anlageformen im Rahmen von Versicherungsprodukten erhältlich sind, also von der ETF-Anlage bis zum gemanagten Fonds, dann ist nicht in erster Linie die Versicherung zu teuer, sondern der dahinter liegende Betreuungsaufwand bestimmt den Preis. Dabei ist eine ETF-basierte Rentenversicherung ohne Garantie deutlich kostengünstiger, als eine gemanagte fondsbasierte Versicherung mit eingebauten Beitragsgarantien. Diese Beitragsgarantien, in welcher Höhe auch immer, können nur im Rahmen von Versicherungslösungen vereinbart werden. Kein Fonds gibt eine Garantie auf Mindestrückzahlung eines Teils oder der kompletten Summe der eingezahlten Sparbeiträge.
LEBENSLANGE RENTENLEISTUNG NUR ALS VERSICHERUNGLÖSUNG
Insgesamt scheint die Auswahl des passenden Produktes damit nicht ganz trivial zu sein, womit wir beim Thema Beratung sind. Die regulatorischen Anforderungen werden im Jahr 2018 nicht einfacher. Mit MIFID II, IDD, und den noch zu verabschiedenden Finanzanlagevermittlungs- und Versicherungsvermittlungsverordnungen kommen zusätzliche Herausforderungen sowohl auf Produktgeber, Vermittler als auch auf Kunden zu. Sie vereinfachen den Beratungs- und Vermittlungsprozess sicher nicht und sie machen ihn sicher auch nicht preiswerter. Sie sollen aber für mehr Aufklärung und Transparenz auf Kundenebene sorgen. Jedem Politiker sei angeraten, sich auf Basis der aktuellen Grundlagen in eine Anlageberatung zu begeben.
Wenn davon auszugehen ist, und jetzt komme ich auf das oben erwähnte Enttäuschungspotenzial von Versicherungskunden zurück, dass bereits die meisten oben beschriebenen Jahresmitteilungen "vor Kenntnisnahme" abgeheftet wurden, mag jeder sich selber vorstellen, was mit dem neuen "Wust" an Unterlagen passieren wird.
Nun ist aus den vorstehenden Ausführungen unschwer zu erkennen, dass der Verfasser eine gewisse Sympathie für die Altersvorsorge in Versicherungslösungen hegt. Hierfür gibt es stichhaltige Argumente:
  • Sämtliche beschriebenen Anlageinstrumente sind in Form von Versicherungslösungen erhältlich.
  • Bei ertragsorientierten Anlageformen können wie auch immer geartete Garantien nur über Versicherungslösungen gewährleistet werden.
  • Die steuerliche Behandlung von Erträgen bietet bei der Kapitalbildung erhebliche Vorteile, insbesondere dann, wenn anschließend keine Kapitalauszahlung, sondern eine lebenslange Rentenleistung gewünscht ist.
  • Diese lebenslange Rentenleistung lässt sich nur in Form einer Versicherungslösung garantieren
Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der aktuellen April-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bild: Franz-Josef Rosemeyer, Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung (A.S.I.)
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