Märkte & Vertrieb

Naturkatastrophen bringen Lloyd's in die Verlustzone

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Versicherungsmarkt Lloyd's hat erstmals seit sechs Jahren mit über zwei Mrd. Pfund wieder einen Jahresverlust zu beklagen. Den Grund liegt in den Aufwendungen für Großschäden über 4,539 Mrd. Pfund (2016: 2,512 Mrd.). Zu den schadenträchtigsten Ereignissen zählten neben den Hurrikans "Irma", "Harvey" und "Maria" die kalifornischem Waldbrände das Erdbeben in Mexiko sowie Flutschäden in Australien und Feuersbrünste in Chile.
Neben den Schäden aus den Naturkatastrophen spiegeln sich hingegen noch weitere negative Einflüsse kin der Jahresbilanz von Lloyd's wieder:
  • Klammert man die unwetterbedingten Schäden aus, lag die Combined Ratio immer noch bei 98,4 Prozent und damit wesentlich höher 2016 mit 93,9 Prozent. Ähnliches gilt auch für mittelfristige Perspektive: Im zehn-Jahresmittel lag die Schaden-Kostenquote (bereinigt um Naturkatastrophen) bei 91,5 Prozent, im Fünf-Jahresmittel jedoch bereits bei 96,1 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass sich die Profitabilität von Lloyd's in den letzten fünf Jahren deutlich reduziert hat.
  • Lloyd's gab ebenfalls zu, dass die Preis für Versicherungsschutz im Jahr 2017 um durchschnittlich zwei Prozent gesunken sind.
  • Während Abwicklungsergebnis der Vorjahre die Combined Ratio im Jahr 2016 noch um 5,1 Prozentpunkte reduziert hatte, lag dieser Wert im vergangenen Jahr nur noch bei 2,9 Prozent. Dies lässt darauf schließen, dass die Jahre der systematischen Abwicklung aus zunächst überreservierten Vorjahren zu Ende gehen könnten.
So verzeichnete Lloyd's im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 eine Combined Ratio von immerhin 114 Prozent (2016: 97,7 Prozent). Hinzu kommt der Umstand, dass auch die Schaden-Kostenquoten in den Sparten Rückversicherung (117,2 Prozent), Motor (122,3 Prozent), Marine (122,4 Prozent), Property (127,6 Prozent) und Leben (133,8 Prozent) deutlich über der 100-Prozent-Marke liegen. Da diese Bereich hingegen zum Teil gar nicht von Naturkatastrophen betroffen sind, erklären sich die hohen Schaden-Kostenquoren allein aus einem unzureichenden Preisniveau. Dennoch stieg die gezeichnete Bruttoprämie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 33,591 Mrd. Pfund (2016: 29,862 Mrd.).
Angesichts der erheblichen Risiken erscheint zudem eine Rendite von weniger als zehn Prozent als unzureichend - ein Wert Bereits seit 2015 wird dieser Schwellenwert nicht mehr erreicht. Allerdings dürfte Lloyd's angesichts des derzeitigen Renditeniveaus kaum fürchten, dass Investoren ihre Solvamittel abziehen werden. Zudem dürften auch in den USA die risikofrei erzielbaren Zinsen erst in einigen Jahren wieder ein vernünftiges Niveau erreichen.
Die Financial Times sieht das eigentliche Problem von Lloyd's allerdings nicht in der außergewöhnlichen Belastung durch Naturkatastrophen, sondern im viel zu teuren Vertrieb. Demnach würden die Betriebskosten bei rund 39 Prozent der Nettoprämie liegen - und damit acht Prozentpunkte höher als bei vergleichbaren Konkurrenten. Die Gründe sehen die Kommentatoren um einen in unzureichend rationalisierten Abrechnungssystemen. Einen weiteren Grund sieht das Blatt auch im Ökosystem Lloyd's und den angehörende Unternehmen - insbesondere den Maklern - selbst, die eine allzu breite Wertschöpfungskette abdecken.
Freuen kann sich Lloyd's über die lange Übergangszeit des "Brexit" bis zum 31.12.2020. In der Zwischenzeit wird Großbritannien als eine Art stimmrechtsloses und weiterzahlendes EU-Mitglied weiterhin in den Genuß der Dienstleistungsfreiheit kommen. Erst anschließend wird sich weisen, ob die von Lloyd's in Brüssel gegründete Fronting-Gesellschaft die ihr zugedachte Rolle aich tatsächlich erfüllen kann oder aber ob die geplante Quotenabgabe von 95 plus nach Großbritannien scheitert wird. (cpt)
Bildquelle: Inga Beale (Quelle: Lloyd's)
Lloyd's of London · Inga Beale
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