Märkte & Vertrieb

Jugendliche wollen bei Finanzen die Robo-Revolution

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Siri, mach mich zum Millionär". Jeder zweite junge Deutsche (56 Prozent) will seine finanziellen Belange am liebsten über das Handy steuern und fordert intelligente Anwendungen, die Transparenz schaffen. Rund 60 Prozent der unter 35-jährigen Deutschen halten traditionelle deutsche Banken weiterhin für wenig kundenfreundlich und kaum relevant für ihr Leben.
Die Finanzinstitute haben es schwer, das gilt für Banken ebenso wie für Versicherungen und Asset-Manager. Viele, insbesondere junge Menschen, können mit den herkömmlichen Vertriebswergen nichts mehr anfangen oder misstrauen den Institutionen und ihren Vertretern gänzlich oder wenigstens teilweise. Die Ergebnisse einer Umfrage der Markenberatung Prophet unter 1.000 Personen zwischen 18 und 34 zeigen, dass weit über die Hälfte der Befragten die Banken für entbehrlich halten und fast 60 Prozent bei Geldgeschäften lieber Siri statt Herr Kaiser vertrauen. Das ist aber kein Punkt, der nur Junge betrifft, der Global Consumer Survey, bei dem größere und unterschiedliche Kundengruppen befragt wurden, zeigt ein ähnliches Bild.
Nur rund ein Drittel der Deutschen hat bei den unterschiedlichen Finanzfragen des Lebens einen festen Ansprechpartner. Viel Platz also für Alexa, Siri und Co.
Technik, erlöse uns vom Beraterjoch
Die Jungen setzen ihre Hoffnungen offenbar auf die Technik. Fast 50 Prozent hätten kein Problem damit, ihr Vermögensmanagement einem kostengünstigen und auf Algorithmen basierenden Anlagemodell anzuvertrauen. Auf die persönliche Beratung setzen sie nur von "Zeit zu Zeit". Eine Ursache für die mangelnde Kommunikation könnte das Alter der Berater sein, diese sind sehr häufig über 50 Jahre und sprechen nicht mehr die Sprache der neuen Generation. Ein klassischer Generationenkonflikt.
Junge Menschen fremdeln generell mit der Finanzwelt. Lars Bauer, Co-CEO des Insurtech Optisure stellte im Gespräch mit VWheute treffend fest, dass die Insurtechs "Ausdruck eines geänderten Marktes" sind und der Vertrieb überaltert ist. Die Bankenbranche hat dank der Skandale von Lehmann, Deutscher Bank und Co. einen miserablen Ruf, "so beliebt wie Nordkorea" titelte kürzlich Spon. Und in der Versicherungsbranche sieht es nicht wesentlich besser aus, Versicherungsvertreter sind die zweit unbeliebteste Berufsgruppe, knapp vor den Politikern. So wird die Gewinnung junger Menschen natürlich schwierig.
Teilweise stimmt Wolfgang Jacob, Partner und Finanzexperte bei Prophet den Jungen zu, wenn diese bei Geldangelegenheiten auf die Technik setzen: "Der Robo-Advisor optimiert das Portfolio laufend und schaut, dass der Kunde auf dem richtigen Weg bleibt. Monatliche Portfolio-Besprechungen mit einem Bankberater sind daher unnötig." Allerdings schränkt er auch ein, dass sich Menschen "bei einer fundamentalen Weichenstellung wie dem Konzept für die Altersvorsorge oder dem Kauf von Immobilien" in einem persönlichen Beratungsgespräch "sicherer aufgehoben" fühlen.
Mangelndes Vertrauen
Ein weiterer Grund für die Roboterliebe ist offenbar mangelndes Vertrauen in die Finanzbranche. Über 70 Prozent der Menschen misstrauen Leuten, die von Geldgeschäften leben.
Was die Robo-Enthusiasten aber nicht vergessen sollte, auch die Bots und Regeln der automatisierten Portfolios werden schlussendlich von Menschen programmiert, und zwar in aller Regel von solchen, die ihr Einkommen durch Geldgeschäfte verdienen oder von diesen bezahlt werden. (vwh/mv)
Bild: Beratung (Quelle: Rainer Sturm / www.pixelio.de / PIXELIO)
Grafikquellen: Statista
Umfrage · Image · Robo-Advisor · Prophet
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