Politik & Regulierung

Falschberatung: Anleger bekommt 2,7 Mio. von Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Fall ist wegen seiner Dimensionen außergewöhnlich (teuer). Ein Badener hat einen Rechtsstreit gegen die La Mondiale Europartner wegen Falschberatung gewonnen. Das Finanzkonstrukt des Versicherers ist für die Anlagesumme sensationell einseitig, daran scheiterte der Finanzkonzern allerdings nicht, vielmehr mangelte es kräftig am Handwerkszeug.
Der Geprellte wurde weder darüber aufgeklärt, in was er genau investierte, noch enthielt der Vertrag eine ordnungsgemäße Widerspruchsbelehrung. Die Niederlage vor Gericht dürfte für den Versicherer daher eigentlich nicht überraschend gekommen sein, dennoch kämpfte La Mondiale Europartner jahrelang gegen das Urteil. Überraschend ist allerdings das Konstrukt und die, nennen wir es, Gutgläubigkeit des Geschädigten, die schließlich vor das OLG Karlsruhe und schließlich fast vor das BGH führte.
Der Geschädigte hatte Immobilien verkauft und dafür zwei Mio. Euro bekommen. Ein Berater riet ihm im Jahr 2007, das Geld in eine "risikolose" fondsgebundene Lebensversicherung einzubezahlen. Das Geld wäre sicher, die zu erwartenden Gewinne könne er einstreichen. Damit aber nicht genug, beide Parteien wollten mehr. Der beratende Makler schlug vor, den Sparbetrag der LV mittels eines günstigen Kreditvertrages noch zu erhöhen. Als Sicherheit akzeptierte die Schweizer Bank die Police. Insgesamt wurde die Summe von 6,5 Mio. Euro investiert, davon 3,8 Mio. Euro geliehenes Geld.

Das Einmaleins des Versicherungsrecht

Es kam wie es kommen musste, das als Alterssicherung gedachte Geld fiel der Finanzkrise zum Opfer. Die Schweizer Bank akzeptierte die Police als Sicherheit nicht mehr, der Geschädigte musste die Lebensversicherung kündigen und verlor 1,8 Mio. Euro. Die Versicherung war fein raus, hatte sie doch laut Badische Zeitung Gebühren in Höhe von 325.000 Euro erhoben. Es folgte die Klage und ein jahrelanger Rechtsstreit.
Der Anwalt des Geschädigten, Andreas Mayer, Kanzlei Mayer & Mayer Rechtsanwälte in Freiburg, merkte in den Vorinstanzen und schlussendlich vor dem OLG erfolgreich an, dass dem Geschädigten kein ein Prospekt des Fonds vorgelegt wurde, auf dem die Lebensversicherung fußte. Eine ordnungsgemäße Widerspruchsbelehrung gab es obendrein nicht. Eigentlich das Handwerkzeug jedes Versicherers und Maklers. Denn wie jeder Versicherungskaufmann im ersten Lehrjahr lernt, ohne richtige Widerspruchsbelehrung beginnt die Widerrufsfrist nicht zu laufen. Das weiß jetzt auch La Mondiale Europartner.
Der Vertrag wurde rückabgewickelt, die Beschwerde vor dem BGH gegen das Urteil des OLG, das eine Revision ausschloss, blieb erfolglos. Der Geschädigte erhält die 1,8 Mio. Euro und 900.000 Euro Zinsen. (vwh/mv)
Bild: BGH (Quelle: td)
BGH · Rückabwicklung · Falschberatung
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