Köpfe & Positionen

Herwig: "Element ist Lösungsanbieter, nicht Mitbewerber"

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"Element ist die digitale Evolution in der Welt der Versicherung." An Selbstvertrauen mangelt es dem Berliner Digitalversicherer offensichtlich nicht. Doch wie sieht es mit den Skills aus – VWheute hat mit Sascha Herwig, Vorstand bei Element, über Absicherung, Digitalität. Empathie und vieles mehr gesprochen. Das Insurtech will Partner der Versicherer, nicht Konkurrent sein. Geht das?
VWheute: Element will als erster rein digitaler Schadenversicherer mit Bafin-Lizenz an den Markt gehen. Was wollen Sie anders machen als die klassischen Versicherer?
Sascha Herwig: Die Kundenbedürfnisse haben sich verändert und die Branche ist im Aufbruch. Innovative und individualisierte Konzepte werden wichtiger. Element ist der erste digitale Schaden-/Unfallversicherer mit Bafin-Lizenz. Mit unserem B2B-Geschäftsmodell bieten wir innovative Versicherungsprodukte – komplett digital.
In der Automobilindustrie sind Zulieferer in der Produktionskette nicht mehr wegzudenken. Element arbeitet als B2B-Anbieter ebenfalls im Hintergrund. Unsere Partner sind traditionelle Erstversicherer, Online-Händler, Versicherungsmakler und Insurtechs. Wir bieten Whitelabel- Lösungen, sodass unsere Partner ihre Produkte, oder die von uns bedarfsgerecht entwickelten Produkte in wenigen Wochen digital am Markt haben. Dabei verstehen wir uns nicht als "Mitbewerber", sondern als Lösungsanbieter. Wir haben Element so aufgebaut, dass wir unseren Partnern genau solche Lösungen bereits heute anbieten können (IoT-Deckungen, Item-Versicherungen usw.) – und das mit einer sehr schnellen Integration und komplett modular. Produkte können frei "komponiert" und durch offene Schnittstellen sehr schnell integriert werden. So können wir kundenorientierte Versicherungsprodukte nicht nur auf Basis klassischer EDV-Strukturen zur Verfügung stellen, sondern auch auf Basis von Use-Cases. Die klassischen Sparten bieten wir zudem natürlich auch an.
Wir begleiten unsere Partner nicht nur mit einer auf sie zugeschnittenen Technologie, sondern bei Bedarf auch über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – einschließlich Regulatorik, Kalkulation/Aktuariat und Bedingungsentwicklung.
Wir machen es deshalb nicht einfach nur anders, als die klassischen Versicherer, sondern gemeinsam mit ihnen besser.
VWheute: Sie vertreten die Ansicht, dass auch "traditionelle Prozesse" zumindest manchmal unabdingbar sind. Kurz gefragt: Warum trifft dies auch auf einen digitalen Versicherer zu?
Sascha Herwig: Der Endkunde soll es möglichst einfach haben. Versicherungen sind bekanntlich keine Produkte, die ein Kunde gerne "shoppt". Unser Stichwort: Convenience. Wer zum Beispiel bei Amazon schnell und unkompliziert online kauft, erwartet die gleiche Abwicklung auch von anderen Produkten. Deshalb gilt auch für Versicherungen: einfache und schnelle Umsetzung, unkomplizierte Schadensabwicklung, Schnelligkeit und auf den Kunden zugeschnittene Produkte. Bei Element ist der Schadenprozess zum größten Teil digital, bei einem Teil der Produkte sogar hundertprozentig automatisiert, genau wie Antrags- und Vertragsprozesse.
In bestimmten Fällen wollen Kunden einen telefonischen Ansprechpartner – besonders bei existenziellen Schäden. Nehmen Sie als Beispiel die Hochwasserschäden 2013, die ich als Bereichsleiter damals selbst reguliert habe. Für solche Fälle sind "traditionelle Prozesse" nach wie vor wichtig. Auch ein Einbruch-, Brand- oder Leitungswasserschaden bringt Kunden in kritische Situationen. Für diese Fälle haben wir eine 24-Stunden-Schadenhotline eingerichtet, die Roland Assistance als erstklassiger Partner für uns betreibt. Denn gerade in Krisensituationen brauchen Kunden einen empathischen und verständnisvollen Ansprechpartner, an den sie sich telefonisch wenden können.
VWheute: Ihr Vorstandskollege Wolff Graulich sagte unlängst: "Mit unserer Plattform sind wir Produktlieferant für Unternehmen, die das Ziel haben, ihren Kunden das Leben mit Versicherungen leichter zu machen." Definieren Sie dies doch bitte genauer.
Sascha Herwig: In der Vergangenheit war es nahezu unmöglich im Kaufprozess, beispielsweise eines Konsumgutes, eine Versicherung mit abzuschließen. Gescheitert war dies einerseits an den regulatorischen, auf der anderen Seite an den technischen Herausforderungen.
Element hat sich darauf spezialisiert, moderne und endkundenorientierte Versicherungsprodukte für Partner mit oder ohne Versicherungslizenz herzustellen. Das bietet den Partnern die Möglichkeit, nachhaltig Zusatzumsätze zu generieren und die Kundenbindung zu erhöhen. Der moderne Kunde möchte einfache und simple Produkte mit digitalem Handling. Dazu möchte er dann kaufen, wenn er eine Versicherung braucht. (vwh)
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel
Bild: Sascha Herwig (Quelle: Element)
 
Digitalisierung · Schadenbearbeitung · Element · Sascha Herwig
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