Köpfe & Positionen

Botermann befürchtet keinen Großschaden im PKV-Treuhänderstreit

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Alte Leipziger ist ein ruhiger Vertreter der Versicherungsbranche. Unaufgeregt ziehen die Oberurseler ihre Bahnen. Dennoch wollen der amtierende Vorstandsvorsitzende, Walter Botermann, und sein Nachfolger, Christoph Bohn, einen Wandel in der Krankenversicherung. Bei der Lebensversicherung setzen sie dagegen auf Kontinuität.
Die Alte Leipziger will sich in der Krankenversicherung "vom reinen Kostenerstatter" zum "Gesundheitspartner" wandeln. Dafür plant der Konzern eine "Mischung aus Digitalisierungsaktivitäten, organisatorischen Themen und Serviceideen". Das Ziel ist es laut Bohn, den "Kunden mehr in den Mittelpunkt zu stellen".Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärte Bohn weiterhin, dass die Branche im Bereich Krankenversicherung näher zusammenrücke. Es würden Plattformen gebaut, auf denen unterschiedlichste Services angeboten werden können. Dabei sei es egal, "ob die Angebote von uns sind oder von Dritten kommen".
Zum neuen Schreckgespenst der PKV-Branche, Rechtsanwalt Knut Pilz, äußerte sich Botermann abwartend. Der Anwalt hatte erfolgreich gegen mehrere Beitragserhöhungen von PKV-Versicherern geklagt, vor allem wegen nicht-unabhängigkeit des eingesetzten Treuhänders. Das letzte Wort hat jetzt der BGH. Botermann wiegelt die Bedeutung des Urteils ab: "Im Kern geht es um die Frage, welche Aufgaben der Treuhänder hat und wie die Erhöhung begründet wurde." Einen milliardenschweren Schaden befürchtet er nicht: "Die Hoffnung, für die Mandanten einige Hundert oder Tausend Euro zu erstreiten, trügt meiner Meinung nach, da spätestens bei der nächsten Beitragsüberprüfung dies wieder ausgeglichen werden muss."
Respekt hat Botermann vor Unternehmensgiganten wie Amazon. Gemeinsam mit Warren Buffett und JP Morgan will der Online-Händler ein eigenes Unternehmen gründen, um die Gesundheitskosten für ihre rund 1,1 Millionen Beschäftigen zu senken. Diese Entscheidung können laut Botermann zu einer "disruptiven Erweiterung des Geschäftsmodells führen." Er sieht das Engagement der Unternehmen nicht als Konkurrenz, sondern als hervorragende Ergänzung des bisherigen Geschäftsmodells.
Glaube an die Lebensversicherung
Kein Gespräch mit Versicherern ohne Run-Off. Die LV-verkaufenden Mitbewerber kritisierte Bohn leise, aber deutlich: " Das Handeln Einzelner ist für die Versicherungsbranche nicht unbedingt von Vorteil. Für die Alte Leipziger ist ein Run-Off dagegen kein Thema: "Wir bekennen uns zu unseren Garantien und Zusagen." (vwh/mv)
Bild: Walter Botermann (Quelle: lie)
PKV · Run-off · Alte Leipziger · Walter Botermann · Christoph Bohn
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