Schlaglicht

Prisma Life wehrt sich vehement gegen Schummelvorwurf

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Schwere Vorwürfe werden gegen die Prisma Life erhoben. Der Lebensversicherer würde seinen Kunden durch "dessen Vertriebsagentur" Afa AG "unangemessen hohe Abschlusshonorare" aufbürden und die Vergütungsvereinbarungen hätten auch bei Kündigung Bestand. Die Prisma prüft nun rechtliche Schritte wegen Rufschädigung.
Die dokumentierten Verträge der Afa weisen Abschlusshonorare von bis zu sieben Prozent aus, sagen die Hamburger Marktwächter. Das läge weit über "den gängigen Provisionen und Honoraren" am Markt. Überraschend ist, dass die Wächter die separate Vergütungsvereinbarung kritisieren, die sie sonst von Versicherern gerne gefordert wird.
Dazu nimmt Sandra Klug, Teamleiterin des für Versicherungen zuständigen Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg, Stellung: "Grundsätzlich befürworten wir eine gesonderte Vergütung für die Beratungsleistung, losgelöst vom Vertragsabschluss. Nach diesem Prinzip arbeiten zum Beispiel Versicherungsberater. Im Falle der Afa haben wir jedoch Zweifel, ob man von einer unabhängigen und umfassenden Beratung sprechen kann. Aus unserer Sicht besteht die vergütete Leistung allein im Verkauf von Lebensversicherungsverträgen."
Es ist nicht das erste Mal, dass der Versicherer Ärger mit seinem Lebensversicherungsgeschäft hat, im Jahr 2016 wurden Gerüchte laut, Prisma stecke in argen finanziellen Nöten und würde dringend einen Investor suchen. Der Versicherer dementierte das gegenüber VWheute und präsentierte kürzlich für das vergangene Jahr einen Überschuss in Höhe von fünf Mio. Euro. Den aktuellen Vorwurf weisen sie strikt von sich.

Sache des Vertriebes

Die Gegenargumentation des Lebensversicherers ist simpel aber schlüssig. Das Unternehmen verkaufe Nettopolicen, die Aushandlung der Vertriebskosten wäre Sache zwischen dem Verkäufer und dem Kunden. Prisma Life habe darauf keinen Einfluss und würde von höheren Abschlusskosten auch nicht profitieren.
Das Paket sei zum Vorteil des Kunden, denn aufgrund der separaten Vereinbarung würde er den Kaufpreis sehen. Das wäre bei vielen Brutto-Anbietern nicht der Fall. Darüber hinaus sei die AFA nicht "die Vertriebsagentur der Prisma Life", es handle sich um eine Mehrfachagenten, den auch andere Versicherer nutzen würden.
"Durch strikte Trennung unserer Vorsorgeverträge von den Beratungsvergütungen des Vermittlers stellen wir gerade sicher, dass die Höhe der Vertragskosten für den Kunden in Euro und Cent ganz explizit erkennbar ist. Die Höhe der Vergütung wird dagegen zwischen Vermittler und Kunde festgelegt. Alle der Prisma Life bekannten Regelungen weisen diese sehr transparent aus, erklärt Rainer Overbeck, Leiter Produktmanagement und Marketing der Prisma Life.
Das die Verbraucherschützer die Trennung von Police und Vertriebskosten kritisieren, irritiert Overbeck: "Die Marktwächter beschuldigen die Prisma Life hoher Kostenstrukturen, ohne dass dies etwas mit unseren aktuellen Angeboten zu tun hätte. Im Grunde kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg das von ihr selbst favorisierte Modell einer Trennung von Produkt und Beratung."

Klage gegen Verbraucherschützer?

Die Prisma Life ist von dem Vorgehen der Marktwächter nicht begeistert und prüft eine Klage, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme schreibt. "Die von den „Marktwächtern“ gewählte Überschrift ihrer Mitteilung ist mit Blick auf die inhaltlichen Ausführungen objektiv falsch und markenschädigend." Sind es diesmal die Verbraucherschützer, die sich auf der Anklagebank wiederfinden? (vwh/mv)
Bildquelle: Justitia Florentine / www.pixelio.de / PIXELIO
Prisma.Life · Abschlusskosten · Klage · Marktwächter
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