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"Aktie, führe uns durchs renditelose Tränental"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Immer mehr Versicherer entdecken die Aktie (wieder). Große deutsche Unternehmen wollen als Antwort auf die nicht endend wollende Renditedürre auf Aktien setzen. Doch der Eingang zum Tal der fließenden Renditen wird von der Bafin bewacht, die mit gezücktem Solvency II- Schwert argwöhnisch jeden Ankömmling mustert. Wer hinein will, braucht tiefe Taschen.
Aktien sind für Versicherer unter Solvency II teuer, weiß Reiner Will, geschäftsführender Gesellschafter vom Ratingunternehmen Assekurata: "Im Standardmodell von Solvency II werden Aktien im Vergleich zu anderen Assetklassen, wie beispielsweise Renten, relativ undifferenziert und streng im Bezug auf Eigenkapitalunterlegung behandelt." In anderen Worten, Wertpapiere sind unter Solvency II teuer. Das Standardmodell für Solvency II sieht eine Unterteilung des Aktienexposures in Aktieninvestments vom Typ 1 und Typ 2 vor. "Der Typ 1 beinhaltet auf einem regulierten Markt gehandelte Aktien aus dem europäischen Wirtschaftsraum und OECD-Ländern. Aktieninvestments vom Typ 2 sind Aktien, die nicht aus diesen Staaten stammen, zum anderen jedoch auch Aktien, die nicht gelistet sind, Hedge Fonds, Rohstoffe oder andere alternative Investmentformen", weiß Will. Versicherer müssen für Aktien von Typ I eine Eigenkapitalunterlegung von 39 Prozent einhalten, bei den riskanteren Aktien 49 Prozent.
Versicherer wollen ins Aktienland
Die Finanzchefs der Versicherer kennen die Vorgaben natürlich, dennoch wollen sie auf die Aktienkarte setzen. Vermutlich haben sie das Vertrauen in Mario Draghi verloren. Der Präsident der Europäischen Zentralbank wird zwar nicht müde, von Zinserhöhungen zu sprechen, umsetzen will er sie aber nicht so gerne. Und selbst wenn, werden die Erhöhungen kleckerweise kommen und der Anleihemarkt nur langsam nachziehen. Wollen die Versicherer also ihren Kunden akzeptable Renditen gutschreiben, müssen sie auf Aktien oder andere Investments setzen.
Andree Moschner, Vorstand der Ergo will die will Aktienquote der Ergo vervierfachen. Markus Faulhaber, Vorstandschef der Allianz Leben, will sie "inklusive alternativer Anlagen noch weiter ausbauen". Dabei liegt die Quote bei den Münchenern bereits "vier- bis fünfmal höher als bei anderen Versicherern". Die Munich Re hatte im vierten Quartal des Vorjahres ihre Aktienquote ebenfalls weiter ausgebaut.
Was fällt beim Blick auf dieses Trio auf; richtig, es sind große Häuser, die sich diese Strategie leisten können. Der Umstieg ist nicht einfach. Wesentlich ist beispielsweise das betriebene Geschäftsmodell. Ein Lebensversicherer mit viel klassischem Geschäft wird in der Regel fast ausschließlich in langlaufende Rentenpapiere investieren, die Aktien werden für das Erzielen einer Überrendite verwendet. Möchte dieser Versicherer seine Aktienquote vervierfachen, "muss er zunächst ermitteln, wie hoch seine Risikokapitalauslastung bereits ist, also, ob er sich das zusätzliche Risiko unter Solvency II auch leisten kann", erklärt Will.
Darüber hinaus ist es wichtig, wie das Unternehmen bisher investiert hat: " Ist die Rentenanlage tendenziell risikoarm (beste Bonitäten) und nahezu ausschließlich an der Verpflichtungsstruktur orientiert (sehr gutes ALM-Matching), sollte es in der Regel möglich sein, ein zusätzliches Risiko einzugehen. Ist die Kapitalanlage des Versicherers jedoch bereits eher riskant und opportunistisch auf Ertragsmaximierung auch im Rentenbereich ausgelegt, wird ein massiver Aktienausbau schwierig", fasst Will zusammen.
Doch Solvency II ist nicht die einzige Hürde auf dem Weg in den Aktiengarten. Die Aktienquote ist nicht allein von den Modellbedingungen unter Solvency II abhängig, sondern insbesondere von der generellen Portfolioausrichtung, die von Versicherer zu Versicherer sehr unterschiedlich sein kann. Will fasst zusammen: "Ob eine Ausweitung der Aktienquote auf dem derzeitigen Kursniveau sinnvoll ist, ist dabei letztlich auch eine taktische Fragestellung."
Nicht zu vergessen ist natürlich, dass auch richtig gepickt werden muss. (vwh/mv)
Bildquelle: Konstantin Gastmann / www.pixelio.de / Pixelio
Allianz · Ergo · Assekurata · Aktienquote · Reiner Will
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