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W&W: Junker will "zu den Gewinnern gehören"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die W&W-Gruppe präsentierte beim Pressegespräch 2018 gute Zahlen. Doch die wichtigen Fragen drehten sich nicht um das Vergangene, sondern um die Zukunft. Die Neuausrichtung und Technisierung des Konzerns war das beherrschende Thema. Die W&W- Spitze ist vom eingeschlagenen Digitalisierungsweg überzeugt, doch es bleiben Fragen.
Das Jahr 2017 war ein Gutes für den Konzern. Der Konzernüberschuss nach Steuern betrug 258 Mio. Euro, das entspricht einer Steigerung von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren, die Dividende wird um fünf Cent auf 65 Cent angehoben. Vielleicht stabilisiert das die Aktie, die sich im Jahr 2018 volatil zeigte und zuletzt fiel.
Den größten Ergebnisbeitrag zum Konzernüberschuss lieferte mit 125,8 Mio. Euro, Vorjahr: 108,3 Mio Euro, erneut die Schaden-/Unfallversicherung. Die Combined Ratio stieg leicht von 90,1 Prozent im Jahr 2016 auf aktuell 90,7 Prozent. Im Bereich der Lebensversicherung sanken die gebuchten Bruttobeiträge um 9,8 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro.

Run-off macht "betriebswirtschaftlich keinen Sinn"

Einen Run-Off schloss Junker aus, der würde "betriebswirtschaftlich keinen Sinn ergeben" und zudem wolle man für die Kunden ein "seriöser Partner" sein. Zu der Aussage, dass die auf eine LV-Ausgliederung setzenden Mitbewerber unseriös handeln würden, wollte sich Junker trotzt mehrmaligem Nachfragen nicht bekennen. Der Fokus des Unternehmens läge im Bereich der Lebensversicherung klar auf den nicht klassischen Produkten, die allerdings im Jahr 2017 immerhin noch "ein Drittel des Geschäfts ausmachten".
In der Krankenversicherung stiegen die gebuchten Bruttobeiträge um 7,5 Prozent auf 232 Mio. Euro. Auf Verbesserungsmöglichkeiten angesprochen sagte Junker, dass er sich durchaus vorstellen kann, im Segment Krankenvollkostenversicherung einen "Partner in Boot zu holen", der Bereich Krankenzusatzversicherung laufe "hervorragend".
Nicht ganz so gut aber ordentlich präsentiert sich das Bauspargeschäft. Die Wüstenrot Bausparkasse erreichte ein Brutto-Bausparneugeschäft von 13,6 Mrd. Euro und liegt damit auf dem "hohen Niveau des Vorjahrs". Das Netto-Neugeschäft lag mit 11,5 Mrd. Euro "leicht unter Vorjahr", entwickelte sich aber "besser als der Markt".

