Märkte & Vertrieb

Ärger für Verbraucherschützer: Afa beantragt einstweilige Verfügung

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Verbraucherschützer sind bei Vorwürfen selten zimperlich, doch jetzt droht Ärger. Die Kundenverteidiger hatten Prisma Life und dem Vertrieb AFA AG vorgeworfen, dass sie Kunden "unangemessen hohe Abschlusshonorare" und nachteilige Vergütungsvereinbarungen aufbürden würde. Prisma Life widersprach heftig, die Afa nimmt den Kampf ebenfalls an und reagiert jetzt juristisch.
Das Verbraucherschützer den Markt überwachen und einschreiten, wenn Verbraucher benachteiligt werden, ist ein Teil des Geschäftes und allgemein akzeptiert. Schwierig wird es, wenn sich der Vorwurf nicht halten lässt oder (ungeschriebene) Regeln gebrochen werden. Eine objektive Berichterstattung ist für den Kritisierten wichtig, damit er nicht ungerechtfertigt einen Imageschaden erleidet. Für die Verbraucherschützer ist eine sachliche Darlegung mindestens ebenso elementar, denn Vertrauen und Objektivität sind ihr wichtigstes Kapital.
Die Fairness gebietet es also, den Kritisierten seine Sicht darlegen zu lassen. Das ist nach Ansicht von Martin Ruske, Vorstand der AFA AG nicht geschehen: "Besonders unverständlich ist es, dass sowohl die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. wie auch die Verbraucherzentrale Hamburg e.V. diese Behauptungen und Mitteilungen veröffentlichten, ohne jemals vorher der AFA AG die Möglichkeit einer Stellungnahme und/oder Richtigstellung der falschen Behauptungen eingeräumt zu haben." Das sei eine drastische Verletzung der "gerade für die Verbraucherschützer gebotenen Neutralitätspflichten".
Die Vorwürfe der Verbraucherschützer weist Ruske, wie zuvor die Prisma Life, entschieden von sich. Dass die AFA für die Vermittlung von Prisma Life-Verträgen Abschlusskosten von "bis zu sieben Prozent“ erheben würde, sei "schlichtweg falsch". Der Prozentsatz der Abschlusshonorare richte "sich nach mehreren Faktoren und Ausgestaltungen" des Vertrages und liege "zum Teil bei unter zwei Prozent". Darüber hinaus wären kostenfreie Zuzahlungen und Dynamiken Bestandteil des Paketes.
Die Abschlusskosten seien weder "teuer", noch "unangemessen hoch" oder würden "weit über den gängigen Provisionen und Honoraren" liegen, fasst Ruske zusammen. Weiterhin hätten die Verbraucherschützer nicht berichtet, dass die kritisieren Vergütungsvereinbarungen Regelungen vorsehen, die die Kunden bei Arbeitslosigkeit und weiteren Härtefällen von der Zahlung der Provision befreien würde.
Jetzt geht es wohl vor den Richter
Die gegen die Afa erhobenen Beschuldigungen seien daher "nicht zutreffend", es handelt sich dabei um "unwahre Tatsachenbehauptungen". Die Afa habe die Verbraucherschützer aufgefordert, die "Falschmeldungen zu unterlassen oder richtigzustellen". Nachdem keine Reaktion erfolgte, beantragte die AFA "den Erlass einer einstweiligen Verfügung auf Unterlassung der weiteren Veröffentlichung bzw. Verbreitung der unwahren Behauptungen". Dies erfolgte am 29.03.2018 gegen die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. und am 03.04.2018 gegen die Verbraucherzentrale Hamburg e.V. Bis Redaktionsschluss lag noch keine Entscheidung des Gerichts vor.
Der alte Kampf
In welcher Höhe die Afa Gebühren für die Vermittlung der Nettopolicen von Prisma Life erhob, wird sich wohl erst vor Gericht klären lassen. Die Afa spricht davon, dass sie keine zu hohen Prämien erhoben habe, die Verbraucherschützer halten dagegen, dass ihnen "zahlreiche Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern aus zwölf Bundesländern" vorliegen würden.
Ein neuer Kampf zwischen Versicherer/Vertrieb gegen Verbraucherschützer steht bevor. Ein Erfolg wird es für keine der beiden Parteien geben. Die Meldungen gegen Prisma Life und die Afa sind in der Welt, eine Gegendarstellung würde den Schaden maximal begrenzen, wenn sie von Medien und Verbrauchern überhaupt zur Kenntnis genommen würde.
Eine erfolgreiche einstwillige Verfügung würde den Ruf der Verbraucherschützer beschädigen und den Vorwürfen der Branche Vorschub leisten, dass die Kundenverteidiger mitunter mit unsauberen Methoden kämpfen.
Wie aktuell dieses Problem ist, zeigen GDV-Präsident Wolfgang Weiler und Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband, in der aktuellen Versicherungswirtschaft.
Die Fachzeitschrift hat sich ausführlich dem Kampf zwischen Branche und Marktwächtern gewidme. Mehrere Autoren gehen der Frage nach, warum sich Versicherer so schwer damit tun, den Vorwürfen von Verbraucherschützern zu begegnen.
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Bild: Kampf (Quelle: Dieter Schütz / www.pixelio.de / Pixelio)
Prisma.Life · Verbraucherschützer · vzbv · Afa AG
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