Vorstandschef will Angst vor Digitalisierung nehmen

Digitale Dienste sollen Kosten sparen, doch zunächst muss kräftig investiert werden. Dafür hat der Konzern das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte gestartet. In diesem Jahr beginnend sollen in den nächsten drei Jahren 820 Mio. Euro in Transformation, neue Services und die Qualifizierung von Mitarbeitern investiert werden. In den drei Jahren zuvor waren es 650 Mio. Euro.
Das Ziel ist es laut Junker, dass "einfache Tätigkeiten an Maschinen ausgelagert werden", damit die Mitarbeiter mehr Zeit für den "Kunden und die Beratung" aufwenden können. Das digitale Zeitalter sei nicht der Untergang des herkömmlichen Geschäftes, sondern vielmehr eine "Ergänzung", betonte Junker mehrmals im Laufe des Gesprächs.
Es war dem Vorstandsvorsitzenden während der gesamten Konferenz anzumerken, dass er den Angestellten die Angst vor dem Schreckgespenst Digitalisierung nehmen wollte, das mittels Roboter und Bytes Jobs vernichtet. Abgebaut werden soll allerdings.
Auf betriebsbedingte Kündigungen will der Konzern verzichten, die vorzunehmende Reduktion werde durch natürliche Abgänge wie Verrentung erreicht. Die Mitarbeiter sieht Junker als "wichtigste Ressource" und will weiter in die Qualifikation selbiger investieren, sowohl durch Qualifizierungsmaßnahmen wie auch durch Investments in Arbeitswelten wie den neuen Campus in Kornwestheim.
Rund eine halbe Milliarde Euro wird der Bau wohl am Ende kosten, wobei man "unter den geplanten Baukosten" liege. Selbst wenn noch längst nicht alles fertig ist, die bereits gesetzten Gebäude lassen Großes und Schönes erahnen.
Doch es wird auch in neue (digitale) Produkte und Services investiert. Zuletzt wurde Treefin übernommen sowie der Finanzassistent "Finanzguide" und die Wohnplattform "Wüstenrot Wohnwelt" gestartet. Weitere Investments werden unter dem Gesichtspunkt geprüft, ob sie einen "Mehrwert für den Kunden schaffen". Dieses Schlagwort fiel im Laufe des Tages ebenfalls mehrmals. Zufrieden ist man mit der Entwicklung der eigenen, neuen Digitalmarke.
Bei "Adam Riese" laufe das Geschäft laut Junker "erfreulich". Seit der Gründung im Oktober wäre bei der Haftpflicht bereits eine "hohe vierstellige Stückzahl" verkauft worden, zuletzt rund 470 in der Woche. Nachdem kürzlich die Rechtsschutzversicherung lanciert wurde, steht bereits das nächste Produkt in den Startlöchern. Jedes Quartal soll über Adam Riese ein Produkt auf den Markt gebracht werden, der nächste Coup wird eine "Gewerbehaftpflicht für kleinere Unternehmen sein", enthüllte Junker.
Junker ist optimistisch für Zukunft
Bei aller digitalen Liebe, wie reagiert eigentlich der Außendienst auf die neue Konkurrenz durch Adam Riese und die Digitalisierung des Betriebes. Durchaus positiv, meint Junker, man wolle mit den jüngsten Maßnahmen eine online-affine Zielgruppe erreichen, aber das Unternehmen "lebe vom Vertrauen seiner Kunden". Die Digitalisierung solle daher den Außendienst unterstützen, denn der persönliche Kontakt bleibe als "Herzstück" bei der Absicherung des Kunden "unersetzlich".
Das ist ein Ansatz, der sich von dem mancher Insurtechs unterscheidet, die auch in der Beratung voll auf Robotik und Technisierung setzten. Schlussendlich wird sich der Erfolg jedes Finanzkonzerns daran entscheiden, ob die Kunden bereit sind, die Kosten für eine menschliche Beratung zu tragen, egal ob persönlich oder über Snapchat. Die Kosten für eine gute digitale Infrastruktur, die auch künftig den digitalen Anforderungen der Kunden genügen, verdienen im Moment allerdings noch Menschen im persönlichen Gespräch.
Das sieht auch Junker so: "Investitionen müssen verdient werden". Erreicht werden soll dieser Verdienst durch Wachstum und Kosteneffizienz. "In den Neugeschäften unserer Segmente" möchte W&W über dem Marktdurchschnitt wachsen, in einigen Bereichen sogar "doppeltes Wachstum generieren."
Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr wegen der laufenden Investitionen mit einem Jahresüberschuss unter dem letztjährigen, aber oberhalb von 200 Mio. Euro. Am langfristigen Ziel eines "nachhaltig erzielbaren Jahresüberschusses von 220 bis 250 Mio. Euro" hält die W&W-Gruppe fest.
Große Ziele, doch das Unternehmen fühlt sich durch die zurückliegenden Ergebnisse und die ersten Zahlen des laufenden Jahres gut gerüstet für das Kommende. Oder wie es Junker ausdrückt: "Wir werden in den nächsten fünf Jahren zu den Gewinnern gehören". (mv)
Bild: Vorstandsvorsitzender Jürgen A. Junker (Quelle: mv)
Wüstenrot & Württembergische · Digitalisierung · W&W-Konzern
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